Montag, 31. Dezember 2012

To End With

"Ich bin 38, männlich, und ich werde Deutschland verlassen. In 2007 werde ich nach Irland ziehen, dort leben und arbeiten, zumindest für eine Weile" - mit diesen Worten eröffnete ich vor ziemlich genau sechs Jahren meinen "Blog for Irland". Sechs Jahre sind also seitdem vergangen. Mittlerweile bin ich Mitte vierzig und die "eine Weile" in Irland dauert noch immer an.

Über die vergangen sechs Jahre hinweg habe ich hier in diesem Blog über mein persönliches Abenteuer Irland berichtet, über den Umzug, das Eingewöhnen in der neuen Umgebung, über die Stadt Dublin, über das Land und seine Leute, über das Leben in Irland im Allgemeinen, über Historisches und Aktuelles.

Irland ist ein kleines Land. So viel ist jedem bekannt. Aber es ist doch sehr viel mehr, als nur die kleine grüne Insel, die viele Touristen im Sinn haben. Irland ist reich an interessanten, kuriosen, witzigen und auch traurigen Geschichten. Wie viele andere Länder auch hatte und hat es seine eigenen kleinen Probleme, seine Herausforderungen, die es zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Mit meinem Blog wollte ich ein wenig Licht auf dieses faszinierende kleine Land werfen. Ich wollte Irland präsentieren, wie es ist, oder zumindest wie es sich mir gegenüber darstellt. Ich bin auf das Irland von gestern eingegangen und auf das von heute, und auch ein klein wenig auf das mögliche Irland von morgen. Es wurde ein Streifzug durch die Jahrhunderte, ein Blick auf zurück liegende Ereignisse und auf heutige, ein Blick hinter die Kulissen. Ob mir dies gelungen ist, möge jeder Leser selbst beurteilen.

Über vieles habe ich berichtet. Dennoch war es nur ein winzig kleiner Ausschnitt des Gesamtbildes.  Es gibt noch viel mehr, über das man berichten könnte. Vieles aber wird unerwähnt bleiben müssen.

Denn nach sechs Jahren kommt nun leider der Moment, an dem ich diesen Blog einstelle.

Es ist eine Entscheidung, die mir nicht leicht gefallen ist. Den Blog zu schreiben, für Artikel zu recherchieren, Schauplätze aufzusuchen und überhaupt mich tief und eingehend mit dem Land und seinen Menschen zu beschäftigen hat sehr viel Spaß bereitet und war für mich in vielerlei Hinsicht sehr lehrreich. Nicht zuletzt habe ich durch den Blog viele interessante Menschen kennengelernt und viele treue Leser/Leserinnen gewonnen. (An dieser Stelle nochmals der Dank an die vielen Leser und Leserinnen, die mir per E-Mail oder Kommentar wertvolles Feedback zukommen ließen.) Umso schwerer fällt es mir, Letztere nun enttäuschen zu müssen.

In den vergangenen sechs Jahren hat sich dieser Blog in einer Weise entwickelt, die nicht vorhersehbar war. Mit der Zeit entfernte er sich immer mehr davon, ein simples Internet-Tagebuch zu sein, in das man gelegentlich seine Erlebnisse und Gedanken niederschreibt. Mit dem stetig höher geschraubten eigenen Anspruch, möglichst tief in Themen einzudringen und umfassend zu berichten, stieg nach und nach auch der zeitliche Aufwand, den das Vorbereiten und Schreiben der Beiträge benötigte. Dies ging sogar so weit, dass sich der Blog teilweise auf mein Privat- und auch Berufsleben auswirkte. Schließlich kam der Punkt, an dem ich die Prioritäten neu und vor allem anders festlegen musste. Der Blog ist und war ein Hobby und eine reine Freizeitaktivität, wofür neben der Arbeit und anderen Verpflichtungen Zeit gefunden werden musste.

