Freitag, 31. August 2007

If Walls Could Talk

Rathfarnham Castle in Dublin ist keines dieser Prachtschlösser, wie man sie sonst kennt. Von außen eher unscheinbar, erzählt die lebhafte Geschichte des Schlosses auch einen Teil der Geschichte Irlands.

Im 16. Jahrhundert verfolgte Elizabeth I. eine harte Politik der Kolonisierung Irlands. Gemeint ist damit die rücksichtslose Enteignung der (katholischen) irischen Landbesitzer und der Zuteilung größerer Ländereien an (protestantische) englische Adlige. Diese fühlten sich dort jedoch nur in befestigten Schlössern sicher, die ausreichend Schutz bei Belagerungen boten.

Eines dieser Schlösser war Rathfarnham Castle. Konzipiert und erbaut wurde es um 1582 von William Chamber. Dicke Mauern und vier mächtige Türme boten ausreichend Schutz gegen Angriffe. Bereits damals erhielt das Schloss seinen so markanten, weißen Kalkverputz.

Erster Besitzer war der spätere Erzbischof von Dublin, Adam Loftus. Über Generationen hinweg wurde es weitervererbt. Aufgrund der hohen Stellung der Familie kehrten des Öfteren politische Größen in dem Schloss ein und aus. Während des englischen Bürgerkrieges in den 1640er Jahren bezog kein Geringerer als Oliver Cromwell mehrfach mit seinen Truppen in dem Schloss Quartier, um seine Feldzüge durch Irland zu planen.

Mehrfach wechselte das Schloss den Besitzer. Mal wurde es aus Geldnot verkauft, mal in einem Kartenspiel verspielt. 1763 gelangte es letztmalig wieder in den Besitz der Familie Loftus. Henry Loftus, der selbst keine Kinder hatte, ließ seine beiden Nichten bei sich wohnen. Man rechnete sich gewisse Chancen aus, dass eine von ihnen den damaligen englischen Vizekönig heiraten würde. Doch leider hat der gute Mann es sich dann anders überlegt, und die Loftus-Familie ging leer aus.

Das 18. Jahrhundert war eine recht friedliche Zeit, in der das Schloss in ein elegantes Anwesen verwandelt wurde. Die Zinnen von den Wehrtürmen wurden abgenommen, einige Räume wurden umgestaltet und mit aufwändigen Stuck-Verzierungen und Deckenbemalungen versehen. Die englische High-Society traf sich des Öfteren zu rauschenden Ballnächten und ließ es sich in Irland sichtlich gut gehen.

Von den Loftuses wechselte das Schloss über in den Besitz der Ropers (1812-1852) und zuletzt an die Blackburns (1852-1912). Unter den Blackburns wurde das Schloss erneut umfangreich renoviert und z.B. mit fließend Wasser versehen. Nachdem die letzte Blackburn, Lady Blackburn, gestorben war (ihre Totenmaske hängt noch heute im Eingangsbereich des Schlosses), wechselte es erneut den Besitzer.

1913 übernahm ein Jesuitenorden das Schloss. Als in den 1980er Jahren immer weniger irische Männer Interesse an einer Priesterausbildung hatten und der Nachwuchs ausblieb, gab der Orden das Schloss ab. Seit 1987 befindet es sich in öffentlicher Hand.


Nähert man sich heute dem Schloss, fallen einem die dunklen Fenster in den nackten, weißen Wänden auf. Innen schreitet man auf knarrenden Holzfußböden, und quietschende Türen führen von einem Raum in den nächsten. An einigen Wänden blickt man in die Augen der früheren Besitzer, die sich auf großformatigen Portäts verewigen ließen. Und immer wieder findet man an den Wänden die Abdrücke der kleinen Kreuze, die die Jesuiten haben anbringen lassen.

