Samstag, 30. August 2008

These Shoes Are Made For Walking

Eine Woche in einem anderen Projekt liegt hinter mir. Täglich machte ich meinen Weg in das Gewerbegebiet in Ballymount, im Westen Dublins, nahe der M50. Zum Glück führte mich der Luas nah genug an das Gewerbegebiet, so dass ich von der Haltestelle aus zum Kunden gehen konnte. Aber obwohl der Luas weitgehend unbehindert vom Straßenverkehr und auch recht häufig unterwegs ist, benötigte ich von Tür zu Tür fast 90 Minuten. Davon betrug die Fahrtzeit mit dem Luas selbst etwa 50 Minuten. Hinzu kamen noch die Fußwege zur Luas-Station, beim Umsteigen von der Green Line auf die Red Line und der Fußweg zum Kunden. Insgesamt ca. 2 x 40 Minuten Fußweg , und das jeden Tag.

Es zeigt sich, dass man gut zu Fuß sein muss, wenn man in Dublin unterwegs ist. Das öffentliche Verkehrsnetz ist keineswegs so dicht, dass Fußwege auf ein Minimum reduziert werden. Bequemes Schuhwerk ist deswegen ganz wichtig. Aber wenn man auf dem Weg ins Büro ist, mit Anzug und Krawatte, sind die Wahlmöglichkeiten bei den Schuhen doch sehr eingeschränkt. Viele greifen deswegen zu einem Trick: Sehr häufig sieht man morgens andere auf dem Weg ins Büro, gekleidet in Anzug oder Kostüm, aber Turnschuhe oder andere bequeme Laufschuhe tragend. Die passenden Schuhe fürs Büro führen sie entweder in einem Rucksack mit sich, oder lassen sie gleich im Büro.

Zu diesem Trick habe ich noch nicht gegriffen. Allerdings habe ich früher, als ich in einem anderem Projekt war und ebenfalls einen langen Fußweg hatte, auf dem Weg zur Arbeit eine bequeme Hose getragen, die ich im Büro gegen die passende Anzughose tauschte. Mit derlei Tricks macht man sich das Leben in Dublin etwas leichter, wenn man schon lange Fußwege auf sich nehmen muss.

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Mit diesem kleinen Einblick in einen Teil des Berufsalltags in Dublin verabschiede ich mich in den Urlaub. In der kommenden Woche werde ich im Südwesten Irlands unterwegs sein und die irische Landschaft genießen. Eine Woche lang die Seele baumeln lassen und irische Gelassenheit annehmen, fernab vom hektischen Leben in Dublin. Und wenn ich von meinem Urlaub zurück komme, gibt es bestimmt wieder jede Menge neue Eindrücke zu verarbeiten. Das Abenteuer Irland geht weiter.

Donnerstag, 28. August 2008

Spancil Hill

"I stepped on board a vision and followed with the will,
'Till next I came to anchor at the cross of Spancil Hill."

Ich kann nicht schlafen. Unruhig wälze ich mich im Bett hin und her. Eine Melodie geht mir nicht aus dem Sinn. Es ist die Melodie von "Spancil Hill", einem der populärsten Songs der irischen Folkmusik. Vielleicht geht mir die Melodie nicht aus dem Sinn, weil ich sie derzeit auf meiner Gitarre einstudiere, und dazu immer und immer wieder wiederhole. Und nun sucht sie mich sogar im Schlaf heim.

Das Lied handelt von einem irischen Emigranten, der eines Nachts im Traum an den Ort seiner Jugend zurückkehrt, nach Spancil Hill. Dort findet jedes Jahr am 23. Juni ein großer Pferdemarkt statt, zu dessen Anlass sich alle aus der Region, jung und alt, versammeln. Er träumt, wie er alte Bekannte wiedersieht, und seine große Jugendliebe besucht. Als er träumt, sie in seinen Armen zu halten und zu küssen, erwacht er in seinem Bett in Kalifornien, viele Meilen von Spancil Hill entfernt.

Hinter dem Lied verbirgt sich eine wahre und tragische Geschichte. Etwa um 1870 emigrierte der 20-jährige Ire Michael Considine nach Amerika. Zunächst arbeitete er eine Zeit lang in Boston, bevor er nach Kalifornien weiterzog. Er hatte vor, genügend Geld zu verdienen, um eines Tages die Überfahrt für seine Jugendliebe, Mary McNamara, bezahlen zu können und sie in Amerika zu heiraten. Doch bald nach seiner Ankunft in Amerika verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Als er wusste, dass er nicht mehr lange zu leben haben würde, verarbeitete er seine Erinnerungen an seine Heimat und seine Jugendzeit dort zu dem Gedicht "Spancil Hill" und schickte es an seine Familie in Irland. Michael starb um 1873, ohne seine Liebste je wiedergesehen zu haben. Einige Quellen sagen, dass er in Spancil Hill begraben wurde. Wahrscheinlicher aber ist, dass er in Kalifornien bestattet wurde. Mary McNamara (in dem Gedicht als "Mack the ranger's daughter" erwähnt) blieb ihm für immer treu und heiratete nie.

Für die musikalische Fassung wurde das Gedicht von ursprünglich elf auf sechs Strophen gekürzt und leicht abgeändert (aus "Mike" wurde "Johnny", aus "Mack the ranger's daughter" wurde "Nell the farmer's daughter"). Den Zauber der Originalfassung hat es aber nicht verloren.

Spancil Hill

Last night as I lay dreaming of pleasant days gone by,
My mind bein´ bent on rambling, to Ireland I did fly,
I stepped on board a vision and followed with the will,
'TIll next I came to anchor at the cross of Spancil Hill.

Delighted by the novelty, enchanted with the scene,
Where in my early childhood, I often times have been.
I thought I heard a murmur, and I think I hear it still,
It's the little stream of water that flows down Spancil Hill.

It been the twenty-third of June, the day before the fair,
When Ireland's sons and daughters in crowds assembled there.
The young, the old, the brave and the bold, came their duty to fulfil,
At the parish church in Clooney, a mile from Spancil Hill.

I went to see my neighbours, to hear what they might say,
The old ones were all dead and gone, the young ones turning grey.
I met the tailor Quigley, he's as bold as ever still,
Sure he used to mend my britches when I lived in Spancil Hill.

I paid a flying visit to my first and only love,
She's as fair as any lily and gentle as a dove.
She threw her arms around me, saying "Johnny, I love you still"
Ah, she's Nell, the farmer's daughter, the pride of Spancil Hill

I dreamt I held and kissed her as in the days of yore
She said "Johnny, you're only joking, as many's the time before"
The cock he crew in the morning, he crew both loud and shrill,
I awoke in California, many miles from Spancil Hill.


Den Ort "Spancil Hill" gibt es wirklich. Sein offizieller Name ist "Cross of Spancilhill". Er liegt im County Clare an der R352 zwischen Ennis und Tulla, nur wenige Kilometer außerhalb von Ennis. Sein Name leitet sich vermutlich vom englischen "spancilling" ab, womit das Binden eines kurzen Stricks zwischen dem linken Vorderfuß und rechten Hinterfuß eines Pferdes bezeichnet wird, um es am Herumlaufen zu hindern. Der Name lässt darauf schließen, dass der Ort eine lange Pferdetradition hat.

Alljährlich findet in dem kleinen Ort Spancil Hill einer der ältesten und größten Pferdemärkte Irlands statt, auch heute noch. Es heißt, dass in seinen besten Tagen sogar Pferdehändler aus England, Russland, Preußen und Frankreich kamen, um dort Pferde für ihre Armeen zu kaufen. Nachdem der Markt in den letzten Jahren etwas an Bedeutung verloren hatte, wurde er vor kurzem wiederbelebt und erfreut sich wieder steigender Teilnehmer- und Besucherzahlen.

Traditionell findet der Pferdemarkt am 23. Juni statt. Dieses Datum ist auch auf einer Plakette neben dem Gatter zu der umzäunten Wiese, die als Austragungsort dient, eingraviert. Im Lied heißt es zwar "on the 23rd of June, the day before the fair". Doch in der ursprünglichen Fassung wird auch der Morgen des heiligen Sabbat erwähnt (ein weiterer Hinweis ist die Zeile "...came their duty to fulfil, at the parish church in Clooney..."). Es ist wahrscheinlich, dass der Pferdemarkt um einen Tag verschoben wird, falls er auf diesen christlichen Tag der Ruhe fällt.

Ich besuchte den Ort letztes Jahr im September während meines Urlaubs im Westen Irlands. In Ennis mietete ich mir ein Fahrrad und folgte einer Vision, bis ich tatsächlich zum "Cross of Spancilhill" kam, angezeigt durch ein unscheinbares Schild am Rand der Landstraße. Etwa eine Meile weiter findet man an einer großen und einsamen Kreuzung tatsächlich "the parish church in Clooney", heute eine moderne Kirche. Diese Orte waren nicht länger nur eine Fiktion. Eine Welt, besungen in einem 140 Jahre alten Volkslied, offenbarte sich mir.

Vom "Cross of Spancilhill" folgte ich dem schmalen Weg hinunter ins Tal zu dem kleinen Gehöft "Spancilhill". Dort befindet sich das "Spancilhill Inn", das an dem Nachmittag einsam und verlassen vor mir lag. Dem Inn gegenüber liegt die große Wiese, auf der, umgeben von sanften Hügeln, einem natürlichen Amphitheater gleich, alljährlich der Pferdemarkt stattfindet. An der Mauer links vom Gatter, das auf die Wiese führt, findet man die in Stein gemeißelte Plakette mit der Inschrift "June 23rd Spancilhill Fair".

