Mittwoch, 24. Dezember 2008

Christmas Long Ago

Wie Weihnachten heute gefeiert wird, wissen wir alle. Den wenigen Tagen der Ruhe und Besinnlichkeit gehen viele hektische Tage voran, die mit Planungen für das große Fest, der Jagd nach Geschenken, langen Warteschlangen vor den Kassen und allgemeinen Vorbereitungen ausgefüllt sind. Und oft genug bleibt auch an Weihnachten gerade die so erwartete und erhoffte Ruhe und Besinnlichkeit auf der Strecke. Im heutigen Irland sieht das nicht anders aus. Doch blicken wir einmal in der Zeit zurück, wie Weihnachten früher, im ländlichen Irland, gefeiert wurde.

Im ländlichen Irland galt Weihnachten als das wichtigste christliche Fest im Jahr. Die Vorbereitungen dazu begannen deshalb bereits sehr früh. Nach der Zeit, in der man der Toten gedachte (November), war die Adventszeit die Zeit der frohen Erwartung der Geburt des Erlösers Jesus Christus. Es galt, sich auf dieses freudige Ereignis vorzubereiten. Die Männer säuberten den Bauernhof und brachten das Haus von Außen auf Vordermann. Innen putzten und schrubbten die Frauen, wuschen die Wäsche und richteten das Haus her.

Oft wurden Schweine und Kühe geschlachtet und das Fleisch mit den Nachbarn geteilt. Die Frauen mästeten die Gänse oder Truthähne, die später auf dem Markt verkauft wurden. Diese Weihnachtsmärkte fanden meist um den 8. Dezember herum statt. Mit den Einnahmen aus den Verkäufen der Tiere kauften die Frauen Süßigkeiten und kleine Spielsachen, Kleidung, Früchtekuchen, vielleicht etwas Tabak oder gar Stout, Whiskey oder Sherry. Verglichen mit heutigen Weihnachtseinkäufen waren dies damals ausgesprochen magere und bescheidene Einkäufe. Aber man tat sein Bestes, um sich Dinge zu kaufen, die man sich sonst das ganze Jahr über nicht leisten konnte.

Die Adventszeit, die vier Wochen vor Weihnachten, galten bis etwa 1917 als Fastenzeit, in der man auf seine üblichen kleinen Laster verzichten musste, etwa das Rauchen, Trinken oder Süßigkeiten. Von jedem wurde erwartet, dass er ein Opfer brachte. Aber oft wurden die Kinder nach den Kirchgängen mit einer kleinen Süßigkeit belohnt.

Weihnachten wurde von Jung und Alt gleichermaßen herbeigesehnt. Die meisten Familien hatten Verwandte in fernen Ländern, etwa in Amerika. Mit großer Spannung wartete man auf Post von diesen Verwandten, denn fast immer war dem Brief auch etwas Geld beigefügt.

Bis zum Vorabend von Weihnachten, Christmas Eve am 24. Dezember (bei uns Heiligabend), mussten die Vorbereitungen abgeschlossen sein. Das Haus wurde noch festlich geschmückt mit Efeu, grünen Blättern oder roten Beeren. Besonders die beiden Haupträume im Haus, die Küche und das Wohnzimmer, wurden reichlich geschmückt. Palmenzweige wurden über Türrahmen, dem Kaminsimse, Schränken oder Bilderrahmen gelegt. Man glaubte, dass in jedem kleinen Zweig ein Engel wohnte.

Christmas Eve war sicherlich der magischste Tag des Jahres. Es gab ein festliches Essen, meist Gans oder Truthahn oder, wie in einigen Regionen in Irland auch heute noch üblich, Fisch. Nach dem Essen gab es den Weihnachtskuchen, dazu Tee oder Punch, und es wurden Süßigkeiten oder Äpfel gereicht. Nach dem Essen saß die Familie gemeinsam um den Kamin herum, dem gemütlichsten Platz im ganzen Haus. Manchmal kam ein Nachbar hinzu, dem man Whiskey oder Stout reichte.

Wenn die Nacht anbrach, wurde eine Kerze angezündet und gut sichtbar ins Fenster gestellt. Meist durfte das jüngste Familienmitglied die Kerze anzünden. Die Tradition des Lichts im Fenster geht zurück in alte Zeiten, als das Gesetz der Gastfreundschaft noch ernst genommen wurde. Das Licht sollte einem Fremden in der Nacht den Weg zum wärmenden und behütenden Haus anzeigen. Es sollte auch an Josef und Maria erinnern, die in jener Nacht vor 2000 Jahren auf der Suche nach einer Unterkunft von Haus zu Haus gingen und schließlich im Stall schlafen mussten.