Und dann war da noch die Geschichte des Mädchens in dem gelben Kleid. Neben dem Ballsaal befindet sich in einem der mächtigen Türme ein kleiner Raum, in den sich damals die Herren zurückziehen konnten. Dieser Raum ist mit einer Holzvertäfelung versehen, die ihm die Form eines Oktagons verleiht. Eines Tages im Jahre 1880 fiel jedoch auf, dass es kein perfektes Oktagon war. Als man einen Teil der Vertäfelung entfernte, entdeckte man dahinter das Skelett eines jungen Mädchens, noch in den Überresten eines gelben Kleides. Zu ihren Füßen fanden sich zwei Ohrringe.

Nachforschungen ergaben, dass sie über 130 Jahre dort gewesen sein musste. Man vermutet, dass sie als "Trophäe" für den Sieger eines Duells um ihre Liebe dort eingeschlossen wurde. Leider jedoch kamen beide Duellanten ums Leben (der eine starb an seinen Verletzungen, der andere ertrank). Da das Duell unter großer Geheimhaltung ausgetragen wurde, kam niemand, um das Mädchen zu retten. Seitdem geht ihr Geist in dem Schloss um.

Man erzählt sich auch, dass Lady Blackburn die Ohrringe an sich genommen und selbst getragen habe. Und aus den Resten des gelben Kleides lies sie sich Kopfkissen nähen.

Und dann war da noch das Zimmer im südöstlichen Turm, das uns unsere Führerin, eine freundliche ältere Dame, auf dem Weg durch das Schloss nicht zeigen wollte. Dort sei nichts zu sehen, sagte sie uns. Doch ich bemerkte später beim Spaziergang durch den Schlosspark, dass sich hinter einem der Fenster zu diesem Raum ein Schatten bewegte. Und überhaupt erzählte uns unsere Führerin die Geschichte des Schlosses so lebhaft, dass man glauben könnte, sie sei selbst dabei gewesen...

Dienstag, 28. August 2007

Polen in Not

Erneut ein Wochenende, an dem ich viel unternommen und gesehen habe. Gerade jetzt in den Sommermonaten (und besonders, wenn das Wetter mitspielt) möchte ich die Wochenenden für Außenaktivitäten nutzen. Im Vordergrund steht das Sammeln von Eindrücken und Fotos, aber auch das Aufnehmen von Informationen jeder Art, seien es geschichtliche Hintergründe oder einfach nur örtliche Trivia. Leider fehlt mir dann in der Woche die nötige Zeit, alles in meinem Blog zu verarbeiten. Dem­entsprechend lang ist bereits die Liste mit Themen, die ich noch behandeln werde. In den Wintermonaten, wenn die Tage kürzer sind und man nicht mehr so viel draußen unternehmen kann, werde ich alles aufarbeiten. Habt also Geduld.

An diesem Wochenende standen am Samstag Rathfarnham Castle sowie am Abend der Besuch der Abschlussvorstellung von „Riverdance“ an. Der aufmerksame Leser wird sich erinnern, dass ich die Show bereits vor einigen Wochen besucht habe. Aber mir hat sie so sehr gefallen, dass ich einfach noch mal hin musste. Zumal die Tanztruppe nun Dublin und das ehrwürdige Gaiety Theatre verlässt und weiterzieht, sich also die letzte Gelegenheit bot. Was es mit dem Rathfarnham Castle auf sich hat, werde ich nachreichen.

Am Sonntag war ich in Dun Laoghaire (ausgesprochen etwa "Dun Leary" ), einem Nachbarörtchen südlich von Dublin. Nach gerade mal 15 Minuten mit der DART (einer Art S-Bahn), ist man aus Dublin raus in einem ansonsten verschlafenen Örtchen direkt am Meer. Ansonsten verschlafen deswegen, weil an diesem Wochenende das Festival of World Culture stattfand, bei übrigens typisch irischem Wetter (sonnig, sehr warm). Zahlreiche Besucher fluteten den kleinen Ort, um die Aussteller aus aller Welt zu sehen, die Tanz, Musik, oder auch Speis und Trank aus ihrem Land präsentierten. Ein kleiner Jahrmarkt mit Riesenrad rundete das Ganze zu einem wunderbaren Volksfest ab.