Als ich die Plakette betrachtete, bekam ich eine Gänsehaut. Mit klopfendem Herzen öffnete ich das Gatter und betrat die Wiese.

Der starke Geruch von Pferd schlug mir entgegen. Und dann war ich mittendrin. Menschen überall, jung und alt; grauhaarige ältere Männer, die kritisch Pferde beäugten und fachsimpelten, junge, rothaarige Burschen, die an langen Halftern zwei, drei Pferde hinter sich herzogen; sommersprossige Kinder, die störrische Esel vor sich her trieben; Frauen, die auf Klappstühlen vor großen Pferdetransportern saßen und bei einer Tasse Kaffee das Geschehen auf der Wiese vom Rande aus beobachteten. Trotz der scheinbar herrschenden Gelassenheit war eine allgemeine Erregung, eine freudige Erwartung angesichts des großen Ereignisses deutlich spürbar. Überall die Pferdebesitzer, die stolz ihre Tiere präsentierten, und um sie herum eine Schar potenzieller Käufer, die jedes Tier sorgfältig musterten und dem Besitzer Fragen stellten. Hier und da saßen Reiter auf den Pferden auf, meist ohne Sattel, um sie zu einem leichten Trab über die Wiese und quer durch das dichte Gewimmel aus Mensch und Tier zu treiben.

Alle Arten von Pferd waren dort. Da waren schlanke und hochgewachsene Reitpferde, die ihre Ohren aufmerksam in alle Richtungen stellten und deren Augen das Geschehen um sie herum genau verfolgten. Und es gab die kleinen gedrungenen Ponys und Esel, die ihren Blick stets zu Boden richteten, so als ob sie sich schämten neben den rassigen Pferden zu stehen. Und es gab die großen und kräftigen Zugpferde mit Fesselbehang an ihren mächtigen Hufen, mit denen sie sich in der Erde abstützen, fähig, ein Gewicht von einer halben Tonne zu ziehen.

Ich schlängelte mich zwischen all den Menschen und Tieren hindurch, wanderte von einer Pferdegruppe und Menschentraube zur nächsten, vorbei an angebundenen Eseln und diskutierenden Pferdehändlern. Die älteren Männer trugen meist Hemd und Tweetjacke, dazu Kordhose und Mütze, die jungen Burschen Wollpullover, Jeanshose und Gummistiefel. Es waren allesamt einfache Menschen vom Lande, die sich zu diesem großen Ereignis versammelt hatten.

Und plötzlich stand sie vor mir. Eine junge hübsche Frau, mit blondem, hochgestecktem Haar, einer dunklen Bluse und einem leger umgelegten grünen Schal, der sich sanft in der Brise hin und her bewegte. Mit ihren großen, von Lachfalten gesäumten blauen Augen blickte sie mich an, und ihr strahlendes Lächeln entblößte eine Reihe wohlgeformter schneeweißer Zähne. Ihr abwartender Blick und ihr Lächeln ließen mich glauben, dass sie mich kannte und auf eine Reaktion meinerseits wartete. Doch ich wusste nicht, von woher wir uns kennen sollten. Und während ich noch grübelte und zögerte, warf sie ihren Kopf zurück und rief lachend: „Come!“ Damit griff sie meine Hand und zog mich hinein ins Getümmel des Pferdemarktes von Spancil Hill.

Mit ihr als meiner Führerin über den Pferdemarkt zu ziehen, war ein völlig anderes Erlebnis. Hatte ich davor noch mühsam meinen Weg zwischen Menschen und Tieren suchen müssen, öffneten sich uns nun plötzlich die Wege wie von selbst. Mit einer Leichtigkeit, wie sie jungen Frauen zufällt, die um ihre Wirkung auf andere wissen, tänzelte sie mit mir im Schlepptau über den Pferdemarkt. Jeder schien sie zu kennen. Wo sie auftauchte, wandte man den Blick nach ihr, grüßte sie herzlich und machte uns bereitwillig Platz. Sie kokettierte mit jedem, ob jung, ob alt, auf die leichteste und angenehmste Weise. Ihr bezauberndes Lächeln erfasste alle. Und während ich sie so sah, musste ich an die Worte "the pride of Spancil Hill" denken. Denn das war sie wahrhaftig.

Sie stellte mich Pferdehändlern vor, ich schüttelte Hände mit Patrick, Johnny, Seamus, Eoghan, Michael, durfte Pferde streicheln und bewundern, und wurde Zeuge, wie per Handschlag Geschäfte abgewickelt wurden. Mir fielen die gestochen scharfen, seltsam funkelnden Augen der Pferdehändler auf. Andere Viehhändler, die etwa Rinder oder Schafe kaufen oder verkaufen, haben ebenfalls scharfe Augen. Doch ihr Blick offenbart nur die Anerkennung der Qualität, das Erkennen des Potenzials der Tiere. Die Augen der Pferdehändler dagegen offenbaren auch deren besondere Liebe und Hingabe für Pferde. Die Augen des Verkäufers sind erfüllt mit Stolz für sein prächtiges Pferd. Die Augen des Käufers funkeln vor Verlangen, dieses prächtige Tier zu besitzen. Bereits manche fünfzehn- oder sechzehnjährige Burschen vom Land haben scharfe Augen so alt wie die ihrer Väter und Großväter, in denen man ihre jahrelange Erfahrung im Umgang mit Pferden erkennen kann.

Dies alles sah ich dort in Spancil Hill. Am Ende unseres Streifzuges über den Pferdemarkt führte uns unser Weg zurück zum Gatter am Eingang zur Wiese. Während ich hindurchschritt, blieb sie davor stehen, wie vor einer unsichtbaren Schranke. Ich betrachtete sie. Die Nachmittagssonne bestrahlte ihr hübsches Gesicht, der leichte Wind bewegte ihr blondes Haar. Eine Frage brannte mir auf den Lippen. "Do you live in Spancil Hill?" fragte ich sie. Ein Lachen entblößte ihre strahlend weißen Zähne. "I lived in Spancil Hill!" rief sie, drehte sich leichtfüßig um und verschwand in der Menschenmenge hinter ihr. Mir wurde die Bedeutung ihrer Worte nicht sofort bewusst. Doch dann blickte ich auf das Schild neben dem Gatter. "June 23rd Spancilhill Fair" stand dort geschrieben. "Wir haben nicht Juni." rief ich mir in Erinnerung. Ein Frösteln überkam mich, und als ich aufblickte, lag die Wiese leer und verlassen vor mir. Eine gespenstische Stille hing über dem Ort, dort wo sonst der Pferdemarkt von Spancil Hill stattfindet.

"Was für ein lebhafter Traum." sagte ich zu mir. Dann erwachte ich in meinem Bett in Dublin, viele Meilen von Spancil Hill entfernt.

Dienstag, 26. August 2008

Wochenend-Allerlei

Das Wochenend-Allerlei fällt diesmal etwas kürzer aus. Grund ist, dass ich mich am Wochenende beruflich auf ein anstehendes Projekt vorbereiten musste und die freien Tage weitgehend in der Wohnung und am Computer verbracht habe. Auch dies muss manchmal sein, aber es steigt die Vorfreude auf den kommenden Urlaub Anfang September.

Am Wochenende ging Olympia zu Ende. Irland hat immerhin drei Medaillen geholt, davon sogar eine silberne. Damit hat sich Irland deutlich vor Sportnationen wie Malaysia, Südafrika, Moldawien und Togo platziert. Aber Scherz beiseite, unterm Strich war man natürlich doch etwas enttäuscht. Schon gab es die kritischen Stimmen, warum man denn Sportler zu einer solchen Veranstaltung schickt, wenn sie nicht den Hauch einer Chance haben. Aber vielleicht hat man sich ja nur auf die falschen Sportarten konzentriert?

Denn am Wochenende gab es einen irischen Weltmeister zu feiern. In Wales fand nämlich die Weltmeisterschaft im Moor-Schnorcheln (bog snorkeling) statt. Dabei galt es, eine bestimmte Strecke in Moorwasser zu durchschwimmen. Das hört sich leichter an als es ist, denn Moorwasser hat es dicke in sich. Die Teilnehmer gingen denn auch mit Maske, Schnorchel und Neopren-Anzug ins kalte und trübe Wasser. Und gewonnen hat Connor Murphy aus Portadown (Co. Armagh). Wer sagt, dass irische Sportler in der Weltspitze nicht mithalten können?

Am Wochenende, das mal wieder mit bestem irischem Wetter (sonnig, warm, kaum Wolken) verzückte, fand in Dun Laoghaire das Festival of World Cultures statt, bei dem Musik und Kultur aus allen möglichen Ländern geboten wurde. Das Festival hatte ich bereits im letzten Jahr besucht und war sehr begeistert. In diesem Jahr musste ich leider aus dem genannten Grund auf einen Besuch verzichten. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr wieder.

Aber Irland hatte noch mehr zu bieten: In Virginia (Co. Cavan) fand am Wochenende die Virginia Agricultural Show statt., eine landwirtschaftliche Schau der besonderen Art. Besonderes Highlight war die Krönung der "Baileys Irish Champion Dairy Cow". Na bitte, in Irland ist die Welt noch in Ordnung. Nur schade, dass ich bei der Veranstaltung nicht dabei war und. Gerne hätte ich den neuen Star am Himmel der Milchkühe gesehen...

Sonntag, 24. August 2008

Trim Castle und die Normannen

In der Schlacht von Clontarf (1014) in der Nähe von Dublin verdroschen die Iren die Wikinger, die sich inzwischen in Irland breit gemacht hatten. Leider verloren die siegreichen Iren in der Schlacht ihren unangefochtenen Hochkönig Brian Boru, dem Stammvater der vielen O'Briens. Dessen Tod hinterließ ein großes Machtvakuum, in dessen Sog die irischen Könige untereinander verbittert um die Vorherrschaft im Lande kämpften.