Nach dem Anzünden der Kerze versammelte sich die Familie zu einem Gebet, das der Vater sprach. Die gebräuchlichste Segnung war das "Go mbeirimid beo ar an am seo aris" (May we all be alive this time next year).

Die Kinder wurden früh zu Bett geschickt. Waren sie nicht folgsam, drohte man ihnen (wie heute auch noch) damit, dass ihnen Santa Claus nichts bringen würde, wenn sie nicht artig sein würden. Bevor die Kinder aber zu Bett gingen, brachten sie Strümpfe oder Socken neben dem Kamin oder auch an ihrem Bettende an - dort hinein sollte Santa seine Gaben stecken.

In vielen Regionen Irlands glaubte man, dass um Mitternacht die Esel und Kühe ihre Köpfe neigen oder gar niederknien - in Anbetung des geborenen Christkindes. Allerdings war man wohl auch zu schüchtern, um in jener Nacht die Tiere genau zu beobachten und diesen Glauben zu überprüfen.

Gespannt warteten alle auf den Morgen, auf das Anbrechen des Christmas Day. Besonders achtete man auf den ersten Hahnenschrei. Krähte der Hahn bereits kurz nach Mitternacht, war es ein besonders gutes Omen. Auch das Wetter wurde studiert. Eine kalte Nacht mit Frost oder gar Schnee bedeutete einen milden Frühling und das Fernbleiben von Erkrankungen. Schneite es an Christmas Eve, sagte man den Kindern, dass im Himmel die Gänse gerupft wurden. Und war Neumond an Heiligabend, bedeutete dies Glück und Segen für das kommende Jahr.

Allen ein frohes Weihnachtsfest. Mögen wir alle uns nächstes Jahr um diese Zeit bester Gesundheit erfreuen.

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Gloomy December

Der Dezember hat sich bislang als trüb und düster herausgestellt. Und das lag nicht nur am Wetter und der kalten und dunklen Jahreszeit. Kurz vor Weihnachten haben sich die Anzeichen für ein düsteres Jahr 2009 noch mal verdeutlicht. Die Einschläge kommen näher. Mittlerweile zeigen sich auch im Bekanntenkreis die Auswirkungen der schwierigen Wirtschaft.

Meine Freunde Martin und Mechthild sind seit etwa vier Jahren hier in Irland. Nun wird die Firma, in der Mechthild arbeitet, 20% des Personals abbauen. Grund genug für Mechthild, sich nach anderen Möglichkeiten umzusehen. Doch die Aussichten sind derzeit schlecht. Viele Firmen bauen Stellen ab. Den wenigen offenen Stellen stehen viele Bewerber gegenüber. Hingegen sind in Deutschland die Aussichten derzeit noch etwas besser. Mechthild hat sich dort erfolgreich beworben. Anfang nächsten Jahres wird sie Irland verlassen und nach Deutschland zurück gehen. Für sie und Martin bleibt vorerst nur die Fernehe, bis ihr Sohn Philip die Schule hier beendet hat. Dann wird die Familie wahrscheinlich ganz und für immer nach Deutschland zurück gehen. Damit wird ihr Abenteuer Irland in absehbarer Zeit ein Ende nehmen.

In diesen Tagen vermelden immer mehr Firmen, dass sie Umsatzeinbrüche haben und Stellen abbauen werden. Der Mobilfunkanbieter Vodafone hat vor kurzem bekannt gegeben, 150 Stellen abzubauen. Dies entspricht einer Reduzierung um 10%. Auch bei Vodafone ist der Umsatz kräftig zurück gegangen. Die Leute telefonieren weniger, und vor allem verlassen immer mehr Leute das Land. Der Stellenabbau betrifft alle Abteilungen und soll durch freiwillige Austritte erreicht werden. Es wird sich aber zeigen müssen, welche Erfolge man mit diesem Ansatz haben wird.

150 Arbeitsplätze klingt nach nicht sehr viel. Doch Irland ist ein kleines Land mit nur ca. 4 Mio. Einwohnern, nur ein Zwanzigstel der Bevölkerung Deutschlands. Ich behelfe mir daher immer, die Zahl der gefährdeten Stellen mit 20 zu multiplizieren. Damit entsprächen die 150 Stellen hier in etwa 3000 Stellen in Deutschland. Und das hört sich schon ganz anders an.

Die Monate Januar und Februar Anfang nächsten Jahres werden sehr interessant werden. Erfahrungsgemäß warten viele Firmen mit der Bekanntgabe ihre Personalpläne bis zum Anfang des Jahres. Dann nämlich erst steht das Budget für das Jahr fest und es können konkrete Planungen gemacht werden. Auch wartet man mit etwaigen Kündigungen lieber bis nach den Feiertagen.