Wer kein Interesse an Tanz und Kultur hatte, war an diesem Sonntag vermutlich im berühmten Croke Park Stadion in Dublin. Bereits am Vormittag zog ein Menschenstrom in zweierlei Farbkombinationen über die O’Connell Street in Richtung Norden: Die Anhänger von Kerry (in den Farben Grün und Gelb), sowie die Fans von Dublin (in blauen Farben) zogen in freudiger Erwartung des Halbfinalspiels in der GAA All Ireland Football Championship durch die Stadt. Das ganze übrigens absolut friedlich und in großer Eintracht. Am Nachmittag kehrte sich der Strom der Menschen dann um in Richtung Süden, zu den Bahnhöfen, wobei viele an den zahlreichen Pubs unterwegs eine kleine Rast einlegten. Auch dort setzte sich das friedliche Miteinander fort, und man konnte nur mit genauem Hinschauen erahnen, dass das Team von Dublin verloren hatte.

Und Polen? Letztens war eine interessante Meldung in der Zeitung. Polen hat bei der UEFA angekündigt, dass man vermutlich nicht alle Stadien für die Fußball-EM 2012 rechtzeitig fertig haben wird. Der einfache Grund: Es fehlen Arbeitskräfte. Und wer sich die Tage in Dublin umsieht, braucht nicht lange zu überlegen, wo die alle sind. Nach Schätzungen fehlen in Polen 300.000 Bauarbeiter, von denen die meisten in Irland und anderen europäischen Ländern sind, wo sie höhere Löhne erhalten. Aber die Wirtschaftsexperten erwarten für die nächsten zwei Jahre einen Stellenabbau im Baugewerbe. Vielleicht kehren die meisten Arbeiter ja nach Polen zurück, und es wird auch in Polen so friedliche Spiele geben, wie hier in Dublin.

Donnerstag, 23. August 2007

Von furchtlosen Kelten, geschwätzigen Mönchen und deutschen Bratwürsten

Ein erneut unternehmungsreiches Wochenende liegt hinter mir. Am vergangenen Samstag stand ein Besuch des Euroculture-Festivals auf dem Smithfield Plaza in Dublin an. Und am Sonntag ging es bei dem für Irland so typischen Wetter (blauer Himmel, sonnig warm) auf einer Tagestour auf den Spuren von Kelten und Mönchen zu Fournocks, Mellifont Abbey, Monasterboice sowie Slane und Tara.

Fournocks ist ein sehr gut erhaltenes Ganggrab, eine kleinere Kopie von Newgrange. Von außen hat es die Form eines runden Hügels, der mit Gras bedeckt ist. Ursprünglich war die Kuppel aus Holz, heute bedeckt und schützt eine Halbkugel aus Beton das Grab. Errichtet wurde es bereits zwischen 3000 und 2500 v.Chr. und wurde bis in die Zeit der Kelten hinein verwendet. Viele der Hochkönige von Tara aus dem Geschlecht der O'Neills wurden hier bestattet.

Archäologen fanden dort die Überreste von insgesamt 65 Personen, die meist in Urnen bestattet wurden, zusammen mit wertvollen Grabbeigaben. Auf einigen Steinblöcken finden sich eingravierte Muster in Form von Kreisen oder Spiralen, die den Kreislauf des Lebens darstellen. Für die furchtlosen Kelten war es die größte Ehre, in einer Schlacht getötet zu werden und in den ewigen Kreislauf der Wiedergeburten einzugehen. Auf einem Stein befindet sich auch das vermutlich älteste in Stein gravierte Abbild eines menschlichen Gesichts (naja, mit viel Phantasie zu erkennen).