Somit also die Entscheidung, den Blog gänzlich einzustellen. Hier bitte ich um Verständnis. Der Blog wird weiterhin online blieben, wird jedoch nicht mehr aktualisiert. (Allerdings werde ich mir das Hintertürchen offen halten, den Blog bei Bedarf - und wenn es sich rechtfertigt - wieder zu aktivieren.)

Künftig werde ich mich in meiner Freizeit neuen Projekten widmen. Mein Abenteuer Irland geht auf jeden Fall noch eine Zeitlang weiter; vieles wartet noch darauf, entdeckt und erforscht zu werden. Ich werde auch weiterhin aus und über Irland berichten, wenn auch weniger häufig und in anderer Form. Der Irland-Blogger-Szene werde ich vorerst als Gast-Autor erhalten bleiben, vorrangig über den Irland-Blog von Markus Bäuchle. Und wer weiß, vielleicht begegnet man sich auch noch an anderer Stelle wieder.

In diesem Sinne:

Ich bedanke mich bei all meinen Leserinnen und Lesern.
Es war eine schöne Zeit, es hat Spaß gemacht mit euch.
Ich wünsche euch ein erfolgreiches Jahr 2013, 
was immer eure Vorhaben sind.


Verabschieden möchte ich mich mit einer kleinen Zusammenstellung von Bildern aus meinen Blog: Erinnerungen aus sechs Jahren "Blog for Ireland".



Donnerstag, 27. Dezember 2012

Look Both Ways

Es heißt: Wenn einer eine Reise tut, dann verändert er sich. Ganz besonders gilt dies, wenn diese Reise viele Jahre dauert. Dies war mir damals, als ich vor sechs Jahren konkreter über einen Wechsel nach Irland nachdachte, durchaus bewusst. Zum Jahresende (und weil dieser Blog seinem Ende entgegen sieht) noch einmal ein paar Gedanken zu den Themen Auswanderung, Veränderung und Heimat.

Sein vertrautes Heimatland zu verlassen, ist ein Schritt, der niemandem leicht fällt. Bei einer Auswanderung durchlebt man ähnliche Phasen wie bei einem großen Abschied. Am Anfang schaltet man auf Autopilot. Zahlreiche Dinge müssen erledigt werden, alles ist neu, ungewohnt, unbekannt. Zunächst gilt es, das grundlegende Überleben zu sichern, etwa eine Unterkunft zu finden, ein Bankkonto zu eröffnen, sich bei den Behörden anzumelden etc.

Die Anfangseuphorie sorgt dafür, dass man erste Probleme leicht wegsteckt oder gar verdrängt. Unannehmlichkeiten trägt man mit Humor. Allerdings lässt diese Euphorie irgendwann nach. Was anfangs noch spannend und aufregend war, wird nun unter Umständen als nervend und frustrierend erlebt. Ernüchterung macht sich breit.

Look both ways, auch im übertragenen Sinn:
Teil des Anpassungsvorgangs bei einer
Auswanderung ist es, zu lernen, offener zu werden
und die Dinge aus zwei Richtungen zu betrachten.
Erst da wird einem so richtig bewusst, auf was man sich eingelassen hat. Es ist die Phase des Zweifelns, der Wehmut, des Schmerzes. Plötzlich reift die Erkenntnis, dass man sich keineswegs in einem immerwährenden Urlaub befindet, sondern tatsächlich sein eigenes Land verlassen hat und nun auf Gedeih und Verderb mit den neuen Umständen zurecht kommen muss.

Ob das Auswanderungs-Projekt gelingt, hängt zum großen Teil von der nächsten Phase ab, der Neuorientierung. Es gilt, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und etwas daraus zu machen. Ewiges Nörgeln und Vergleiche mit dem schmerzlich vermissten Heimatland fördern eher den Frust und verstärken das Heimweh. Vielmehr ist Anpassung gefordert. Wer diesen wichtigen Schritt nicht bewältigt, ist besser beraten, das Projekt Auswanderung abzubrechen. Wer hingegen lernt, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind und das Beste aus der neuen Situation zu machen, der wächst auch persönlich. Die Zeit der Veränderung beginnt.

