Rathfarnham Castle in Dublin ist keines dieser Prachtschlösser, wie man sie sonst kennt. Von außen eher unscheinbar, erzählt die lebhafte Geschichte des Schlosses auch einen Teil der Geschichte Irlands.
Im 16. Jahrhundert verfolgte Elizabeth I. eine harte Politik der Kolonisierung Irlands. Gemeint ist damit die rücksichtslose Enteignung der (katholischen) irischen Landbesitzer und der Zuteilung größerer Ländereien an (protestantische) englische Adlige. Diese fühlten sich dort jedoch nur in befestigten Schlössern sicher, die ausreichend Schutz bei Belagerungen boten.
Eines dieser Schlösser war Rathfarnham Castle. Konzipiert und erbaut wurde es um 1582 von William Chamber. Dicke Mauern und vier mächtige Türme boten ausreichend Schutz gegen Angriffe. Bereits damals erhielt das Schloss seinen so markanten, weißen Kalkverputz.
Erster Besitzer war der spätere Erzbischof von Dublin, Adam Loftus. Über Generationen hinweg wurde es weitervererbt. Aufgrund der hohen Stellung der Familie kehrten des Öfteren politische Größen in dem Schloss ein und aus. Während des englischen Bürgerkrieges in den 1640er Jahren bezog kein Geringerer als Oliver Cromwell mehrfach mit seinen Truppen in dem Schloss Quartier, um seine Feldzüge durch Irland zu planen.
Mehrfach wechselte das Schloss den Besitzer. Mal wurde es aus Geldnot verkauft, mal in einem Kartenspiel verspielt. 1763 gelangte es letztmalig wieder in den Besitz der Familie Loftus. Henry Loftus, der selbst keine Kinder hatte, ließ seine beiden Nichten bei sich wohnen. Man rechnete sich gewisse Chancen aus, dass eine von ihnen den damaligen englischen Vizekönig heiraten würde. Doch leider hat der gute Mann es sich dann anders überlegt, und die Loftus-Familie ging leer aus.
Das 18. Jahrhundert war eine recht friedliche Zeit, in der das Schloss in ein elegantes Anwesen verwandelt wurde. Die Zinnen von den Wehrtürmen wurden abgenommen, einige Räume wurden umgestaltet und mit aufwändigen Stuck-Verzierungen und Deckenbemalungen versehen. Die englische High-Society traf sich des Öfteren zu rauschenden Ballnächten und ließ es sich in Irland sichtlich gut gehen.
Von den Loftuses wechselte das Schloss über in den Besitz der Ropers (1812-1852) und zuletzt an die Blackburns (1852-1912). Unter den Blackburns wurde das Schloss erneut umfangreich renoviert und z.B. mit fließend Wasser versehen. Nachdem die letzte Blackburn, Lady Blackburn, gestorben war (ihre Totenmaske hängt noch heute im Eingangsbereich des Schlosses), wechselte es erneut den Besitzer.
1913 übernahm ein Jesuitenorden das Schloss. Als in den 1980er Jahren immer weniger irische Männer Interesse an einer Priesterausbildung hatten und der Nachwuchs ausblieb, gab der Orden das Schloss ab. Seit 1987 befindet es sich in öffentlicher Hand.

Nähert man sich heute dem Schloss, fallen einem die dunklen Fenster in den nackten, weißen Wänden auf. Innen schreitet man auf knarrenden Holzfußböden, und quietschende Türen führen von einem Raum in den nächsten. An einigen Wänden blickt man in die Augen der früheren Besitzer, die sich auf großformatigen Portäts verewigen ließen. Und immer wieder findet man an den Wänden die Abdrücke der kleinen Kreuze, die die Jesuiten haben anbringen lassen.
Und dann war da noch die Geschichte des Mädchens in dem gelben Kleid. Neben dem Ballsaal befindet sich in einem der mächtigen Türme ein kleiner Raum, in den sich damals die Herren zurückziehen konnten. Dieser Raum ist mit einer Holzvertäfelung versehen, die ihm die Form eines Oktagons verleiht. Eines Tages im Jahre 1880 fiel jedoch auf, dass es kein perfektes Oktagon war. Als man einen Teil der Vertäfelung entfernte, entdeckte man dahinter das Skelett eines jungen Mädchens, noch in den Überresten eines gelben Kleides. Zu ihren Füßen fanden sich zwei Ohrringe.
Nachforschungen ergaben, dass sie über 130 Jahre dort gewesen sein musste. Man vermutet, dass sie als "Trophäe" für den Sieger eines Duells um ihre Liebe dort eingeschlossen wurde. Leider jedoch kamen beide Duellanten ums Leben (der eine starb an seinen Verletzungen, der andere ertrank). Da das Duell unter großer Geheimhaltung ausgetragen wurde, kam niemand, um das Mädchen zu retten. Seitdem geht ihr Geist in dem Schloss um.
Man erzählt sich auch, dass Lady Blackburn die Ohrringe an sich genommen und selbst getragen habe. Und aus den Resten des gelben Kleides lies sie sich Kopfkissen nähen.
Und dann war da noch das Zimmer im südöstlichen Turm, das uns unsere Führerin, eine freundliche ältere Dame, auf dem Weg durch das Schloss nicht zeigen wollte. Dort sei nichts zu sehen, sagte sie uns. Doch ich bemerkte später beim Spaziergang durch den Schlosspark, dass sich hinter einem der Fenster zu diesem Raum ein Schatten bewegte. Und überhaupt erzählte uns unsere Führerin die Geschichte des Schlosses so lebhaft, dass man glauben könnte, sie sei selbst dabei gewesen...