Weiter ging es zu Mellifont Abbey, den Überresten einer um 1157 von Brüdern des Zisterzienser Ordens errichteten Abtei. Die Abtei von Mellifont war die erste ihrer Art und war Vorbild für andere Zisterzienser Orden in Irland, bevor sie 1539 im Rahmen der "Neuorganisation der Kirche" durch Heinrich VIII aufgelöst wurde, anschließend noch eine Zeitlang als Herrensitz diente und dann gänzlich aufgegeben wurde. Viele der ansässigen Bauern verwendeten die Steine für ihre eigenen Häuser und Hütten. Dementsprechend findet man heute überwiegend nur noch die Fundamente der einst so prächtigen Anlage.

Erwähnenswert ist eine kleine Geschichte aus der Gründungs-Zeit des Ordens: Sieben Brüder aus Frankreich und vier aus Irland bildeten die Kernmannschaft des Ordens. Neben den sprachlichen Verständigungsproblemen gab es noch andere, die den französischen Brüdern Anlass zur Sorge gaben. In einem Brief an ihren Ordensvater in Clairvaux beschwerten sie sich darüber, dass ihre irischen Glaubensbrüder es mit manchen Ordensregeln nicht so genau nahmen. Vor allem die Einhaltung der Schweigestunden fiel den Iren sichtlich schwer. Eine Eigenart, die man bei vielen Iren auch heute noch beobachten kann.

Den Spuren der Mönche weiter folgend ging es zu Monasterboice, der Ruine eines Klosters, das bereits um 500 gegründet und nach einem Brand 1097 aufgegeben wurde. Auf dem alten Friedhof (der immer noch in Verwendung ist) befinden sich sehr gut erhaltene irische Hochkreuze aus dem 9. Jahrhundert, die seinerzeit als Anschauungsmaterial für den Religionsunterricht genutzt wurden. Das große Kreuz oder Westkreuz ist mit 6,5 Metern Höhe das größte in Irland. Sein Ornament zeigt Szenen aus dem alten und neuen Testament, wie z.B. Adam und Eva im Garten Eden oder die Verhaftung und Kreuzigung Jesu.

Der Hill of Slane erlangte seine Bedeutung bereits in den Anfangsjahren des Christentums in Irland, genauer gesagt in der Zeit des St. Patrick (5. Jahrhundert). Der Legende nach hat St. Patrick auf diesem Hügel anlässlich des Pascha-Festes ein Feuer gezündet, und wiedersetzte sich damit einer Anordnung des Hoch­königs Laoire. Während auf dem Hügel von Tara (in Sichtweite vom Hill of Slane) ein Feuer anlässlich eines Festes brannte, durften keine anderen Feuer gezündet werden. König Laoire war von St. Patricks Hingabe zum christlichen Glauben derart beeindruckt, dass er ihm gestattete, mit seiner Missionierung Irlands fortzufahren. Später wurden auf dem Hügel eine Kirche und ein kleines Kloster errichtet, deren Ruinen man noch heute besichtigen kann.

Vom Hill of Slane ist es nur ein Katzensprung (16 km) bis zum Hill of Tara. Viele Legenden und Sagen ranken sich um diesen historischen Ort, einstmals Sitz der Hochkönige, die über ganz Irland herrschten. Auch heute ist Tara wieder in aller Munde, allerdings mehr wegen der drohenden Zerstörung eines Teils der Anlage durch den Bau einer Autobahn. Über Tara werde ich in einem eigenen Artikel an anderer Stelle berichten, um seiner Bedeutung gerecht zu werden.

Bleibt noch das Euroculture-Festival, das am Samstag auf dem Smithfield Plaza stattfand (dort wo jeden ersten Sonntag im Monat der Pferdemarkt stattfindet; siehe Bericht). Eigentlich sollten Tanz, Musik und Kunst aus verschiedenen Ländern Europas geboten werden. Allerdings fiel es aufgrund des für Irland untypischen Wetters regelrecht ins Wasser und entwickelte sich so gar nicht zu einem Festival. Zwar gab es einige Stände und auch eine große Bühne, auf der Musikgruppen auftraten. Aber leider sah man vor der Bühne mehr auf- und abhüpfende Regenschirme als tanzende Zuschauer.