Und es gibt noch ein anderes untrügliches Zeichen für den Abschwung: Leer stehende Trabantenstädte. In den ehemaligen Vororten von Dublin sind in den letzten Jahren regelrechte Trabantenstädte entstanden, große Wohnsiedlungen mit hunderten von Apartments und oft eigenen Shopping-Centren. Dundrum oder Sandyford im Süden von Dublin sind da nur zwei Beispiele. Noch immer wird in den Randgebieten Dublin kräftig gebaut, viele Apartmentkomplexe werden erst 2009 fertig. Doch von den bereits bezugsfertigen Einheiten stehen viele derzeit leer. Und für die neuen Wohnungen fehlen teilweise die Käufer und die Mieter. Hält der Abschwung noch lange Zeit an, werden diese Wohnsiedlungen, einst Ausdruck des wirtschaftlichen Aufschwungs im Celtic Tiger, wohl zu Geisterstädten, oder werden als Sozialwohnungen genutzt.

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Mit diesen trüben Aussichten verabschiede ich mich in die Weihnachtspause. Am Wochenende fliege ich nach Deutschland, um die Feiertage bei meiner Familie zu verbringen. Für ein paar Tage werde ich wieder die Luft der alten Heimat schnuppern. Für ein paar Tage heißt es ausspannen, Ruhe und Erholung genießen. Doch ich werde weiterhin ein Auge auf Irland haben, werde an seine sanften Hügel denken, an die grünen Felder, die klaren Seen, die weiten Täler. Und leider auch an die düsteren Wolken der Sorgen, die über der kleinen Insel schweben, so wie derzeit über der übrigen Welt.

"The world is full of troubles

And anxious in its sleep.
Come away, O human child!
To the waters and the wild
With a faery, hand in hand,
For the world's more full of weeping than you can understand."


(W.B. Yeats - The Stolen Child)

Ich wünsche all meinen Lesern bereits jetzt ein frohes und sorgenfreies Weihnachten und vorsorglich bereits einen guten Rutsch. Ich werde vor Neujahr wieder zurück in Dublin sein und ein hoffentlich erfreuliches Neues Jahr einläuten.

"When the road you walk is dark.
May you always hear,
Even in your hour of sorrow,
The gentle singing of the lark.
"

(Irish Blessing)


Montag, 15. Dezember 2008

The Return of the Pig

Piggy is back! Mit diesen Worten wurde den irischen Verbrauchern am Wochenende mitgeteilt, dass sie wieder irisches Schweinefleisch kaufen können. In groß angelegten Anzeigen wurde darüber informiert, dass die FSAI (Food and Safety Authority of Ireland) die Freigabe für Produkte aus irischem Schweinefleisch erteilt hat. Die Quelle der Kontaminierung wurde ausgemacht, von den mit dem verseuchten Schweinefutter belieferten zehn Farmen gelangt (vorerst) kein Fleisch mehr in den Handel. Es ist also wieder sicher, irisches Schweinefleisch zu kaufen. Ein neu eingeführtes Etikett auf den Verpackungen ("Irish Pork & Bacon Approved", gez. The Department of Agriculture, Fisheries and Food) soll den Verbrauchern zusätzliche Sicherheit darüber geben, dass das Produkt einwandfrei sei.

Nach einer Woche der Aufregung und Unsicherheit gibt es nun also Entwarnung. Bei Tesco füllen sich so langsam wieder die Regale mit den Fleischprodukten, und die "Temporarily out of stock"-Hinweisschilder verschwinden. Auch in der Kantine am Arbeitsplatz wurden entsprechende Informationsblätter verteilt, auf den man nachlesen konnte, wie es um die Schweine bestellt ist. Na, dann ist ja alles wieder bestens. Die Iren können wieder ruhigen Gewissens ihre so geliebten Frühstücksbrötchen mit Würstchen genießen, und Weihnachten ist auch gerettet. Denn was wäre sonst aus der so beliebten Weihnachtsspeise "Turkey and Ham" geworden?

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Ebenfalls wieder auf den Tisch kommt demnächst "Lisbon". Nun wird es also doch eine zweite Abstimmung über den Vertragsentwurf der EU geben. Bei der Abstimmung geht es auch um die politische Reputation von Taoiseach Brian Cowan. Das wird noch eine ganz heiße Nummer...