Auch ich habe mehr oder weniger diese Phasen erlebt, denn auch meine Auswanderung nach Irland verlief keinesfalls reibungslos. Auch bei mir schlug die Anfangseuphorie irgendwann in Ernüchterung um, wenn auch die Zweifel niemals zu groß wurden. Und es folgte die Phase der Neuorientierung. Irland gab mir wertvolle neue Impulse, ermöglichte mir, mein Leben in neue Bahnen zu lenken und lehrte mich, die Welt um mich herum mit anderen Augen zu sehen.

Veränderung ist nicht einfach. Dass es uns so schwerfällt, uns an neue Umstände anzupassen, speziell in einem fremden Land, liegt an unserer kulturellen Brille. Sie verhindert, dass wir uns öffnen und wirklich auf das Neue einlassen, quasi über den eigenen Schatten springen. Aber manchmal muss man genau das tun. Das nennt man kulturelle Anpassung.

Es dauert jedoch viele Jahre, bis man seine vom Heimatland geprägte kulturelle Brille gänzlich ablegt. Bis dahin verbleibt man in einem gewissen Zwischenzustand, der nicht uninteressant ist: Das anfängliche Staunen und Wundern über das Fremde im neuen Heimatland ist weitgehend gewichen. Gleichzeitig aber blickt man mit zunehmender Verwunderung auf das alte Heimatland. Man sitzt quasi zwischen den Stühlen, eine Position, aus der heraus man beides betrachten kann, das Alte wie das Neue. Der Blick geht nach vorn, aber auch zurück.

Anfangs zum Beispiel staunte ich noch über die "eigenartigen" Sportarten, die man hier pflegt, wie zum Beispiel die, bei der die Spieler einen kleinen Lederball mittels Holzschläger über das Feld dreschen. Beim zweiten Hinsehen erscheint "Hurling" aber nicht weniger eigenartig als die in Deutschland gepflegte Sportart, bei der die Spieler einen großen Lederball mittels ihrer Füße über den Platz kicken. Letztlich ist das Regelwerk für Fußball genauso willkürlich gewählt, wie das für Hurling. Fußball erscheint uns Deutschen nur deswegen weniger "eigenartig", weil es in unserer Kultur eine größere Rolle spielt, als das in Deutschland gänzlich unbekannte Hurling.

Was für den Vergleich von Sportarten gilt, lässt sich auch auf das ganze Land anwenden. Irland mit Deutschland zu vergleichen, ist unfair und führt zu nichts, so wie der Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Ja, Irland hat seine Probleme. Aber ist Deutschland das bessere Land? Bei Licht betrachtet finden sich auch in Deutschland Korruption, Verschwendung von Steuergeldern, fragwürdige politische Entscheidungen, überfüllte und verspätete Züge, Rassismus, Gewalttätigkeit und große Armut. Es läuft längst nicht alles so rund in Deutschland, wie es das Image vom perfekt durchorganisierten und effizient verwalteten Land suggeriert. Vielmehr neigen Auswanderer dazu, das alte Heimatland zu idealisieren, speziell wenn es im neuen Land nicht so rund läuft.

Mit der Zeit lernt man, die Dinge aus zwei Perspektiven zu betrachten. Man wird offener und weniger voreingenommen. Dies ist meiner Ansicht nach auch die interessanteste und schönste Erfahrung, die eine Auswanderung mit sich bringt. Look both ways, ist mein Rat an andere Auswanderer.