Ein Stand allerdings lohnte die Anreise: Man konnte dort nämlich - man staune - echte deutsche Bratwürste und Krakauer bekommen. Die Betreiberin, natürlich eine Deutsche, hatte eigens für das Festival echte deutsche Bratwürste importiert. Seit einiger Zeit schon versucht sie, die Iren auf den Geschmack zu bringen. Sie war recht optimistisch, und ich konnte mich selbst davon überzeugen, dass eine deutsche Bratwurst allemal besser schmeckt, als die in Irland erhältlichen Würste. Somit kam ich nach langer Zeit wieder in den Genuss einer deutschen Bratwurst. Und das mitten in Dublin.

Dienstag, 14. August 2007

Stab-Nation Ireland

Juli 2007:

Im europäischen Vergleich hat Irland die niedrigste Kriminalitätsrate. Dies besagt eine Studie der World Health Organisation (WHO), bei der die Verbrechensraten von 27 europäischen Ländern verglichen wurden.

Irland im Juli 2007:
  • Im Stadtteil Stillorgan, im Süden von Dublin, wird an einem Nachmittag ein Mann in einem stehenden Auto von zwei Männern niedergeschossen. Die Polizei vermutet einen fehlgeschlagenen Drogenhandel als Hintergrund. Der Vorfall ereignet sich in der Nähe einer Kindertagesstätte, vor der zu diesem Zeitpunkt viele Kinder darauf warten, von ihren Eltern abgeholt zu werden.
  • In Drogheda, nördlich von Dublin, wird ein 32-jähriger Mann aus Rumänien in seinem Vorgarten niedergestochen.
  • In Nenagh, Co. Tipperary, wird ein weiterer Ausländer in einer Auseinandersetzung ebenfalls mit einem Messer niedergestochen.
  • In Finglass, Co. Dublin, wird ein 28-jähriger Mann vor seiner Haustür von zwei Männern niedergeschossen.
Die Tageszeitungen geben ein scheinbar anderes Bild wieder, als die Studie behauptet, die auf auf Zahlen aus dem Jahr 2005 basiert. Demnach ereigneten sich 0,32 Gewaltverbrechen je 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Die Liste westeuropäischer Länder wird von (man staune) Finnland angeführt. Dort beträgt die Rate 1,96. Schottland folgt auf Rang zwei mit 1,75. Und im Osten Europas ist Russland Spitzenreiter, mit 23,69 Gewaltverbrechen je 100.000 Einwohner. Für Irland wurde sogar ein Rückgang beobachtet: In einer ähnlichen Studie vor fünf Jahren betrug die Rate noch 1,13.

Und doch liest man immer wieder von Fällen wie den oben erwähnten. Auch die Politiker geben inzwischen unumwunden zu, dass das aufstrebende Dublin Schauplatz von Bandenkriegen geworden ist. Besonders die Drogenszene hat sich in Dublin breit gemacht. Das organisierte Verbrechen scheut auch nicht vor Aktionen am hellichten Tag zurück, wie der Vorfall in Stillorgan zeigt.

Unter Kleinkriminellen ist das Messer die beliebteste Waffe. Immer wieder werden Ausländer, Frauen, aber auch Jugendliche und Schüler Opfer bei Messerstechereien. Oft rechtfertigen sich die Täter einfach damit, dass sie sich "schief angesehen" glaubten. Letztens wählte eine Tageszeitung den Namen "Stab-Nation" für Irland.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Politiker auch dieses Problems annehmen und eine Lösung finden. Bis dahin sollte man stets Vorsicht walten lassen und besonders nachts einige Viertel und Straßen meiden.