Freitag, 12. Dezember 2008

The Man Who Had His Left Half Cut Off

Weihnachtsfeiern in Irland sind oft etwas fröhlicher und ausgelassener, als die in Deutschland. Hier trägt man Papier-Kronen oder Papp-Hüte, öffnet zusammen mit einem Kollegen Knall-Bonbons, und macht sich dann über die darin enthaltenen Kleinigkeiten her. Meist sind es kleine Spielsachen, wie man sie in etwa aus Überraschungs-Eiern kennt. Kurz, eine Fröhlichkeit, die man in Deutschland eher zu Karneval erlebt. Nach der Erfahrung der letztjährigen Weihnachtsfeiern aber waren diese Gepflogenheiten nichts Neues mehr für mich.

Gestern Abend nun hatten wir unsere Firmen-Weihnachtsfeier in diesem Jahr. Diese fand im Burlington Hotel in Ballsbridge statt, unweit des südlichen Canals, nicht weit vom Stadtzentrum. Zum Auftakt der Feier traf man sich an der Hotelbar, wo man den Abend mit ein paar Getränken einleitete. Anschließend zog die Gesellschaft in den Speisesaal um. Dort gab es ein 4-Gänge-Menü mit Salat, Suppe, einem Hauptgericht, bei dem man zwischen Fish, Beef und Chicken als Hauptbestandteil wählen durfte, sowie einer Nachspeise nebst Kaffee oder Tee. (Schweinefleisch gab es leider nicht, obwohl viele Kollegen sicherlich gerne das "All you can eat for free"-Angebot genutzt hätten).

Wie auch im letzten Jahr gab es von der Firma Gutscheine als Geschenke. Naja, genauer gesagt gab es nur Gutscheine für die Gutscheine. Aus steuerlichen Gründen darf die Ausgabe der echten Gutscheine erst Ende Dezember erfolgen, so dass es vorab nur symbolische Gutscheine gab. Wie auch immer, um die Ausgabe der Gutscheine etwas interessanter zu gestalten, wurde diese in eine kleine Unterhaltungsrunde mit Quiz-Fragen, kleinen musikalischen Einlagen, lustigen Dingen und anderen abstrusen Aktionen eingebetet. Man musste sich seinen Gutschein nämlich "verdienen". Hinzu kam, dass am Abend der Feier nur 20 dieser symbolischen Gutscheine ausgegeben wurden, wodurch ein gewisser sportlicher Anreiz geschaffen wurde.

Um also in den Genuss eines der Vorab-Gutscheine zu gelangen, musste man endweder eine Quiz-Frage richtig beantworten, ein kleines Ständchen bringen oder eine sonstwie besondere (und vor allem lustige) Aufgabe bewältigen. Mich traf es, als verlangt wurde, dass jemand von unserem Tisch einen Witz erzählen sollte. Und eh ich mich versah, war mein Name genannt und es gab kein Zurück.

Nun bin ich nicht gerade der große Witze-Erzähler, und schon gar nicht was Witze auf Englisch angeht. Witze behalte ich meist nicht sehr lange im Gedächtnis. Zwar wurde man an dem Abend mit zahlreichen Witzchen versorgt, die in den vielen Knall-Bonbons untergebracht waren (z.B. Q: "Which fish is famous?" A: "A starfish"), womit sich zur größten Not irgendein Witz schnell hätte finden lassen. Aber mir kam ein anderer Witz in den Sinn. Ich erhob mich also von meinem Platz, und als im Saal Ruhe eingetreten war und alles gebannt auf mich blickte ("No pressure!"), erzählte ich meinen kleinen einfachen Witz vor versammelter Gesellschaft – auf Englisch: "Did you hear about the man who had his left half cut off? ... Well, he's all right now ..."

Nicht Englisch-Mutter-Sprachler brauchen sicherlich ein wenig, um den Witz zu durchschauen. Der Witz ist auch eher für Englisch-Schüler interessant. Aber es ist auch einer dieser Witze, die man getrost auf einer Party in feucht-fröhlicher Runde bringen kann. Und wie mir ein Kollege anschließend mitteilte, konnte man bei mir sogar einen richtigen irischen Akzent raushören.

Nach der lustigen Unterhaltungsrunde wurde die Tafel aufgehoben und die Gesellschaft verlagerte sich zurück an die Bar im Nebenraum. Dort ging es dann in lockerer und fröhlicher Runde für viele Kollegen noch lange bis in tief in die Nacht hinein weiter. Ich aber verabschiedete mich (wie schon im Vorjahr) recht früh etwa gegen 23.30 Uhr und trat den Heimweg an. Und so endete meine zweite Weihnachtsfeier mit der Firma.