Stand mit deutschen Bratwürsten in Dublin:
Ist Heimat, was man vermisst?
Einblicke in eine andere Kultur, neue Erfahrungen, die Möglichkeit zur Neuorientierung und Entfaltung - dies sind einige der Vorzüge einer Auswanderung. Mit dem kritischen Blick nach vorne auf das neue Heimatland und zurück auf das alte kommt irgendwann auch die Frage auf: Was ist eigentlich Heimat? Und wo ist Heimat? Heimat ist, was man vermisst, lautet der Titel eines Buchs von Sebastian Schnoy. Es ist eine mögliche Antwort, wenn auch nicht die einzige und allgemeingültige. Was und wo Heimat ist, muss jeder Ausgewanderte letztlich für sich selbst herausfinden. Der US-amerikanische Soul- und R&B-Sänger Marvin Gaye sagte hierzu einmal: "Whereever I lay my hat, that's my home". Ich halte es lieber mit dem irischen Singer/Songwriter Luka Bloom, der in einem Lied sagt:

"It's not about where I come from
As much as where I want to go.
I want to be the future
Where I'm planted I'll grow."


(aus "Dignity and Backbone" von Luka Bloom)

Montag, 24. Dezember 2012

Happy Christmas aus Dublin


Hiermit wünsche ich all meinen
Leserinnen und Lesern
ein frohes Weihnachtsfest
und ein schönes Neues Jahr.


Bei dieser Gelegenheit noch einmal ein herzlicher Dank an alle, die hier gelegentlich oder auch häufiger vorbeischauen.


Freitag, 21. Dezember 2012

Dublin, My Dublin

Der große Paddy Reilly sang einst über Dublin: "Of all the places I've been you're the one I like best, in Dublin, my Dublin, I'm contented to rest". Auch ich habe in der Welt viele Orte gesehen, wenn auch die meisten davon nicht lange genug, um sagen zu können, ich kenne sie gut. In Dublin lebe ich nun schon fast sechs Jahre. Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, dass Dublin der Ort wäre, "I am contented to rest". Und doch: Denke ich an Dublin ist da diese seltsame Mischung aus Zuneigung und Verabscheuung. Dublin ist schmutzig, ist laut, ist teuer, ist gewalttätig, ist chaotisch, oft genug frustrierend, manchmal unheimlich. Und dennoch ist mir diese kleine Stadt in den vergangenen Jahren irgendwie ans Herz gewachsen. Immerhin ist es der Ort, an dem ich einen längeren Abschnitt meines Lebens verbringe.

Dublin - eine kleine Stadt mit
mehr Facetten, als den meisten
bewusst sein dürfte.
Dublin kenne ich mittlerweile besser als die Stadt in Deutschland, in der ich zuletzt wohnte und in der ich bis zu meiner Auswanderung immerhin fast neun Jahre verbrachte. Das liegt sicherlich daran, dass ich mich wesentlich bewusster mit meinem neuen Lebensumfeld auseinandersetze. Mit dem Wissen kommt die Vertrautheit, und die Erkenntnis, dass mich diese Stadt in den letzten Jahren ebenso geprägt hat, wie die anderen Orte, an denen ich bislang längere Zeit verbrachte.

O’Connell Street, Temple Bar, Grafton Street, St. Stephen’s Green und die umliegenden Straßen – Dublins "Inner City" mit den Sehenswürdigkeiten und Museen, den Einkaufszentren und den kulturellen Einrichtungen ist mir mittlerweile bestens vertraut. Unzählige Male bin ich an den Statuen von Daniel O’Connell und Molly Malone vorbeigelaufen, früh am Morgen, spät am Abend, bei Regen, bei Sonne. Dieser Bereich von Dublin ist immer dann gemeint, wenn ich sage, ich fahre "in die Stadt", sei es zum Einkaufen, für Recherche oder weil ich auf dem Weg zur Arbeit zwangsweise durch das Stadtzentrum muss.