Sonntag, 12. August 2007

Der wenig aufregende Alltag

Die scheinbare Ruhe in der letzten Zeit ist damit zu erklären, dass sich mein Alltag inzwischen normalisiert hat. Nicht dass die Themen fehlen oder etwa nichts passieren würde. Es ist einfach Routine eingetreten.

Die Tage in der Woche werden natürlich von der Arbeit bestimmt. Aber auch nach der Arbeit finden sich immer häufiger Aktivitäten, denen ich regelmäßig nachgehe, so z.B. das wöchentliche Treffen mit Sinead, meiner English-Lehrerin, oder der Gang zum Fitness-Studio.

Die Wochenenden versuche ich immer bestmöglich mit Unternehmungen zu verplanen. Noch immer gibt es in Dublin viel, das ich noch nicht gesehen habe. Und dann gibt es natürlich noch das weite Umfeld von Dublin, das immer einen Tagesausflug lohnt. Am letzten Wochenende zum Beispiel war ich in den Wicklow Mountains, dem "Garten Irlands" (Bericht folgt).

Hinzu kommen, besonders an den Wochenenden, noch andere, unregelmäßige Aktivitäten, wie Shoppen, Handwerker im Haus oder einfach nur die gewöhnliche Arbeit im Haushalt. Im Grunde ist das Leben in Irland also nicht viel anders als z.B. in Deutschland.

Apropos Handwerker: Ja, der defekte Wassertank ist inzwischen ausgetauscht. Ich hatte an dem Wochenende, als die Handwerker ins Haus kamen, das Weite gesucht, und von der Reparatur nicht viel mitbekommen. Noel hatte sich der Sache angenommen, er war dafür eh besser geeignet als ich. Als ich nachmittags nach Hause zurückkehrte, war schon fast alles gelaufen. Etwa 6 Stunden haben die beiden Handwerker benötigt.

Die Tropferei hat nun endlich aufgehört. Im Garten steht noch immer der defekte alte Tank. Am Boden sind deutlich Rostspuren zu sehen. Dort war vermutlich das kleine Leck, durch das Wasser austrat. Der Kupfertank ist ein sehr begehrtes Stück, und wird wohl demnächst zur Verwertung abgeholt.

Eine interessante Randnotiz: Als die Handwerker am Nachmittag ihr Werkzeug einpackten, kam unsere Nachbarin vorbei. Bei ihr im Haus war scheinbar ein ähnliches Problem mit dem Wassertank. Und siehe da: Am darauffolgenden Wochenende waren die beiden Handwerker nebenan tätig. Und da unser Haus und das der Nachbarin nur zwei Häuser in einer Reihe von Häusern sind, die alle das gleiche Alter haben, werden die beiden Handwerker wohl noch des Öfteren bei uns in der Straße sein…

Montag, 6. August 2007

Der Smithfield-Pferdemarkt

Jeden ersten Sonntag im Monat findet auf dem Marktplatz von Smithfield, im Zentrum von Dublin, einer der größten innerstädtischen Pferdemärkte Europas statt. Wo früher ursprünglich ein Obst- und Gemüsemarkt stattfand, werden seit den siebziger Jahren Pferde gehandelt. Man findet allerdings weniger hochrassige Renn- oder Zuchtpferde, sondern vielmehr Arbeitspferde für die Landwirtschaft, Zugpferde für Kutschen, Reitpferde für die Töchter reicher Eltern und Fohlen oder Ponys für die Kleinen. Und wer schon genügend Pferde in seinem Stall hat, kann sich auf dem Markt noch das passende Zubehör kaufen, von Sattelzeug über Sulkys bis zum schmucken Ölgemälde mit Pferdemotiven.

Smithfield selbst war bis vor einigen Jahren eine ziemlich herunter gekommene Ge-gend nördlich des Liffey, in der Nähe der Heuston-Bahnstation. Im Zuge der vielen Neubau-Maßnahmen hat man die alten Häuser abgerissen und an ihrer Stelle moderne Apartment-Blocks hingesetzt. Aus der vormals sehr zwielichtigen Gegend wurde eine sehr begehrte Wohngegend.