Auch am heutigen Freitag, dem Tag nach der Feier, musste gearbeitet werden (sofern man den Tag nicht wohlwissend frei genommen hat). Am Wochenende steht erst mal Erholung an. Schließlich habe ich aufgrund meiner Erkältung vom letzten Wochenende nicht viel gehabt. Und an dieser Erkältung laboriere ich noch immer ein wenig. Aber die ruhigen Tage kommen ja noch.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Busy Days

Inzwischen gehe ich wieder zur Arbeit, obwohl ich noch nicht 100%ig wiederhergestellt bin. Aber in den letzten Wochen vor der Weihnachtspause muss noch so einiges erledigt werden, und das möchte ich den Kollegen nicht alles überlassen. Außerdem war ich fit genug, um zu Hause am Computer zu arbeiten. Somit bin ich auch fit genug, um zur Arbeit zu gehen.

Anders als in vielen Firmen in diesem Jahr gibt es bei uns tatsächlich eine Weihnachtsfeier. Heute Abend geht es hierzu in das Burlington Hotel in Dublin. Geschickterweise hat die Firma als Termin einen Donnerstag ausgesucht. Dies stellt die Kollegen vor die Wahl, entweder den Freitag frei zu nehmen und dafür ausgiebig feiern zu können, oder verhalten zu feiern und am Freitag wieder zur Arbeit zu erscheinen. Zu letzterer Gruppe werde ich gehören. Vielleicht kann ich in den nächsten Tage etwas mehr über die Feier berichten.

Die Tage über Weihnachten und bis Neujahr werde ich wieder bei meiner Familie in Deutschland verbringen. Und da in den restlichen Tagen bis zu meinem Abflug für mich noch so einiges ansteht (das Einkaufen von Weihnachtsgeschenken ist da nur ein Punkt), werde ich vermutlich nicht so viel Zeit haben, um längere Artikel für meinen Blog schreiben zu können. Die hektischen Tage vor Weihnachten fordern ihren Tribut.

Montag, 8. Dezember 2008

Back To The Future

Eine Erkältung hat doch auch etwas Gutes: Für den heutigen Montag habe ich mir einen Tag Ruhe verordnet und mich krank gemeldet. Die Zeit habe ich genutzt, um meinen Beitrag über die Phase der englischen Herrschaft in Irland fertig zu stellen (siehe vorheriger Beitrag "The Unruly Colony", heute eingestellt).

Die Zeit habe ich auch genutzt, um mich nach meiner kurzen "Abwesenheit" von der Außenwelt wieder auf den aktuellen Stand zu bringen. Und die Recherchen im Internet haben leider mal wieder keine guten Nachrichten aus und über Irland zu Tage gefördert. Drastischer kann man den Sprung vom Irland der Kolonialzeit zurück zum Irland der Neuzeit kaum machen. Hier eine kurze Auswahl:

* Am Samstag protestierten fast 70.000 Menschen in Dublin gegen die drohenden Kürzungen im Bildungsbereich. In der größten Protestaktion seit dem Irak-Krieg äußerten Lehrer, Eltern und Schüler ihren Unmut über die geplanten Budgetkürzung. Zuvor waren bereits ca. 35.000 in Galway, Cork, Donegal und Tullamore aus dem gleichen Anlass auf die Straße gegangen, womit nun fast 100.000 Menschen gegen die Maßnahmen protestierten. Es wird sich zeigen, wie weit die Regierung dies zur Kenntnis nimmt. Anders als noch bei den Protestkundgebungen gegen die drohende Streichung der Medical Card für Senioren, waren diesmal Politiker der Regierungsparteien der Kundgebung fern geblieben. Zu deutlich hatten sie wohl noch in Erinnerung, wie wenig aussichtsreich ein Versuch geworden wäre, mit den Protestlern zu diskutieren. "The Government have gone into hiding," sagte eine Mutter, "because they are afraid of us."

* Nun hat auch Irland seinen Schweinefleisch-Skandal. Bei Lebensmittelkontrollen wurden vielfach überhöhte Dioxin-Werte festgestellt. Irland startete eine Rückrufaktion. Das verseuchte Fleisch war an 21 Länder verkauft worden, auch an Deutschland. Die Lebensmittelhändler wurden aufgerufen, Produkte mit Fleisch irischer Herkunft vorsorglich vom Markt zu nehmen. Quelle der Verunreinigung soll nach ersten Ermittlungen ein Tierfutterhersteller aus dem Südosten Irlands sein. Die irischen Lebensmittelhändler konnten am Wochenende mal eben Produkte in Millionenhöhe abschreiben. Und tausende Schweine müssen in den nächsten Tagen geschlachtet werden. Nicht gerade die beste Werbung für Irland.