Dermot MacMurrough, König von Leinster, war einer dieser Stammesfürsten. Und er war ein schlechter Verlierer. Nachdem er mehrmals vergeblich gegen die Mauern der Stadt Dublin angerannt war, nutzte er seine Brieffreundschaft zu Heinrich II., und bat die Anglo-Normannen, die 1066 England im Sturm erobert hatten, ihm zu helfen. Dies sollte sich als einer der größten Fehler in der Geschichte Irlands entpuppen.

Die "Stormin' Normans", entfernte Verwandte der Wikinger, landeten 1169 in Wexford, südlich von Dublin, und eröffneten damit den regelmäßigen Charterverkehr zwischen Irland und England. Unter der Führung von Richard Earl of Pembroke, besser bekannt als "Strongbow", eroberten sie zunächst für Dermot Dublin – doch behielten es gleich für sich, als Dermot wenig später 1171 im Alter von 61 Jahren starb. Es sollte bis 1922 dauern, bis die Nachfahren der Anglo-Normannen, die Engländer, Dublin wieder verlassen würden.

Doch bei Dublin allein sollte es nicht bleiben. 1172 erteilte der Papst Adrian IV., ein Engländer, höchstpersönlich den Anglo-Normannen die Erlaubnis, in Irland zu herrschen. Im Sturm eroberten die Normannen weite Teile Irlands und verhalfen sich zu großen Ländereien. Die irischen Stammesfürsten hatten den besser ausgerüsteten normannischen Rittern wenig entgegen zu setzen. Nur achtzig Jahre nach ihrer Ankunft besetzten die Normannen drei Viertel von Irland, überwiegend in den fruchtbaren Regionen im Osten und im mittleren Teil von Irland, während den Iren nur die kargen und weniger fruchtbaren Gebiete im äußersten Westen blieben. Die Normannen errichteten zahlreiche Burgen, und in der Tat sind die meisten Städte im Landesinnern aus normannischen Siedlungen entstanden.

Eine der ältesten und größten normannischen Burgen in Irland ist Trim Castle im Co. Meath, etwa 50 Autominuten von Dublin. Die Burg wurde 1175 unter Hugh de Lacy gebaut, dem Heinrich II. größere Ländereien gegeben hatte, um den befürchteten Expansionsabsichten Strongbows entgegen zu wirken. Hauptteil der Burganlage ist der mächtige Burgfried, der auch heute noch in sehr gutem Zustand ist und im Rahmen einer Tour sogar betreten werden kann. In mehreren Bauphasen wurde die Anlage um den anfänglichen Burgfried herum nach und nach weiter ausgebaut, um an die sich verändernden Anforderungen bzgl. Verteidigungsstrategien und Unterbringung der größer werdenden Belegschaft gerecht zu werden. Im 16. Jahrhundert, als große Festungsanlagen militärisch aus der Mode kamen, wurde die Anlage nicht weiter unterhalten und 1649 nach der Beschädigung durch Cromwells Truppen schließlich ganz aufgegeben.

Trotz der vielen baulichen Veränderungen ist die Burg eigentlich immer noch genau so, wie sie unter den Normannen errichtet und betrieben wurde. Trim Castle ist die größte und auch am besten erhaltene normannische Burg in Irland, und gibt einen wunderbaren Einblick in mittelalterliche Burgbaukunst und Verteidigungsstrategien. Das fängt im Eingangsbereich an, in dem ein Besucher vier Sicherheitsbarrieren durchqueren musste, ehe er, zuvor auf mögliche Waffen durchsucht, dem Herrn des Hauses gegenübertreten durfte. Dieser empfing Gäste in einem großen Raum gleich hinter dem Eingangsbereich. Am Ende des schmalen Raumes, hinter dem Sitz des Herrschers, befand sich die kleine Schatzkammer, in der all die Kostbarkeiten verwahrt wurden, die an den Fürsten gezahlt werden mussten. Ein anderer großer Raum war dem Aufenthalt der fürstlichen Familie vorbehalten. Dort befindet sich ein großer Kamin, der für ein wenig Wärme in dem ansonsten kalten Gemäuer sorgte.

Das Leben auf einer Burg war in der Tat nicht sehr komfortabel. Raue und kalte Wände mit kleinen zugigen Fenstern sind nicht gerade das, was man als Traum vom Eigenheim bezeichnen könnte. Bei der Führung durch die Burg, vorbei an dicken Mauern und schmale Wendeltreppen hinauf, bekommt man auch interessante Kleinigkeiten gezeigt. So z.B. der kleine Raum, in dem die Messe abgehalten wurde. An einer Wand befindet sich, in die Mauer eingelassen, eine kleine Mulde, in der das Weihwasser aufbewahrt wurde. Da geweihtes Wasser nicht weiter verwendet werden durfte, befand sich an einer Stelle der Mulde ein kleiner Abfluss, durch den das heilige Wasser abgelassen werden konnte, um außen an der Mauer entlang abzufließen. In einem anderen Raum auf einem der oberen Stockwerke des Burgfrieds befindet sich das Klo, oder vielmehr der Ort, an dem die Burgbewohner ihr Geschäft verrichteten: Stehend oder hockend über einem einfachen Spalt im Boden, durch den von unten der Wind pfiff, und von oben... naja. Andere Details sind z.B. das System zum Auffangen von Regenwasser für die Wasserversorgung bei Belagerungen, oder der Vorratsraum zur Lagerung von Lebensmitteln. Dieser befindet sich in dem am tiefsten gelegenen Raum an der nördlichen Seite des Burgfrieds, dort, wo es am kühlsten war. Zugegeben, die Architekten der Burg waren schon recht pfiffig.

Im Rahmen der Tour gelangt man auch auf das Dach des Burgfrieds, von wo man einen wunderbaren Blick über die gesamte Burganlage und das umgebende kleine Städtchen Trim hat. Auf einer kleinen Anhöhe gegenüber der Burg befindet sich die Ruine eines Kirchturmes, der sog. "Yellow Steeple". Dieser war lange Zeit der höchste Kirchturm in Irland, bevor er, vermutlich von Cromwells Truppen, als Zielobjekt für Schießübungen verwendet wurde. Heute ragt seine Ruine wie ein mahnender Finger empor, und in der Abendsonne erscheint seine Außenseite gelblich, was ihm seinen Namen eingebracht hat.

Übrigens haben zahlreiche Filmfans Trim Castle bereits gesehen. Die Burg diente nämlich bei Dreharbeiten zum Film "Braveheart" u.a. als Double für die Stadt York. So wurde z.B. die Szene, in der Edward Longchamps den Freund seines Sohnes aus dem Fenster stürzt, auf Trim Castle gedreht, außerdem die Folter- und Hinrichtungsszene am Ende des Films, die eigentlich im Tower von London spielt, und einige Schlachtszenen an der Burgmauer. Wer in Trim war, wird verstehen, warum die Burg perfekt für ein Filmprojekt ist: Um die Burg herum gibt es zahlreiche Hotels und B&Bs, in denen man eine große Filmcrew unterbringen kann.

Doch von Hollywood zurück ins Mittelalter: Unter den Normannen war das Leben in Irland vergleichsweise friedlich. Zwar hatte offiziell England das Sagen. Doch Ereignisse wie der Schwarze Tod, der langwierige Krieg mit Frankreich und die innerhäuslichen Machtstreitereien verhinderten, dass sich die englische Krone mehr um Irland kümmerte. In der Folge konnten die anglo-normannischen Barone in Irland mehr oder weniger tun und lassen, was sie wollten. Ihr großes Interesse an irischer Kultur sorgte dafür, dass sie mit der Zeit "irischer als die Iren" wurden. Sie tranken dunkles Bier, hofierten die irischen Mädels, nahmen Gitarrenstunden und genossen die gesellige Atmosphäre in den Pubs. Iren und Normannen vermischten sich, der Einfluss der englischen Krone schwand. Und langsam gewannen auch die irischen Fürsten wieder die Oberhand.

Das sah London natürlich nicht gerne. 1366 wurden deshalb die Statuten von Kilkenny erlassen, die verhindern sollten, dass Anglo-Normannen und Iren Handel trieben und untereinander heirateten. Trotz strikter Anwendung und harter Strafen verfehlten die Statuten ihre Wirkung (irische Mädels haben halt ihren unwiderstehlichen Charme). Der Ton änderte sich jedoch gewaltig, als Heinrich VIII. seine Reformation der Kirche durchführte und die in Europa wütenden Religionskriege auch Irland erfassten. Heinrichs Tochter Elizabeth I. setzte dessen scharfe Politik der Ausbeutung und Unterdrückung von Katholiken in Irland fort. 1607 gaben die letzten irischen Fürsten auf und verließen das Land (Flight of the Earls), und 1649 rückte Oliver Cromwell die Verhältnisse in Irland blutig und nachhaltig zurecht. Mit dem Act of Union (1800) wurde den Iren dann endgültig klargemacht, wer auf der grünen Insel das Sagen hat.

Am Tag eines meiner Besuche der Burg in Trim war es regnerisch und windig (völlig untypisch für Irland), und ich suchte unter dem Gewölbe des Eingangstors Unterstand. Dort kam ich mit dem Mann im Eintrittskartenhäuschen ins Gespräch. In mir fand er jemanden, der interessiert seinen Ausführungen zur irischen Geschichte lauschte. Ob ich denn auch schon das alte Gefängnis in Kilmainham besucht habe, wollte er wissen. Ich bejahte (siehe auch meinen Bericht "The Blood Upon The Rose" ). "Was hier in Trim begann," sagte der Mann und wies auf den vor uns liegenden Burgfried, "endete 750 Jahre später im Gefängnis von Kilmainham." (Zur Erinnerung: Im Kilmainham Gaol wurden 1916 die Anführer des Oster-Aufstandes hingerichtet, was den Unabhängigkeitskrieg gegen England heraufbeschwor.) So spannt man den Bogen über fast acht Jahrhunderte irischer Geschichte.