Der Pferdemarkt mitten in Dublin ist sicherlich ein ungewöhnliches Ereignis. In der Mehrheit werden Arbeitstiere angeboten, scheckige Halb-Kaltblüter mit viel Fesselbehang. Daneben auch kleinere Pferde und Ponys. Man kann sehr gut das Treiben der Pferdehändler beobachten. Man tastet die Pferde ab, betrachtet die Hufe und ja - hier wird dem Gaul noch ins Maul geschaut. Die Händler waren typische Land- oder Pferdewirte von der suspekten Art, die nicht gerade zimperlich mit den Pferden umgingen, die meist an Pollern oder an den futuristischen Säulen des Marktplatzes angebunden waren. Auch ließen es sich viele Kaufinteressenten nicht nehmen, die Pferde im schnellen Trab oder sogar Galopp "probe" zu reiten, oder vor den Sulky spannen zu lassen. Allerdings musste auch dem Pferdeunkundigen auffallen, dass der große Kopfsteinpflasterplatz dafür denkbar ungeeignet ist, zumal der Regen das Kopfsteinpflaster noch schlüpfriger machte.

Sehr groß war der Markt allerdings nicht, vielleicht 30 bis 40 Tiere. Möglicherweise lag es am schlechten Wetter an diesem Sonntagmorgen. Vielleicht aber auch daran, dass der Markt in letzter Zeit in die Kritik geraten ist. Die Dublin S.P.C.A. (Society for Prevention of Cruelty to Animals) hat ein Verbot des Pferdemarktes gefordert, oder zumindest die Verlegung auf eine Wiese außerhalb des Zentrums. Insbesondere haben die Tierschützer immer wieder Misshandlungen der Tiere beobachten müssen. Und natürlich ist der Kopfsteinpflasterplatz, umgeben von Stahl, Beton und Glas, kein idealer Austragungsort für einen Pferdemarkt.

Hinzu kommt, dass der Markt nicht reguliert ist. Für die Tiere müssen keine Papiere vorgelegt werden. Vom Pony für 100 Euro bis zu 10 oder 12 jährigen Arbeitstieren wird alles verkauft. Sogar Jugendliche unter 16 Jahren können dort ein Pferd erwerben. Einige der Tiere werden extra aus England eingeflogen, und sind weder an Straßenverkehr noch viele Menschen gewöhnt. Ich selbst habe gesehen, wie einem Pferd eine frische Wunde am Bein mit einem Taschentuch abgetupft wurde. Vermutlich hatte sich das Tier an einem der scharfkantigen Steinblöcke auf dem Marktplatz gestoßen. Ungeachtet derartiger Gefahren trieben einige der Händler die Pferde zu einem Galopp über das Kopfsteinpflaster an. Von den Beton- und Glaswänden hallte das laute Klappklapp-Klappklapp-Klappklapp der Hufe wieder. Und immer wieder kamen die Tiere mit ihren Hufeisen ins Schlittern. Zum Glück habe ich keine Stürze beobachten müssen.


Kein Wunder, dass die Tierschützer, die das Treiben auf dem Markt genau beobachten, dort nicht gerne gesehen sind. Und wohl gelegentlich kommt es auch zu Raufereien, wenn sie sich mit den Händlern anlegen. Mir war gleich die verstärkte Präsenz der Polizei aufgefallen, die den Markt aus einem Mannschaftswagen und von den Eingängen der Häuser aus beobachtete. Wahrlich, der Pferdemarkt mitten in Dublin ist in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Mal sehen, wie lange noch.