* Eine Meldung zur Wirtschaft: Bis zu 1.300 Polen verlassen nach Schätzungen derzeit jede Woche Irland für immer. Dies gab die Recruiting Agency CPL bekannt. Es wird erwartet, dass ungefähr ein Drittel der ca. 200.000 in Irland lebenden Polen planen, im nächsten Jahr nach Polen zurück zu kehren, weitere 13% werden im Verlauf der nächsten zwei Jahre folgen. Hauptgrund für die Abwanderung ist die lahmende Wirtschaft in Irland und die andererseits deutlich aufstrebende Wirtschaft in Polen.

* Am Sonntag zeigte sich Dublin, genauer Dublin-Nord, leider auch wieder von seiner üblen Seite. Jugendliche hatten einen 50-jährigen Mann erschossen. Zuvor hatten sie sein Haus mit Eiern und Steinen beworfen. Als der Mann den Jugendlichen nachsetzte, um sie zur Rechenschaft zu ziehen, schossen sie mit einer Handfeuerwaffe auf ihn. Eine Kugel traf den Mann tödlich.

Der 50-Jährige, ein selbstständiger Automechaniker, galt als stiller und umgänglicher Nachbar, der in seinem Garten arbeitete und gelegentlich die Fahrräder von Kindern reparierte. Unklar ist noch, warum die Jugendlichen ihn schikanierten, was offensichtlich bereits über einen längeren Zeitraum erfolgte. Die Gegend um die Shelmalier Road nördlich der Docklands, wo der Mann wohnte, gilt als ruhige Wohngegend. Die Ermittlungen laufen noch. Ein 13-jähriger Junge wurde festgenommen, vier weitere Jugendliche werden derzeit verhört. Auch wenn ausgeschlossen wird, dass der Vorfall im Zusammenhang mit den Bandenkriegen im nördichen Dublin steht: Man fragt sich, was für eine Welt das ist?

Die letzte Meldung wirft ein düsteres Licht auf die Zukunft Irlands. Wenn die Rezession länger anhält, wird es besonders die Jugendlichen hart treffen, die heute 13, 14 oder 15 sind. Sie werden weniger Aussichten auf eine Lehrstelle haben. Das Abrutschen in die Kriminalität ist vorprogrammiert. Bereits jetzt sind es diese jugendlichen Kleinkriminellen, meist aus dem Norden von Dublin, vor denen man sich in Acht nehmen sollte. Sie haben gelernt, sich auf der Straße durchzusetzen und haben jeglichen Respekt vor Erwachsenen verloren. Mir selbst ist es einmal passiert, dass, als ich im Bus war (auf einer Route durch einen nördlichen Stadtteil) und auf meinem Handy eine SMS tippte, ein Junge, kaum 10 oder 11 Jahre alt, zu mir kam und rotzfrech verlangte "Hey, give me my mobile!" Schamlos klauen sie, bewerfen Unbescholtene mit Steinen, oder greifen gleich zur Waffe, sei es ein Messer oder gar eine Schusswaffe. Die Polizei ist da völlig machtlos. Dies einmal als warnender Hinweis an alle Touristen.

The Unruly Colony

Nachdem ich bereits über das Vermächtnis der Kelten geschrieben habe, widme ich mich nun einer anderen Phase der irischen Geschichte, die den wohl nachhaltigsten Einfluss auf Irland hatte. Die Rede ist von der Zeit unter englischer Herrschaft. Diese Phase war dadurch geprägt, dass Irland von England als Kolonie betrachtet wurde. Als solche musste Irland klein und unbedeutend gehalten werden, und durfte auf keinen Fall zu einem möglichen wirtschaftlichen oder politischen Gegner Englands heranwachsen. Doch das kleine Irland zeigte sich wenig gefügig.

Über die Anfänge der englischen Herrschaft über Irland, die Zeit der Normannen, habe ich bereits früher berichtet (siehe Beitrag "Trim Castle und die Normannen" vom 24.8.2008). Im Hinblick auf das Kommende lebten Normannen und Iren noch weitgehend friedlich neben- und miteinander. Die englische Krone sah dem Treiben auf der Insel weitgehend machtlos zu. Sie war auf die Loyalität ihrer Vasallen vor Ort angewiesen, um die Herrschaft über Irland zu behaupten. Doch die normannische Obrigkeit vor Ort passte sich lieber der irischen Gelassenheit an und ignorierte Anweisungen aus England. Als in der Folge die irischen Barone wieder mächtiger wurden, sah sich die englische Krone zu härteren Maßnahmen gezwungen.