Donnerstag, 21. August 2008

Back To Park West

Heute (Donnerstag) ergab es sich, dass ich zwecks Vorbereitung eines kommenden Projektes für einen Tag in das Büro meiner Firma fuhr. Es mag sich etwas seltsam anhören, aber zuletzt war ich vor fast einem Jahr in der Firmenzentrale. Meine Tätigkeit als technischer Berater bringt es mit sich, dass mein eigentlicher Arbeitsplatz bei den Kunden vor Ort ist, und ich nur selten den Weg ins Büro meiner Firma fahre.

In früheren Berichten hatte ich bereits erwähnt, dass das Büro meiner Firma im Gewerbegebiet Park West im Westen von Dublin ist. Und die Fahrt dorthin mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hat es leider in sich: Mit dem Luas, der Straßenbahn, bin ich zunächst ins Stadtzentrum gefahren, um von dort einen Bus nach Park West zu nehmen. Da die ganze Reise etwa eineinhalb Stunden dauerte, musste ich entsprechend früh aufstehen, um für etwa 9 Uhr am Arbeitsplatz zu sein.

Der Vorteil der frühen Morgenstunden ist, dass die öffentlichen Verkehrsmittel noch recht leer sind und es auf den Straßen sehr ruhig zugeht. In Dublin beginnt der Berufsverkehr erst so richtig gegen 8:30 Uhr. Glücklich ist der, der vor dieser Zeit seinen Weg durch die Stadt nehmen kann. Die frühe Busfahrt vom Stadtzentrum aus, vorbei an der Guinness-Brauerei und der Heuston-Bahnstation, durch Stadtteile wie Kilmainham (vorbei am Kilmainham Gaol), Inichore und Ballyfermot verlief denn auch ohne größere Staus oder sonstige Zwischenfälle. Ballyfermot ist einer der Stadtteile, die man besser meiden sollte, besonders nachts. Obwohl im Süden von Dublin gelegen, wohnen hier vor allem ärmere Leute, und die Kriminalität ist höher als in den anderen südlichen Stadtteilen (naja, von Crumlin abgesehen, wo das Zentrum der Bandenkriege ist).

In Park West angekommen stellte ich fest, dass dort seit meinem letzten Besuch fleißig gebaut wurde. Auffälligste Veränderung war die erst vor kurzem eröffnete eigene Bahnstation für das Gewerbegebiet. Dort halten mehrmals am Tag Züge und sorgen für eine bessere Anbindung des Gewerbeparks an das Stadtzentrum.

Nach meinem Arbeitstag im Büro probierte ich besagten Commuter aus. Man muss sich ja alles Neue mal genau ansehen. Und siehe da: Für die Strecke von Park West zur Heuston-Bahnstation benötigte der Zug nur knappe acht Minuten. Das hört sich perfekt an. Leider aber muss ich hinzufügen, dass dieser Commuter nicht sehr oft am Tag fahrt. Und außerdem muss man ja von besagter Heuston-Station auch erst noch weiter. In meinem Fall müsste ich, wenn ich den Zug nehmen wollte, insgesamt zweimal umsteigen. Und jedes Mal müsste ich Wartezeiten mit einkalkulieren, die sich natürlich zur Gesamtreisezeit addieren. Kurz, die Rückreise war trotz des schnellen Commuters nicht wesentlich kürzer, als wenn ich den Bus genommen hätte. Aber es ist zumindest gut, eine Alternative zu haben, falls auf den Straßen mal wieder nichts mehr geht. Immerhin muss ich die Reise nach Park West kommende Woche jeden Tag machen, bevor ich in den Urlaub entschwinden darf.

Als ich am frühen Abend die Grafton Street entlang lief, um zur Luas-Station am St. Stephen's Green zu gelangen, erlebte ich die Einkaufsstraße in ihrer gewohnten Hektik. Am frühen Morgen, als die Stadt gerade erst aus ihrem Schlaf erwachte, standen noch Lieferwagen in der Einkaufstraße vor den Geschäften, um ihre Waren anzuliefern, und hier und da wurden in den Shops gerade erst die Rollläden hochgezogen. Am Abend war von dieser morgendlichen Gemächlichkeit nichts mehr zu spüren und alles ging seinen gewohnt hektischen Gang.

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Und was machen die irischen Sportler bei der Olympiade in China? Nach dem kleinen Skandal mit den falschen Badekappen gab es nun leider den richtig großen: Der Springreiter Denis Lynch wurde aus dem Turnier genommen, nachdem bei seinem Pferd eine verbotene Substanz nachgewiesen wurde. Diese stammte aus einer Salbe, die Lynch nach eigenen Angaben schon längere Zeit verwendet, ohne dass je etwas beanstandet wurde (was natürlich keine Entschuldigung ist, wenn sie bekanntermaßen verbotene Substanzen enthält). Der Vorfall ist doppelt ärgerlich, weil zum einen Lynch durchaus gute Aussichten auf einen vorderen Platz hatte (und sich ja auch für das Finale qualifiziert hatte), und zum anderen weil bereits bei der letzten Olympiade in Athen ebenfalls ein irischer Reiter wegen Anwendung verbotener Substanzen disqualifiziert wurde. Zu dem aktuellen Fall darf hinzugefügt werden, dass neben dem irischen Pferd auch noch drei andere Pferde aus dem gleichen Grund disqualifiziert wurden, darunter auch ein deutsches. Aber das konnte die große Enttäuschung der irischen Sportfans, die um jede kleinen Medaillenchance zittern müssen, nicht lindern.

Aber es gab auch positive Meldungen, und damit ist nicht etwa das Ergebnis von Dopingproben gemeint: Drei irische Boxer haben sich mit ihren Siegen in den Viertelfinal-Kämpfen zumindest eine Bronzemedaille gesichert. Na bitte, es geht doch! Ich hatte einmal geschrieben, dass es schade sei, dass Trinken oder Geschichtenerzählen keine olympischen Sportarten sind. Darin hätten die Iren sehr gute Medaillenchancen. Aber die Erfolge der Boxer zeigen, dass die Iren auch auf einem anderen Gebiet stark sind: Dem Kämpfen.

Mittwoch, 20. August 2008

Licence To Learn

Wer bei der Führerscheinprüfung durchfällt, setzt sich ans Steuer und fährt nach Hause. Was sich für Deutsche unglaublich anhört, ist in Irland der Normalfall und ist auf die Besonderheiten des irischen Führerscheinsystems zurückzuführen. Der Einstieg in den Straßenverkehr führt über eine bestandene Theorieprüfung, mit der man eine sog. provisorische Lizenz erhält, die "Lizenz zum Lernen". Damit kann man sich, in Begleitung eines Inhabers einer Voll-Lizenz, hinters Steuer setzen und an seinen praktischen Fähigkeiten im Straßenverkehr feilen. Unterrichtsstunden bei einem Fahrlehrer, wie man es aus Deutschland kennt, sind zwar empfohlen, jedoch kein Muss. Wenn man sich bereit fühlt, geht, bzw. fährt, man zur Prüfung. Wenn man durchfällt, fährt man nach Hause und probiert es ein andermal erneut. Das wiederholt man solange, bis man die Prüfung besteht.

Soweit die Theorie. In der Praxis aber hat sich gezeigt, dass dieses System durchaus seine Schwachstellen hat. Unter anderem führte es zu so kuriosen Begebenheiten wie der folgenden: Im Juli musste sich ein 19-jähriger Fahranfänger vor Gericht verantworten. Er hatte im Januar 2007, als er zwei Frauen das Überqueren der Straße ermöglichen wollte, so stark gebremst, dass der Wagen ins unkontrollierte Rutschen kam und die beiden Frauen leicht verletzt wurden. Der Richter wies den Fahranfänger an, Fahrstunden zu nehmen.

Ca. 350.000 sog. "Learner" sind derzeit auf den Straßen Irlands unterwegs, gekennzeichnet durch einen großen Aufkleber mit einem "L" auf der Heckscheibe. Ein solches "L" sollte man ernst nehmen. Es kann durchaus sein, dass sich der Fahrer gerade zum ersten Mal mit seinem Fahrzeug in den Straßenverkehr wagt. Es kann aber auch sein, dass es ein alter Hase im Straßenverkehr ist, der tadellos fährt – aber keinen Führerschein hat.

Das System war nämlich offen für Missbrauch. Gewöhnlich war die provisorische Lizenz zwei Jahre gültig, bis dahin sollte man die Prüfung abgelegt haben. Viele aber haben die Frist verstreichen lassen und einfach eine neue prov. Lizenz beantragt. Eine Gesetzeslücke erlaubte den Inhabern der zweiten, dritten oder höheren prov. Lizenz, ohne Begleitung zu fahren. Die von der RSA (Road Safety Authority) vor kurzem veröffentlichten Zahlen zeigten, dass 20.476 Fahrer auf ihrer 6. bis 9. Lizenz unterwegs waren. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Das System zur Verwaltung der Lizenzen kann nämlich nur bis 9 zählen. Es gibt Tausende auf den Straßen, die mit einer zehnten, fünfzehnten, zwanzigsten oder noch höheren prov. Lizenz herumfahren und in ihren 40ern oder 50er sind. Lebenslanges Autofahren ohne je eine Führerscheinprüfung abgelegt zu haben.