Samstag, 4. August 2007

Lotto-Fieber in Irland

Erst Anfang der Neunziger Jahre (für das spiel- und wettverrückte Irland eigentlich verwunderlich) wurde in Irland Lotto eingeführt. Und am vergangenen Wochenende erreichte die Lotto-Hysterie nie gekannte Ausmaße. Da der Jackpot bei den vorangegangenen Ziehungen nicht geknackt wurde, warteten nun sagenhafte 16 Millionen Euro auf einen Gewinner – Rekord im irischen Lotto.

Die ganze Nation war im Lotto-Fieber. In Zahlen ausgedrückt bedeutete dies, dass für die beiden vergangenen Ziehungen jeweils 2 Millionen Lottoscheine gekauft wurden. Statistisch gesehen hatten zwei von drei Erwachsenen einen Lottoschein erworben. Während der Stoßzeiten zwischen 18 Uhr und 19:45 Uhr kurz vor Annahmeschluss wurden je Minute 5500 Scheine gekauft.

Nach der Ziehung letzten Samstag war denn auch die Spannung groß, ob der Jackpot nun endlich geknackt wurde. Und schon bald sickerte es durch, dass es einen Gewinner gab: Ein 4-Euro-Quicktip-Schein, erworben in einem Centra Supermarkt in Cork City, hatte die richtige Zahlenkombination. Und da Irland mit seinen knapp 4,2 Millionen Einwohnern noch eine kleine Gemeinde ist, in der jeder jeden kennt, wurde auch bald der Name des Gewinners bekannt. Es handelt sich um eine Familie mit fünf Kindern. Erst die Nachbarn, dann die Stadt und bald auch das ganze Land waren aus dem Häuschen und freuten sich mit den Glücklichen, die sich nun zu Irlands exklusivem Kreis der Millionäre rechnen dürfen. (Offiziell gibt es in Irland übrigens 33.000 Millionäre.)

Gespielt wird übrigens „6 aus 45“. Dies war jedoch nicht immer so. Bei der Einführung des Lotto wurde noch „6 aus 36“ gespielt. Ein Spiel kostete damals 50 Pence. Der mathematisch Kundige hat nun flugs ausgerechnet, dass sich für 950.000 Pfund alle 1,9 Millionen Kombinationen abdecken ließen.

Dies erkannten auch 28 pfiffige Iren, die sich kurzerhand zu einer Tippgemeinschaft zusammenschlossen. Als der Jackpot damals recht beachtliche 1,5 Millionen Pfund erreichte, witterten sie ihre Chance und spielten alle Kombinationen, den sicheren Gewinn vor Augen.

Die Lottogesellschaft sorgte für ungewollten Nervenkitzel. Als sie Verdacht schöpfte, schaltete sie kurzerhand in zahlreichen Annahmestellen den Computer ab, wodurch etwa 100.000 Scheine und damit Kombinationen nicht gespielt wurden. Dies jedoch hinderte die Tippgemeinschaft nicht daran, den Jackpot zu knacken.

Allerdings hatte man ein paar Unbekannte auf der Rechnung: Zum einen hatten zwei andere Spieler zum Einsatz von je 50 Pence ebenfalls die richtige Kombination gespielt, weshalb der Hauptgewinn geteilt werden musste. Allerdings hatte die Spielgemeinschaft noch zahlreiche weitere richtige Kombinationen für Nebengewinne, so dass sich der Gewinn auf immerhin noch beachtliche 1,3 Millionen Pfund belief.

Der größte Spielverderber allerdings war das Finanzamt, das von der Spielgemeinschaft eine Unternehmenssteuer forderte, da es sich in seinen Augen um eine „Vereinigung mit kommerziellen Interessen“ handelte. Durch das Spielen aller möglichen Kombinationen sei das Zufalls-Element ausgeschaltet worden.

Die Lottogesellschaft zog ihre Lehren aus der Begebenheit und erhöhte die möglichen Zahlenkombinationen. Was aber der Lottobegeisterung keinen Abbruch tat, wie man am vergangenen Wochenende beobachten konnte.