Als im 16. Jh. in England Heinrich VIII. die Kirche reformierte, hatte dies gewaltige Auswirkungen auf Irland. Während in England die Mehrheit den neuen protestantischen Glauben annahm, blieb Irland katholisch. Fortan geriet es in den Sog der in Europa wütenden Religionskriege. Aufgrund seiner geografischen Nähe zu England wurde Irland wiederholt zum Spielball der europäischen Mächte in deren Kampf gegen England. Der kleine Inselnachbar war eine ständige Bedrohung für England.

Unter Elizabeth I, Heinrichs Tochter, begann die Kolonisierung Irlands, sprich der Enteignung der Iren und Besetzung ihrer Ländereien durch englische und protestantische Siedler. Die Besiedlung Irlands erfolgte über den Nord-Osten, der Provinz Ulster, wodurch der Grundstein für den späteren Nordirland-Konflikt gelegt wurde. Die Besiedlung Irlands stieß natürlich auf den heftigsten Widerstand. Ein Zustand, der über viele Jahrhunderte anhielt.

Englands Problem mit Irland war, dass man es unter allen Umständen halten musste, andererseits aber nicht stark genug war, es vollständig zu unterwerfen. Immer wieder regte sich der Widerstand der Iren, so sehr man ihnen auch zusetzte. Der Earl of Sussex, Gouverneur von Elizabeth I, soll einst gesagt haben: "I have often wished Ireland could be sunk into the sea." Very charming. Zwar gelang es nicht, ein Loch zu graben und Irland einfach zu versenken. Aber auf der Suche nach Alternativen war man ähnlich erfinderisch.

Sehr früh stieß man dabei auf die so wichtige Rolle der Nahrungsmittel als Lebensgrundlage. Als Folge der Rebellion von 1569 töteten englische Truppen wehrlose irische Farmer. "If they are dead", so ihr Argument, "they can't produce food to feed our enemy." Lizzy war's recht. Um 1600 versuchten es die Engländer mit einer anderen Variante: Sie verbrannten die Ernte. "If you can't beat them", so ihr Argument, "starve them". Lizzy war's recht. An dieser Haltung der Engländer änderte sich lange Zeit nichts. Es war daher nicht verwunderlich, dass die englische Regierung mit Gleichgültigkeit (wenn nicht sogar Schadenfreude) auf die große Hungersnot Mitte der 1840er reagierte. Doch darauf komme ich noch zurück.

England musste stets befürchten, dass sein größter Widersacher, das katholische Spanien, Irland als Sprungbrett im Kampf gegen England verwendete. Tatsächlich lud 1580 Irland Spanien ein, in Irland zu landen. Englische Truppen konnten das Gröbste gerade noch verhindern, in dem sie 500 der gelandeten 600 Spanier sofort nach deren Landung niedermetzelten. 1649 schließlich schickte England den berüchtigten Oliver Cromwell. Seine Aufgabe war es, die völlige Kontrolle über eine widerspenstige Kolonie zu erlangen - egal wie. Seine erste Maßnahme war das Niedermetzeln der Bevölkerungen zweier Städte, Wexford und Drogheda. Eine Herrschaft des Grauens begann. Mehr und mehr Städte ergaben sich. Bis 1660 hatte England bereits ca. 80% des Landes in Besitz genommen.

Die Wirren der Religionskriege gipfelten schließlich in der Schlacht an der Boyne (1690), in der die Frage der englischen Thronfolge geklärt wurde. James II, Schotte und Katholik, hatte die Iren aufgerufen, ihn im Kampf gegen die protestantischen Engländer zu unterstützen, die von einem Holländer, William of Orange, angeführt wurden. Unterstützt wurde James von französischen Infanteristen, während William auch über preußische und schweizer Söldner verfügte. Wer da den Durchblick verliert, ist nicht allein. Wie auch immer, die Iren setzten auf das falsche Pferd und verloren. Mit Folgen für Irland. (Obwohl geschlagen, konnte James fliehen und ein "Rückspiel" organisieren. 1691 gab es die Schlacht bei Aughrim, bei der die Iren erneut kräftig einstecken mussten. Danach war erstmal Ruhe.)

Im Treaty von Limerick (1691) wurde den siegreichen Protestanten das Sagen in Irland zugesichert. Für die besiegten Katholiken brachen harte Zeiten an. Diese manifestierten sich vor allem in den sog. "Penal Laws", eine Reihe von Gesetzen, zwischen 1695 und 1729 erlassen, mit denen religiöse, politische und wirtschaftliche Aktivitäten der katholischen Iren stark eingeschränkt wurden. Unter anderem durften diese ihre Religion nicht ausüben, kein Land besitzen, keine Waffen besitzen, nicht wählen, keine politischen Ämter übernehmen, waren von jeglicher Schulausbildung ausgeschlossen, durften nicht Gälisch sprechen, keine irische Musik spielen und nicht die Farbe Grün tragen. Anzumerken ist, dass, obwohl ähnlich drakonische Maßnahmen auch in anderen Teilen Europas verwendet wurden, um religiöse Minderheiten zu unterdrücken, sie in Irland darauf abzielten, den Glauben und die Kultur einer Mehrheit zu unterdrücken.