Eine Reform war dringend notwendig. Vom 1. Juli dieses Jahres an hat die Regierung dem Alleinfahren nun einen Riegel vorgeschoben. Die bisherige prov. Lizenz wurde abgeschafft und durch eine Learners-Permit ersetzt. Ohne Begleitung darf sich nun kein Fahranfänger mehr in den Straßenverkehr wagen. Wer erwischt wird, muss mit 4 Strafpunkten und 1.000 Euro Strafgeld rechnen. Die Änderung wurde bereits letztes Jahr im Oktober angekündigt, und den Fahranfängern eine achtmonatige Frist zur Ablegung der Prüfung gewährt.

Natürlich haben viele die Frist verstreichen lassen. Und plötzlich war der Aufschrei groß. Wie man denn nun zur Arbeit, zum Sport, zum Einkaufen kommen oder die Kinder zur Schule bringen solle, wurde gefragt. Wo solle man denn, bitte schön, einen Beifahrer herbekommen, vor allem zu Berufsverkehrzeiten? Besonders in Randgebieten, die nicht so gut durch öffentliche Verkehrsmittel bedient werden, könne man ja wohl eine Ausnahme machen, wurde verlangt. Zu sehr war man gewohnt, auch ohne Lizenz über das Auto verfügen zu können.

Vom 1. Juli an waren in der Tat auffallend weniger "L"-Fahrzeuge unterwegs. War es zuvor noch fast jedes 4. oder 5. Auto, muss man jetzt schon lange suchen, um eines zu erspähen. Haben plötzlich alle L-Fahrer noch schnell ihre Prüfung abgelegt? Der Schein trügt. Wie bekannt wurde, haben viele L-Fahrer kurzerhand einfach das "L" von ihrem Auto entfernt. Das ist zwar eine Ordnungswidrigkeit, die eine saftige Strafe nach sich zieht. Aber die Polizei vermeldete bereits offen, dass man sich außerstande sieht, die erwischten L-Fahrer an der Weiterfahrt zu hindern: Weder könne man die fahrerlosen Fahrzeuge einfach am Straßenrand stehen, noch könne man sie alle abschleppen lassen. Hierzu fehlen schlicht und einfach die Mittel. Und auch die Versicherungen gaben grünes Licht, dass der Versicherungsschutz auch für weiterhin allein fahrende L-Fahrer bestehe.

Das irische Führerscheinsystem hat also weiterhin seine Besonderheiten. Aber die neue Regelung hat immerhin bewirkt, dass man inzwischen häufiger L-Fahrzeuge sieht, in denen wirklich ein Beifahrer mitfährt. Und in der Not vieler, einen Beifahrer zu finden, witterte eine Frau ein Geschäft: Sie bot sich als Beifahrerin an, natürlich gegen Bezahlung.

Montag, 18. August 2008

Death Of An Irish Rover

Am Wochenende verstarb die irische Folk-Legende Ronnie Drew. Sein Markenzeichen war die unverkennbare rauchig-kratzige Stimme. In den 1960ern gründete er zusammen mit den Musik-Legenden Luke Kelly, Ciaran Bourke und Barney McKenna die Band "The Dubliners", die auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und zu einem Inbegriff irischer Musik wurde.

Ronnie, ein Dubliner der "rare old times", verstarb nach langjähriger Krankheit im Alter von 73 Jahren. Viele Fans traditioneller irischer Folk-Musik werden ihn vermissen.

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Passend zu dieser traurigen Meldung zeigte sich das Wetter am Wochenende überhaupt nicht "typisch irisch": Heftige Regenfälle das ganze Wochenende über sorgten erneut in zahlreichen Gebieten für Überschwemmungen und Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr. Leider sagen die Meteorologen für die nächsten Tage keine Besserung voraus.

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Bei derartigem Wetter blieb einem am Wochenende eigentlich nichts anderes übrig, als es sich daheim auf dem Sofa gemütlich zu machen und z.B. zu lesen, einen Film anzuschauen oder Gitarre zu üben. Am Sonntagmittag, als sich das Wetter kurzzeitig etwas beruhigte, habe ich mich dann doch aus dem Haus getraut, um kurz einkaufen zu gehen. Unter anderem war eine neue externe Festplatte fällig.

Das Wetter konnte auch nicht die Vorfreude auf den kommenden Urlaub trüben: Anfang September nämlich habe ich eine Woche Urlaub, die ich - natürlich - für weitere Erkundungen der grünen Insel nutzen werde. Die bisherigen Urlaube in diesem Jahr waren von den Besuchen meines Freundes Michael (Anfang Mai) und meiner Eltern (Anfang Juni) geprägt (ich hatte berichtet). Für den kommenden Urlaub ist eine Reise in den Südwesten von Irland geplant, genauer in die Grafschaft Kerry. Aber die Reiseroute wird uns auch über Kilkenny, die Stadt mit dem schwarzen Marmor, das verträumte Doolin an der Westküste und (erneut) nach Trim (Co. Meath) führen. Unterkünfte und Mietwagen sind gebucht, jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen...

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Und was machen die irischen Olympioniken? Leider gibt es noch keine Medaille zu vermelden. Mehr oder weniger sang- und klanglos haben die irischen Athleten bislang an ihren Wettkämpfen teilgenommen. Zwar mühte man sich redlich und es gab auch kleine Achtungserfolge, aber am Ende doch wenig Zählbares. Die irischen Schwimmer fielen mehr durch ihre Schwimmkappen als durch Leistung auf: Das auf den Badekappen angebrachte grüne Kleeblatt, das Nationalsymbol Irlands, brachte ihnen kein Glück. Es war nicht in Übereinstimmung mit den Regularien über Anbringung von Logos. Da es zu spät war, neue Kappen anzufertigen, mussten die Schwimmer mit neutralen Kappen an den Start gehen. Aber noch haben wir eine Woche Olympia vor uns. Feuern wir also die irische Mannschaft nochmals an: Go, Ireland, go!

Freitag, 15. August 2008

Fish And Chips

Beim Pro-Kopf-Verbrauch von Kartoffeln liegen die Iren in Europa an der Spitze. Ohne Kartoffeln ist eine Mahlzeit unvollständig. Sogar in italienischen Restaurants wird man bisweilen gefragt, ob man Kartoffeln als Beilage zu seiner Quattro Stagioni möchte. Und auch in den Kantinen darf man sich zusätzlich zu seinen Spaghetti Bolognese oder dem Chicken Curry mit Reis ein paar "chips" auf seinen Teller tun, ohne dass man schief angesehen wird.

Gegessen wird die Kartoffel in allen möglichen Formen: Gekocht (boiled), gebraten (fried), geröstet (roasted), als Kartoffelecken (wedges) oder als Kartoffelbrei (mashed potato). Am beliebtesten sind aber vermutlich Kartoffeln in mehr oder weniger kleinen Streifen und frittiert, besser bekannt als "chips" (von "chipped potato" ). Und ein Gericht wird, abgesehen vom Irish Stew oder Cabbage, wohl am meisten mit Irland assoziiert: Fish and Chips.

Zwar ist Fish and Chips kein traditionell irisches Gericht, sondern eher der Inbegriff englischer Küche, wird aber trotzdem auch in Irland gerne und viel gegessen. Bei Fish and Chips scheiden sich die Geister. Aber man sollte es einmal gegessen haben, um mitreden zu können. Man bekommt Fish and Chips in fast jedem Pub, und inzwischen auch in vielen Restaurants, obwohl Fish and Chips traditionell als "Streetfood" gelten, also überwiegend als Take-away verkauft werden. Aufgrund ihres hohen Fettgehaltes gelten Fish and Chips als beliebte Mahlzeit besonders zur Stärkung vor einer langen Nacht in den Pubs oder Nightclubs.

In Dublin geht der Kenner zu Leo Burdock's, Dublins anerkannt bestem "Chipper", zu finden zum Beispiel in der Werburgh St. direkt gegenüber der Christ Church Cathedral. Bei Leo Burdock's gibt es die besten Fish and Chips weit und breit, und man muss stets mit langen Warteschlangen vor dem kleinen Geschäft rechnen. Allerdings ist die Bedienung sehr flott, so dass die Wartezeiten trotz langer Schlangen relativ kurz sind.

Neben dem Eingang hängt eine beeindruckend lange Tafel mit Namen von Prominenten, die schon bei Leo Burdock's Fish and Chips gekauft haben (sollen). Die Liste liest sich wie das Who's Who des Showgeschäfts, und umfasst Namen wie U2 (natürlich), Tom Cruise, Joel Schumacher (nein, nicht der deutsche Berufskraftfahrer), Frankie Goes To Hollywood, Bruce Springsteen, Sandra Bullock, etc. etc. Da die meisten dieser Personen noch leben, kann Fish and Chips so schlimm also nicht sein.

Hat man sich in der Schlange bis in den Verkaufsraum vorgearbeitet, wird es interessant. Doch die Fish and Chips Meisterküche ist enttäuschend klein und hebt sich nicht großartig von anderen Imbissbuden ab. Aber wir wollen mal nicht herummäkeln, es kommt ja auf die Zubereitung an. Der Fisch muss morgens frisch gekauft und noch am selben Tag verkauft bzw. verzehrt werden. Nur frisch frittiert schmeckt der Fisch am besten. Dies erklärt die Wartezeiten vor dem Geschäft: Der Fisch wird nur in kleinen Stückzahlen auf Vorrat frittiert. Gleiches gilt für die Chips: In großen Bottichen blubbert und brodelt unter Abdeckungen das heiße Fett und die Fritten werden wie in einem Whirlpool herum gewirbelt. Man ahnt, was auf einen zukommt.