Als in Dublin Lebender habe ich aber auch andere Teile der Stadt kennengelernt, Bereiche fernab des touristischen Zentrums. Mit jedem weiteren Stadtteil, in den ich einen Blick werfen durfte, vervollständigte sich das Puzzle, fügte sich alles zu einem Gesamtbild. Wer genau hinschaut, erkennt heute noch im Stadtbild die einzelnen geschichtlichen Epochen und Phasen. Es gab Einschnitte und Dürreperioden, es gab Wachstum und Stillstand, Stadtteile mit Wohlstand und Stadtteile mit großer Armut, architektonische Kunstwerke und Bausünden – mit dem verschärften Blick und mehr Hintergrundwissen wuchs auch das Verständnis dafür, warum die Stadt heute so ist, wie sie ist.

Über die Jahrhunderte entwickelte sich Dublin gemäß seiner eigenen Dynamik, um nicht zu sagen chaotisch: Manchmal zu schnell, manchmal zu langsam, manchmal mit Bedacht und Planung, oft genug ohne jedes Konzept. Die Folge: Dublin, das sind die Geduld strapazierende Fahrten mit dem Bus (im Zentrum vermeide ich Fahrten mit dem Auto), weil sich der Verkehr in den engen Straßen staut. Dublin, das sind auch die oft genauso frustrierenden Fahrten über die außen um Dublin herum verlaufende dreispurige M50, die ursprünglich mit nur zwei Spuren in jeder Richtung konzipiert wurde, weil man glaubte, das würde locker reichen - und auf der man für die Verwendung eines bestimmten Streckenabschnitts eine Mautgebühr bezahlen muss. Und doch, man lernt, mit diesen Eigenarten der Stadt zu leben.

Dublin, das sind vornehme Viertel mit prachtvollen Villen, und Stadtteile mit kleinen schäbigen Reihenhäusern aus roten Backsteinen. Es gibt die zu Stadtteilen einverleibten, ehemals vorgelagerten Dörfer mit eigener Vergangenheit. Und es gibt die am Reißbrett entworfenen Neubausiedlungen ohne jede Geschichte, in denen mit der "Gier ist Geil"-Mentalität Sperrholzattrappen hochgezogen und als Maxime des modernen Wohnens angepriesen wurden.

Und dann gibt es Stadtteile wie Finglas, Mulhuddart, Blanchardstown oder Ballyfermot, in denen überwiegend die Unterschicht wohnt und die Schauplatz blutiger Kriege der Drogenbanden sind. Viertel, in denen notorische Kriminelle leben und in denen an zwielichtigen Pubs die Fahne der Republik weht oder an Hauswände Rachebotschaften der Real IRA gesprüht werden. Das sind die Stadtteile, in denen man auf der Durchfahrt betet und hofft, dass der Bus oder das Auto gerade keine Panne hat und in denen TV-Dramen wie "Love/Hate" gedreht werden. Auch das ist Dublin.

Ich habe Dublin im zeitlichen Ablauf der Jahre erlebt: Wiederkehrende Festivals wie das Temple Bar Trad Festival im Januar, das St. Patrick’s Day Festival im März mit der großen Parade über die O'Connell Street oder der Bloomsday im Juni, habe Sommertage in Stephen‘s Green erlebt, und nicht zu vergessen die Tage der großen Finalspiele der GAA im September, wenn die Pubs in den Farben der Teams geschmückt sind und die Stadt im Ansturm der Fans regelmäßig aus den Nähten zu platzen droht. Auch das ist Dublin.

Dublin, das ist auch Stöbern auf dem Büchermarkt in Temple Bar, in der Grafton Street den Straßenmusikern zuhören, bei Leo Burdock's Fish and Chips essen, an Ostern der Kranzniederlegung am GPO beiwohnen, zu Silvester die Glocken der Christ Church Cathedral hören, bei Bewley's Tee trinken und Cheesecake essen, Spaziergänge im Phoenix Park, Besuche im Zoo, am Dollymount Beach den Kite-Surfern zusehen oder Ausflüge zur Halbinsel Howth, von der man die Bucht von Dublin überblicken kann.