Im 16. Jahrhundert verfolgte Elizabeth I. eine harte Politik der Kolonisierung Irlands. Gemeint ist damit die rücksichtslose Enteignung der (katholischen) irischen Landbesitzer und der Zuteilung größerer Ländereien an (protestantische) englische Adlige. Diese fühlten sich dort jedoch nur in befestigten Schlössern sicher, die ausreichend Schutz bei Belagerungen boten.
Eines dieser Schlösser war Rathfarnham Castle. Konzipiert und erbaut wurde es um 1582 von William Chamber. Dicke Mauern und vier mächtige Türme boten ausreichend Schutz gegen Angriffe. Bereits damals erhielt das Schloss seinen so markanten, weißen Kalkverputz.
Erster Besitzer war der spätere Erzbischof von Dublin, Adam Loftus. Über Generationen hinweg wurde es weitervererbt. Aufgrund der hohen Stellung der Familie kehrten des Öfteren politische Größen in dem Schloss ein und aus. Während des englischen Bürgerkrieges in den 1640er Jahren bezog kein Geringerer als Oliver Cromwell mehrfach mit seinen Truppen in dem Schloss Quartier, um seine Feldzüge durch Irland zu planen.
Mehrfach wechselte das Schloss den Besitzer. Mal wurde es aus Geldnot verkauft, mal in einem Kartenspiel verspielt. 1763 gelangte es letztmalig wieder in den Besitz der Familie Loftus. Henry Loftus, der selbst keine Kinder hatte, ließ seine beiden Nichten bei sich wohnen. Man rechnete sich gewisse Chancen aus, dass eine von ihnen den damaligen englischen Vizekönig heiraten würde. Doch leider hat der gute Mann es sich dann anders überlegt, und die Loftus-Familie ging leer aus.
Das 18. Jahrhundert war eine recht friedliche Zeit, in der das Schloss in ein elegantes Anwesen verwandelt wurde. Die Zinnen von den Wehrtürmen wurden abgenommen, einige Räume wurden umgestaltet und mit aufwändigen Stuck-Verzierungen und Deckenbemalungen versehen. Die englische High-Society traf sich des Öfteren zu rauschenden Ballnächten und ließ es sich in Irland sichtlich gut gehen.
Von den Loftuses wechselte das Schloss über in den Besitz der Ropers (1812-1852) und zuletzt an die Blackburns (1852-1912). Unter den Blackburns wurde das Schloss erneut umfangreich renoviert und z.B. mit fließend Wasser versehen. Nachdem die letzte Blackburn, Lady Blackburn, gestorben war (ihre Totenmaske hängt noch heute im Eingangsbereich des Schlosses), wechselte es erneut den Besitzer.
1913 übernahm ein Jesuitenorden das Schloss. Als in den 1980er Jahren immer weniger irische Männer Interesse an einer Priesterausbildung hatten und der Nachwuchs ausblieb, gab der Orden das Schloss ab. Seit 1987 befindet es sich in öffentlicher Hand.

Nähert man sich heute dem Schloss, fallen einem die dunklen Fenster in den nackten, weißen Wänden auf. Innen schreitet man auf knarrenden Holzfußböden, und quietschende Türen führen von einem Raum in den nächsten. An einigen Wänden blickt man in die Augen der früheren Besitzer, die sich auf großformatigen Portäts verewigen ließen. Und immer wieder findet man an den Wänden die Abdrücke der kleinen Kreuze, die die Jesuiten haben anbringen lassen.
Und dann war da noch die Geschichte des Mädchens in dem gelben Kleid. Neben dem Ballsaal befindet sich in einem der mächtigen Türme ein kleiner Raum, in den sich damals die Herren zurückziehen konnten. Dieser Raum ist mit einer Holzvertäfelung versehen, die ihm die Form eines Oktagons verleiht. Eines Tages im Jahre 1880 fiel jedoch auf, dass es kein perfektes Oktagon war. Als man einen Teil der Vertäfelung entfernte, entdeckte man dahinter das Skelett eines jungen Mädchens, noch in den Überresten eines gelben Kleides. Zu ihren Füßen fanden sich zwei Ohrringe.
Nachforschungen ergaben, dass sie über 130 Jahre dort gewesen sein musste. Man vermutet, dass sie als "Trophäe" für den Sieger eines Duells um ihre Liebe dort eingeschlossen wurde. Leider jedoch kamen beide Duellanten ums Leben (der eine starb an seinen Verletzungen, der andere ertrank). Da das Duell unter großer Geheimhaltung ausgetragen wurde, kam niemand, um das Mädchen zu retten. Seitdem geht ihr Geist in dem Schloss um.
Man erzählt sich auch, dass Lady Blackburn die Ohrringe an sich genommen und selbst getragen habe. Und aus den Resten des gelben Kleides lies sie sich Kopfkissen nähen.
Und dann war da noch das Zimmer im südöstlichen Turm, das uns unsere Führerin, eine freundliche ältere Dame, auf dem Weg durch das Schloss nicht zeigen wollte. Dort sei nichts zu sehen, sagte sie uns. Doch ich bemerkte später beim Spaziergang durch den Schlosspark, dass sich hinter einem der Fenster zu diesem Raum ein Schatten bewegte. Und überhaupt erzählte uns unsere Führerin die Geschichte des Schlosses so lebhaft, dass man glauben könnte, sie sei selbst dabei gewesen...