An der kleinen Theke gibt man seine Bestellung auf. Wer glaubt, dass es einfach nur Fish and Chips gibt, wird beim Blick auf das Menü schnell eines Besseren belehrt. Zum einen kann man aus verschiedenen Fischsorten wählen, von standardmäßigen Kabeljau (Cod) über Schellfisch (haddock) und Rochen (ray) bis zu Shrimps. Daneben finden aber gelegentlich auch Fleischprodukte wie z.B. Würstchen oder Hähnchen-Nuggets ihren Weg ins heiße Bad. Man kann ein Komplett-Menü bestellen, d.h. Fisch und Chips zusammen, oder jeweils einzeln.

Leo Burdock's ist kein Restaurant zum Reinsetzen, sondern ein Take-away-Shop. Man bekommt die bestellten Gerichte nur zum Mitnehmen. Und hier wird es interessant. Echte Fish and Chips werden nämlich nicht auf einem Teller serviert. Stattdessen breitet der Verkäufer vor einem auf dem Tresen einige Lagen weißes Papier aus (immerhin kein Zeitungspapier mehr, wie es früher üblich war, bis Hygiene-Vorschriften dies verboten). Auf das Papier kommt zunächst eine große Portion frischer, noch dampfender und fett-triefender Chips, die mit reichlich Salz und - wichtig - Essig gewürzt werden. Oben auf die Chips kommt dann der Fisch. Das Ganze wird in dem Papier gut eingewickelt, dann nochmals mit zusätzlichen Lagen Papier umwickelt und schließlich in eine fett-beständige Papptüte gesteckt. Fertig ist der Imbiss zum Mitnehmen.

Mit der wohlig warmen Tüte unter dem Arm sucht man sich schleunigst einen Platz zum Essen. Wer nicht mit dem Auto gekommen ist und vorhat, seine Fish and Chips etwa daheim zu verzehren, sucht sich am besten einen Platz in einem nahe gelegenen Park und verzehrt seine Fish and Chips an der frischen Luft. Dies ist die bevorzugte Variante vieler (und aufgrund des Geruchs auch zu empfehlen). Leo Burdock's nächst gelegen ist der kleine Park vor der Christ Church Cathedral. Dort kann man es sich auf der Wiese oder auf den Randsteinen gemütlich machen. Denn beim Essen wartet die eigentliche Bewährungsprobe.

Beim Auspacken muss man vorsichtig zu Werke gehen. Hier und da schieben sich bereits einige Chips heraus, noch ehe man das Ganze vollständig ausgebreitet hat. Auch wird man feststellen, dass die vielen Lagen Papier durchaus ihren Sinn haben: Das Fett hat sich nämlich inzwischen durch die inneren Lagen gearbeitet und bereits die äußeren angegriffen. Gelingt es einem, ohne Verlust der vielen kleinen Chips das Ganze vor sich auszubreiten, blickt man auf einen unförmigen Klumpen goldgelber, aufgeweichter und nach Essig riechender Chips, zwischen denen sich das noch immer reichlich vorhandene Fett in kleinen Rinnsalen seinen Weg über das Packpapier in Richtung Boden sucht. Auf dem ganzen Klumpen liegt das Fischfilet, außen knusprig dunkel-braun, ansonsten unförmig und ebenfalls vor Fett schimmernd. Nur die frittierte Schwanzflosse ist ein Indiz, dass es tatsächlich mal ein Fisch war.

Wer jetzt zum heimlich mitgebrachten Plastikbesteck greift, disqualifiziert sich selbst. Nichts da, der Profi benutzt die wesentlich länger erprobten, von der Natur gegebenen Werkzeuge. Also hinein mit den Fingern in die weiche Masse und die Chips einzeln herausziehen. Den Fisch wickelt man am besten in etwas Papier und hält ihn zum Abbeißen mit der Hand. Und dann heißt es genießen. Denn tatsächlich schmeckt der Fisch sehr gut: Außen knusprig, innen schön zart und saftig. Und die heißen und aufgeweichten Chips schmecken nach Salz und Essig.

Nach einer Weile hat man sich daran gewöhnt, dass die Finger vor Fett triefen, und man von vorbeigehenden Touristen abschätzig gemustert wird. Um einen herum lauern zahlreiche Tauben, die nur darauf warten, dass man irgendwann kein Fett mehr sehen kann und die Reste ihnen überlässt. Und das kommt oft genug vor. Die Portion ist sehr großzügig und das viele Fett tut sein Übriges, dass man schnell satt wird. Es ist also kein Verbrechen, wenn man nicht aufisst, sondern die Reste entweder wegwirft oder tatsächlich den Tauben überlässt. Aber auch das gehört zu diesem Muß für echte Irland-Touristen: Einmal Fish and Chips im Park zu essen.

Donnerstag, 14. August 2008

Bord Gais

Hier mal ein kleiner Einblick in die Gepflogenheiten der hiesigen Energieversorger

Nach unserem Einzug in die neue Wohnung galt es, die Nebenkosten zu regeln und Strom, Telefon und Gas anzumelden. Dabei haben meine Wohngenossin Maria und ich die Positionen etwas aufgeteilt. Sie hat Strom und Telefon übernommen, ich die Gasrechnung. Am Ende des Monats werden die jeweiligen Ausgaben abgeglichen.

Mit den Rechnungen, die schon bald nach unserem Einzug eintrudelten, gab es bislang auch keine größeren Probleme. Vor einigen Wochen erhielt ich ein Schreiben von Bord Gais, unserem Gas-Versorger, mit dem Hinweis, dass mit der nächsten Rechnung auch die Kaution eingefordert wird. Kaution? Ja, Kaution. Und in der Tat erschien auf der nächsten Rechnung neben dem Posten für das Gas auch ein Posten mit der Kaution. Und siehe da: 400 Euro wurden eingefordert.

Eine schnelle Recherche in diversen Internetforen hat ergeben, dass sich zahlreiche Kunden über diese Vorgehensweise des Gas-Monopolisten empörten. Bereits in der Vergangenheit wurde bei neuen Kunden die Zahlung einer Kaution gefordert, jedoch war die bislang nicht sonderlich hoch. Zum Jahreswechsel wurde sie jedoch kräftig erhöht: Es sind 400 Euro Kaution zu leisten, wenn man seine Rechnungen Bar bezahlt (oder per Überweisung), und 200 Euro, wenn man Bord Gais eine Einzugsgenehmigung erteilt. Bord Gais rechtfertigt sich damit, dass in der Vergangenheit zahlreiche Neu-Kunden schon nach einigen Wochen wieder auszogen ohne die offenen Rechnungen zu bezahlen, und dass man sich irgendwie absichern muss. Der ständige Wechsel von Mietern ist im heutigen Irland nichts Ungewöhnliches, und da es keine Meldepflicht gibt, ist es schwer, an die Leute heranzukommen.

Die 400 Euro mögen hoch erscheinen (und sind es natürlich auch), wenn man sich z.B. vor Augen hält, dass unsere Gas-Rechnung bislang selten 60 Euro überstieg – für zwei Monate wohlbemerkt. Aber zum einen haben wir natürlich derzeit nicht Winter. Und zum anderen weiß ich (auch aus eigener Erfahrung), dass die vielen alten irischen Reihenhäuser aufgrund ihrer schlechten Isolation im Winter durchaus Gas für ca. 200 Euro verheizen – pro Monat. Somit erscheinen die 400 Euro keineswegs zu hoch.

Immerhin kann man die Kaution nach 36 Monaten zurückfordern. Und natürlich erhält man sie zurück, wenn man sein Konto kündigt. Ob man auch Zinsen für die u.U. sehr lange einbehaltene Kaution erhält, ist fraglich. Derart sind die Gepflogenheiten der Energieversorger hier in Irland, und da muss man sich beugen.

Mittwoch, 13. August 2008

Aldi, Lidl & Ikea in Irland

Mittlerweile sieht sie man sie auch hier in Irland immer häufiger: Passanten, die Einkaufstüten von Aldi oder Lidl tragen. Ja, auch die bekannten deutschen Billig-Supermärkte sind nun schon seit einiger Zeit hier in Irland zu finden. Sie bieten nicht nur Lebensmittel (und anderes) zu günstigen Preisen, und sind somit ein willkommener Wettbewerb zu den meist teureren englischen (!) Supermarktketten wie Dunnes, Marks & Spencer oder auch Tesco. Für deutsche Einwanderer bieten sie ein wirkungsvolles Mittel bei plötzlich aufkommendem Heimweh: Beim Betreten eines Aldi oder Lidl fühlt man sich sofort (fast) wie zu Hause.

Das fängt schon draußen vor dem Eingang an: Wenn man mit seinem (aus Deutschland mitgebrachten Chip) einen Einkaufswagen von der Kette löst und auf den Eingang zusteuert, kommt wieder dieses besondere Gefühl auf: Ja, plötzlich fühlt man sich wieder wie in Deutschland. Da stört es auch nicht, dass um einen herum alle Polnisch oder Englisch sprechen (wobei man hin und wieder auch ein paar deutsche Worte vernimmt).

Die Eingangstür öffnet sich (wie gewohnt) automatisch und innen bietet sich einem das so vertraute Bild: Die langen und breiten Gänge, zu deren beiden Seiten sich die einfachen Holzregale oder Paletten in die Höhe strecken. Und ja, in dem ersten Regal gleich vorne rechts findet sich das Brot.