Und last but not least natürlich die Liffey, der Fluss, an dessen Ufern sich die Hafenstadt Dublin aus einer kleinen Wikinger-Siedlung heraus entwickelte, der Fluss, ohne den es Dublin heute wahrscheinlich nicht gäbe.

Ich lebe nicht in dem Dublin, das in den alten Folksongs besungen wird (wie z. B. "Dublin in the Rare Old Times", "Dublin in My Tears" oder das eingangs erwähnte "Dublin, My Dublin"). Aber das braucht es auch nicht. Auch das heutige Dublin ist aufregend genug und bringt genügend Geschichten hervor, die erzählt werden wollen, hält viele "hidden places" parat, die entdeckt werden wollen, wartet mit schrulligen Typen auf wie einst "Bang Bang" und durchläuft spannende Veränderungen, die man eines Tages vielleicht ebenso besingen wird, wie die des "Dublin in the rare old times".

Dies ist mein Dublin. Ich bin ein Teil dieses Dublins, und dieses Dublin ist ein Teil von mir.

Montag, 17. Dezember 2012

Dublin's Hidden Places: Iveagh Gardens, Dublins kleiner Zaubergarten

Den Park St. Stephen's Green in Dublin kennt jeder, Touristen und Einheimische gleichermaßen. Aber scheinbar nur wenige Eingeweihte wissen, dass sich nur einen Straßenblock unterhalb von St. Stephen's Green ein weiterer öffentlicher Park befindet, Iveagh Gardens genannt. Iveagh Gardens ist einer jener gut gehüteten, fast schon geheimen Plätze, mit denen Dublin aufwartet

Iveagh Gardens ist ringsum von Gebäuden und einer hohen Mauer umgeben und liegt recht versteckt. Es gibt nur zwei kleine Zugänge, nicht mehr als unscheinbare Tore in der Mauer, eines zur Hatch Street hin und das andere am Ende der kleinen Sackgasse Clonmel Street, die man regelrecht suchen muss. Der Lohn: Während Stephen's Green speziell an heißen Tagen oft zum Bersten gefüllt ist und man kaum ein ruhiges Plätzchen findet, präsentiert sich der kaum frequentierte Iveagh Gardens als wirkliche Oase der Ruhe.


Der Park Iveagh Gardens wurde Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt. Seine Gestaltung zeigt die Kreatitivät und Verspieltheit der Landschaftsgartenarchitekten aus der Zeit. Die durchdachte Wegplanung führt den Besucher vorbei an einer künstlichen Grotte mit Wasserfall, einem Rosengarten, einem kleinen Steingarten, einem Hecken-Labyrinth mit einer Sonnenuhr in der Mitte und zwei großen Springbrunnen, die sich gegenüber stehen. Zahlreiche Statuen säumen die Wege entlang der von Efeu behangenen Mauern. Es gibt viel zu entdecken in dem kleinen Park, weshalb ein Rundgang tatsächlich lohnt. Iveagh Gardens ist wie ein kleiner romantischer Zaubergarten.


Neulich ergab es sich, dass ich für einen Tag in einem anderen Büro arbeitete. Das Gebäude, in das ich musste, liegt in der Hatch Street, gleich auf der anderen Straßenseite gegenüber von Iveagh Gardens. Glücklicherweise hatten wir das Büro in der obersten von sieben Etagen, und zudem mit Blick zur Straße hin und damit genau auf den Park. Ein derartiger Blick bietet sich einem nicht oft. Entsprechend wurden meine Kollegen und ich den ganzen Tag über nicht satt, von unserem Aussichtspunkt aus den Park zu bewundern, der sich da vor unseren Füßen ausbreitete (das durch die Fensterscheibe gemachte Foto gibt dies leider nur ungenügend wieder). Da machte es auch nichts, dass sich der Park lediglich in seinem kargen Herbstkleid präsentierte. Wie muss sich der Park erst im Sommer präsentieren, wenn die Bäume grün tragen und der Rosengarten erblüht ist?


Iveagh Gardens, ein kleines Juwel mitten in Dublin.