Der Blick in die Regale offenbart eine interessante Produktpalette. Zwar finden sich überwiegend heimische (sprich irische) Produkte in den Regalen ("Irish Chicken", "Organic Milk" ), aber dazwischen findet man auch Produkte mit auffallend deutscher Verpackung, wie z.B.: "Wildblüten Honig" von Maribel, die "Edel Rahm Nuss" von Bellaram, den "Apfelsaft Naturbelassen schonend gekeltert" von Vitafit oder die Packung "Golden Puffs, knuspriger Vollkornweizen mit 7 Vitaminen & Eisen". Besondere Highlights sind die "Oldenhauser Schinkenwürstchen", das "Grafenwalder Pils", die "German Bratwurst" oder das Glas "Rollmops" von Vitakrone. Letzteres mit dem Hinweis für Allergiker: "Contains Fish". Tja, nicht jeder kennt Rollmops.

Zwischen den Lebensmitteln gibt es die üblichen Schnäppchen für Haus, Hof, und Garten, Sachen, die man immer schon haben wollte: Für die Heimwerker die "Men's Safety Shoes", den "Werkzeugkasten" oder die "Aluminium Teleskopleiter". Zu der Zeit meines Besuchs bei einem Lidl stand die übliche Sonderaktion im Zeichen des Grillens und Campings. Es gab zum Beispiel (deutsche) "Holzkohle" und Grillzangen. Für den Fall, dass dem irischen Griller die deutsche Bratwurst nicht so richtig gelingen sollte, gab es die "Portable Toilet". Und für den echten Notfall sogar einen "Feuerlöscher": Die Version mit 1kg Löschpulver für 9,99 Euro, die mit 2kg für 19,99 Euro. Kurz, alles ist so, wie man es aus Deutschland kennt. Auch die gewohnt langen Kassen, an denen man die letzte Gelegenheit hat, Kleinigkeiten wie CD-Rohlinge oder Kaugummi einzukaufen.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen bei den meisten Menschen in Irland das Geld nicht mehr so locker sitzt, wechseln viele zu den Billig-Supermärkten. Während Polen und auch Deutsche ohne Probleme von Anfang an zu Aldi oder Lidl fuhren, um ihren Wochengroßeinkauf zu tätigen, brauchten die Iren wieder etwas länger. Sie sind allgemein immer etwas skeptisch gegenüber neuen Dingen, vor allem wenn es dort keine Markenwaren zu kaufen gibt. Doch so langsam setzt sich auch bei den Iren die Erkenntnis durch, dass es nicht immer Dunnes oder Marks & Spencer sein muss.

Dabei beobachtet man auch die gleiche Veränderung im sozialen Bereich, wie man sie vor Jahren in Deutschland beobachtete: Die Leute kauften bei Lidl oder Aldi ein, gaben es aber nicht gerne offen zu. Doch mittlerweile hat sich auch das gelegt und es gilt als normal, bei Lidl oder Aldi einzukaufen. Diese beiden Billig-Supermärkte werden denn auch als große Gewinner aus der allgemeinen wirtschaftlichen Flaute hervorgehen, so wie auch in Deutschland vor einigen Jahren.

Auch der schwedische Möbelspezialist Ikea hat den Weg nach Irland gefunden. Seit längerem gibt es bereits einen Shop in Belfast (Nordirland). Die Eröffnung des ersten Shops in Dublin und der Republik Irland scheiterte bislang an bestehenden Baugesetzen. Für den auserwählten Standort im nördlichen Stadtteil Ballymun in der Nähe des Flughafens gibt es ein Gesetzt, das Geschäfte mit mehr als 6.000 qm Verkaufsfläche verbietet. Ikea-Läden übersteigen diese Größe jedoch um ein Vielfaches (der geplante Laden hat eine Verkaufsfläche von 30.500 qm). Erst im vergangenen Jahr (Juli 2007) erteilte man den Schweden endlich eine Baugenehmigung, allerdings verbunden mit einigen Auflagen, was Öffnungszeiten und die Anbindung an die nahe gelegene M50 betrifft. Derzeit also wird fleißig an dem ersten Ikea-Shop in Irland gebaut. 2009 soll Eröffnung gefeiert werden.

Bis dahin müssen Käufer aus Dublin auf den Shuttle-Service von Bus Eireann zurückgreifen. Das Busunternehmen betreibt eine Express-Busroute zwischen Dublin und Belfast eigens für Einkaufsfahrten zu Ikea. Die Shoppingfahrten sind äußerst beliebt, vor allem aufgrund des derzeit schwachen britischen Pfunds. Einziger Nachteil: Nach dem Kauf müssen die Käufer noch etwas auf ihre Billigmöbel warten. Sie können nicht im Bus mitgenommen werden, sondern müssen per Versand zugestellt werden.

Montag, 11. August 2008

Zeitungsmeldungen zur irischen Wirtschaft

Dass es um die irische Wirtschaft derzeit nicht sehr gut bestellt ist, hatte ich bereits in einigen Einträgen erwähnt. Beim Durchstöbern von Zeitungen stößt man auf diverse Artikel, die einige der Folgen der schlechten wirtschaftlichen Lage aufzeigen. Hier eine kleine Auswahl solcher Zeitungsmeldungen der letzten Tage:

Increasing numbers unable to meet mortgage payments (Freitag, 8. August 2008)

The number of people facing court in the North for failing to pay their mortgages has increased significantly in the second quarter of this year. The Courts Service says a total of 929 writs and summonses were issued in the three months to June this year, a rise of 59%. A total of 323 properties were re-possessed over the same period.

Immer mehr Hauseigentümer können die Raten für ihre Hypotheken nicht mehr leisten, und laufen Gefahr, ihr teuer finanziertes Eigenheim wieder zu verlieren. Dies war eigentlich zu erwarten, da sich viele Iren für die Erfüllung ihres Traumes vom Eigenheim hoffnungslos verschuldet haben. Wenn dann zum Beispiel noch ein Einkommen wegbricht, wird es sehr schnell eng.

Evictions surge as landlords struggle (Montag, 11. August 2008)

The downturn in the economy has caused a surge in the number of evictions from rented housing, Housing group Threshold said tenants struggling to make payments were being forced to leave their homes by landlords finding it difficult to cover high mortgage costs.[...]

Auch dieser Artikel passt ins gleiche Bild: Wenn Mieter mit der Zahlung der Miete in Rückstand geraten, laufen sie Gefahr, von den Vermietern auf die Straße gesetzt zu werden. Die Vermieter rechtfertigen sich damit, dass sie mit den Mieteinnahmen die Raten für ihren Kredit zahlen müssen (siehe vorherigen Artikel). Aber oft gehen sie noch einen Schritt weiter, wie der Artikel weiter berichtet: Oft setzen die Vermieter ihre Mieter unter äußerst zweifelhaften Vorwänden (eine Woche Mietrückstand) vor die Tür, um die Wohnung anschließend neu zu vermieten – zu höheren Mietpreisen. Es wird sich zeigen, wie lange das gut geht.

Auctioneers benefit from building slump (Montag, 11. August 2008)

The amount of construction equipment being auctioned off has more than doubled as builders hit by economic downturn are forced to close.[...]

In wirtschaftlich schlechten Zeiten gibt es aber auch welche, die davon profitieren: Auktionshäuser verzeichnen mehr Aufträge bei der Versteigerung von Arbeitsgeräten aus der Bauindustrie, weil zunehmend mehr Baubetriebe schließen müssen. Große Nachfrage nach derartigen Maschinen bestehe vor allem im Osten Europas.

Irish splash the cash on trips abroad (Montag, 8. August 2008)

Irish consumers believe they can stock up on designer products and save as much as 40 per cent when they buy goods overseas, new research has found. Almost half (44 per cent) of holidaymakers spent more than €1.000 while shopping abroad [...]

Eine Umfrage hat ergeben, dass die Iren ihren Auslandsurlaub auch zum Einkaufen nutzen. Vor allem Kleidung, Schuhe, Schmuck und andere Accessoires stehen ganz oben auf der Shopping-Liste. Dieser Artikel offenbart zwei Dinge: Zum einen sind Markenartikel im Ausland tatsächlich oft deutlich billiger, als in Irland, und das nicht nur aufgrund guter Wechselkurse wie z.B. zum Britischen Pfund oder dem Dollar. Zum anderen zeigt der Artikel, dass die Iren nach wie vor Markenwaren bevorzugen. Es scheint, dass sie sich nun, da sie es zu etwas Wohlstand gebracht haben, all die Dinge gönnen wollen, die sie sich in der Vergangenheit einfach nicht leisten konnten. Die große Kaufkraft der Iren war einer der Motoren des wirtschaftlichen Aufschwungs in Irland. Doch das Einkaufen im Ausland hilft natürlich der Binnenwirtschaft nicht weiter.

Wenn man Artikel wie die vorstehend aufgeführten in den Zeitungen liest, kommt man manchmal ins Grübeln. Besonders auf dem Wohnungsmarkt herrscht eine gewisse Wild-West-Manier, bei der die Mieter oft den Kürzeren ziehen. Und auch die Meldungen vom Arbeitsmarkt berichten nichts Gutes: Zunehmend junge Arbeitnehmer melden sich arbeitslos. Die ersten Leidtragenden des Abschwungs.

Sonntag, 10. August 2008

Flash Flooding

Ok, nicht immer zeigt sich das irische Wetter von seiner besten Seite. Gestern zeigte es sich sogar von seiner heftigsten Seite. War der Samstagmittag noch recht erträglich, begann es am Nachmittag zu regnen. Nein, das ist eigentlich nicht richtig. Es schüttete. Und zwar wie aus Eimern. Besonders in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Dublin Airport berichtete 56mm Niederschlag - in nur 24 Stunden. Und das sorgte für große Probleme nicht nur am Flughafen, sondern vor allem auf den Straßen in und um Dublin.

Als Fußgänger blieb man, sofern man regenfeste Kleidung trug oder einen Regenschirm hatte, einigermaßen verschont, von nassen Schuhen und ggf. durchnässten Hosenbeinen mal abgesehen. Auf den Straßen aber, auch mitten in Dublin, bot sich ein anderes Bild: Ein einigen Senken stand das Wasser bis zu 15cm tief oder lief in Sturzbächen über die Straße. Aus der Kanalisation drückte das Wasser von unten nach oben und strömte auf die Straßenoberfläche. Autofahrer waren zu größter Vorsicht aufgefordert.

Der Samstagabend ist standardmäßig der Ausgeh-Abend für viele Iren. Der coole Irish Lad geht dabei natürlich nur in Jeans und Oberhemd, die irischen Mädels gewohnt freizügig mit schulterfreier Bluse und Röckchen. Dumm nur, dass diese Art von Outfit bei Regen nicht besonders praktisch ist. An den Straßenbahnhaltestellen sah man denn auch zahlreiche Iren, die von Unterstand zu Unterstand sprinteten - die Jungs locker in ihren Turnschuhen vorneweg, die Mädels hinterher in ihren High-Heels hinterher trippelnd, Jungs wie Mädels bereits mit klatschnassen Haaren und Klamotten.

Am Morgen zeigte sich das ganze Ausmaß der heftigen Regenfälle: Aus weiten Teilen des Landes, vorrangig aber aus der Region um Dublin und aus dem Landesinnern, wurde von großen Verkehrsbehinderungen während der Nacht und am Morgen berichtet. Zahlreiche Autofahrer hingen auf den Landstraßen fest oder hatten gar ihre Autos am Straßenrand zurückgelassen. Im Raum Dublin war die N3 nahe Blanchardstown gesperrt, ebenso die M1 bei Shantalla Bridge. Auf der M50 war noch gegen Mittag in Nord- wie auch Südrichtung mit heftigsten Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Autofahrer waren aufgefordert, diese Straße zu meiden.

Die Meteorologen meldeten den heftigsten Niederschlag im August seit 20 Jahren. Doch vielleicht kann man das noch überbieten: Für die nächsten Tage wird mit weiteren, teilweise heftigen Niederschlägen gerechnet.

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Auch das gestrige Viertelfinalspiel in der All-Ireland GAA Football Championship zwischen Kerry und Galway fand im Croke Park Stadion bei heftigstem Regen statt. Trotz des Regens kamen die Fans voll auf ihre Kosten. Viele Experten halten das Spiel für eines der besten und spannendsten seit Jahren. Kerry gewann am Ende knapp mit 1-21 zu 1-16. Kerry scheint den drittel Titel in Folge fest im Auge zu haben.

Am Samstagmittag war wieder der zu diesen Anlässen bereits gewohnte Aufmarsch der Fans im Stadtzentrum zu beobachten. Zahlreiche Fans machten sich auf den Weg ins Croke Park Stadion, die Trikots ihrer Mannschaft tragend und Fahnen schwenkend (siehe auch meine Berichte hierzu vor einem Jahr). Die Begeisterung und Vorfreude ist an solchen Tagen nur zu deutlich zu spüren. Es wird Zeit, dass ich mich eingehender mit den nationalen Sportarten GAA Football und Hurling beschäftige und nach Möglichkeit sogar mal ein Spiel im Croke Park Stadion besuche. Das ist Eintauchen in irische Kultur. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.

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Und was machen die irischen Sportler in Olympia? Zwar gab es von den ersten Wettkampftagen kleine Erfolgsmeldungen (der irische Boxer John Joe Joyc hat seinen Auftaktkampf gewonnen und im Rudern hat sich der Vierer der Herren für das Halbfinalrennen qualifiziert), aber auch bereits die (erwarteten) Enttäuschungen: Im Badminton sind Chloe Magee und Scott Evans bereits in der ersten Runde des Tourniers ausgeschieden (Evans scheiterte an dem Deutschen Marc Zwiebler). Auch beim Schießen traf Derek Burnett leider nicht oft genug ins Schwarze. Naja, aber die Spiele sind ja noch lang...


Freitag, 8. August 2008

Go Ireland, Go!

Heute beginnen die Olympischen Spiele in China, und auch Irland ist vertreten. Irland hat insgesamt 54 Athleten und Athletinnen nach Peking entsandt. Und die irischen Sportler haben so schöne irische Namen wie Fionnuala Britton, Róisín McGettigan, Derval O'Rourke, Niall Griffin, Siobhan Byrne, Cathal Moynihan oder Sean O'Neill.

Die irischen Sportler treten in den Disziplinen Leichtathletik (Laufen, Gehen), Badminton, Boxen, Radfahren, Reiten, Fechten, Segeln, Rudern und Schwimmen an. Schade, dass Trinken oder Reden keine olympischen Disziplinen sind - die Iren hätten darin große Medallienchancen.

Von Medallien träumen darf man ja. Aber man wird abwarten müssen, wie es am Ende aussieht. Für die meisten irischen Sportler gilt sicherlich: Dabeisein ist alles. Und wenn es mit der Ausdauer, den Kräften oder dem sportlichen Geschick hapert, gibt es ja immer noch "the luck of the Irish". Vielleicht sorgt es ja dafür, dass es die eine oder andere Medallienüberraschung gibt. Ich werde jedenfalls ein Auge auf das Team von der kleinen grünen Insel haben. Go Ireland, go!

Dienstag, 5. August 2008

Irish Curses in Cambridge

Zurück von einem Wochenende in Cambridge. Die englische Universitätsstadt hat in der Tat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten, allen voran natürlich die berühmten Colleges wie Trinity oder King John's. Zwar stand bei unserem kurzen Wochenendausflug der Besuch der Familie im Vordergrund (es gibt familiäre Verbindungen nach Cambridge), aber zwischen Full English Breakfast, Lunch, Afternoon Tea, Dinner und Plausch im Kreise der Familie gab es genügend Gelegenheiten, die kleine Stadt zu erkunden oder zu shoppen.

Mir ist natürlich sofort der andere englische Akzent aufgefallen. In Irland hat jede Region ihren eigenen Akzent, und ich lausche immer interessiert und versuche, den Sprecher anhand seines Akzentes regional einzuordnen. Deswegen machte es mir auch viel Spaß, dem Cambridge-Englisch zu lauschen, wie man es dort z.B. auf der Straße oder in den Cafés hören kann. Und dabei gelangte ich zu der Erkenntnis: Was in Deutschland allgemein als das Referenz-Englisch betrachtet wird (vergleichbar unserem Hochdeutsch), ist ja eigentlich auch nur ein Akzent von vielen. Deswegen mache ich mir auch keine großen Gedanken und wehre mich nicht gegen die unbewusste Aneignung irischen Akzents.

Bei unserem Besuch in Cambridge herrschte überwiegend typisch englisches Wetter: Kühl, bewölkt, regnerisch. Dies führte indirekt auch dazu, dass wir in Cambridge irische Flüche verhängen mussten: Am Samstagnachmittag nämlich, als sich ausnahmsweise mal die Sonne blicken ließ und es gerade nicht regnete (und wir unsere Regenjacken abgelegt hatten), fuhr ein großer englischer (!!) Reisebus an uns vorbei und meinte, uns mit dem Wasser aus einer der zahlreichen großen Pfützen am Straßenrand eine Abkühlung verpassen zu müssen (als ob der Busfahrer ahnte, dass wir aus Irland kamen). Aus sprichwörtlich heiterem Himmel ergoss sich ein großer Schwall Wasser über uns und durchnässte uns bis auf die Haut.

Der Busfahrer schien davon nichts mitbekommen zu haben (womit er sich als schlechten weil unaufmerksamen Fahrer outete, denn die Straße war breit und einsichtig genug und er hätte Pfütze und uns sehen müssen). Anstatt kurz anzuhalten und sich zumindest zu entschuldigen, setzte er seine Fahrt unbeirrt fort und entschwand hinter der nächsten Biegung. Doch so einfach ließen wir ihn nicht davon kommen. Die heftigsten irischen Flüche, die uns gerade einfielen, schickten wir ihm nach. Und um die Wirkung zu unterstreichen, wiederhole ich sie hier gerne:

May he be afflicted with the itch and have no nails to scratch with.

May the flame be bigger and wider which will go through his soul
than the Connemara mountains, if they were on fire.

May he suffer a flat on all his tyres before he gets to his destination.

And may his children have 16 toes,
and so the children of his children,
and the children of their children,
for seven generations to come.

Danach fühlten wir uns sichtlich wohler. Unser Glück war, dass sich der Vorfall ereignete, als wir eh auf dem Weg zurück ins Hotel und bereits in dessen Nähe waren. So konnten wir uns gleich umziehen, ohne noch lange durch die Stadt laufen zu müssen. Im Hotel konnten wir den Vorfall bereits mit Humor sehen, zumal empfindliche Sachen wie Kameras oder Papiere dank der Verstauung im Rucksack nicht in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Was aber nicht heißt, dass wir unsere Flüche zurücknehmen. Die bleiben!

Trotz dieses Vorfalls war der Wochenendtrip eine willkommene kleine Abwechslung. Aber es war auch schön, nach den Tagen auf englischem Boden wieder nach Irland zurück zu kehren. Als wir uns im Landeanflug auf Dublin befanden und zunächst die irische Küste, dann die Bucht von Dublin mit den Dublin Mountains im Hintergrund auftauchte, war der Himmel klar und die Abendsonne strahlte durch die kleinen Fenster in die Kabine. Typisch irisches Wetter.

Und irgendwo in England zieht ein verfluchter Busfahrer seine Runden...