Irland war nun endgültig besiegt und musste erfahren, was es bedeutete, eine Kolonie Englands zu sein. Noch mehr protestantische Siedler kamen und nahmen noch mehr Land in Besitz. Um 1703 besaßen die katholischen Iren, die etwa 90% der Bevölkerung stellten, nur noch etwa 10% des gesamten Landes.

Doch all die Maßnahmen zur Unterdrückung vermochten nicht, den Geist der Iren zu brechen. Verborgene Versammlungsstätte, an denen die Katholiken ihren Glauben praktizieren konnten, oder die sog. "hedge schools", an denen Lehrer verborgen von den Blicken der englischen Autoritäten ihr Wissen weitergaben, waren feste Bestandteile eines jeden irischen Dorfes auf dem Land. Und während unter König Georg die reichen englischen Grundbesitzer mit Perücken und reichlich Puder herum liefen (und das waren erst die Herren) und Dublin zu einer Stadt feiner als London ausbauten, formierte sich im Land neuer Widerstand.

Als Folge der Rebellion von 1798, und weil das britische Imperium wuchs und wuchs und das "Problem Irland" endlich aus dem Weg schaffen wollte, wurde 1800 mit dem "Act of Union" Irland offiziell dem "United Kingdom of Great Britain and Ireland" einverleibt. Damit sollte allen möglichen Forderungen nach irischer Selbstbestimmung der Wind aus den Segeln genommen werden. Doch die Forderung nach "Home Rule" bestimmte fortan das politische Treiben in Irland. Womit wir im 19. Jahrhundert angelangt sind.

Die folgenden Punkte als Fazit aus Jahrhunderten englischer Kolonialpolitik in Irland sind maßgebend für den weiteren Verlauf der irischen Geschichte:

* Mit den englischen Siedlern kam auch die englische Sprache nach Irland. Englisch löste langsam das bis dahin vorherrschende Gälisch ab.

* Die englischen Kolonialherren veränderten das Bild in der Landwirtschaft: Nicht mehr die Viehhaltung stand im Vordergrund, sondern der Ackerbau. Getreide gehörte zu den wichtigsten Exportgütern. Die irischen Bauern bearbeiteten als Pächter das Land, die Erträge, Getreide und Tierprodukte, wurden zur Zahlung der Pacht an die Grundbesitzer abgeführt.

* Während die englischen Grundbesitzer immer reicher wurden, wurden die irischen Bauern immer ärmer. Ihnen war das Recht auf eigenen Landbesitz verwehrt. Was das von ihnen bestellte Land hergab, mussten sie zum größten Teil abgeben. Die Kartoffel, einfach und billig anzubauen und von wenig Wert für die englischen Grundbesitzer, war ertragreich genug, um eine irische Großfamilie zu ernähren.

* Trotz Unterdrückung und großer Armut wuchs die Bevölkerung auf ca. 8 Mio. im Jahre 1840. 70% der Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft, mit der Kartoffel als Hauptnahrungsquelle und ohne Möglichkeiten, ausreichend Vorräte für harte Zeiten anzulegen. Die Katastrophe war vorprogrammiert....

Sonntag, 7. Dezember 2008

Cold Weekend

Rechtzeitig zum Wochenende hat mich natürlich eine Erkältung heimgesucht. Wie passend. Den Samstag habe ich zu Hause verbracht und das Leben an mir vorüber gehen lassen. Mehr als DVD zu schauen oder ein wenig zu lesen war nicht drin. Die meiste Zeit habe ich eh nur vor mich hin gedöst, da ich die Nacht von Freitag auf Samstag nicht gut geschlafen hatte und entsprechend müde war.

Heute am Sonntag ging es mir ein wenig besser. Und das war auch gut so, denn mir gingen die Vorräte aus. Auf etwas wackeligen Beinen machte ich mich gegen Mittag auf zum Shopping-Zentrum. Zum Glück liegt dieses nur ein paar Gehminuten entfernt, so dass es keine zu anstrengende Aktivität wurde.

Allerdings herrschte im Zentrum das erwartete Treiben der vorweihnachtlichen Zeit. Bereits der Parkplatz war randvoll. Weitere Autos standen bereits Schlange, der Rückstau setzte sich bis weit über den Kreisverkehr fort. Im Shopping-Zentrum überall Weihnachtsdekoration, riesige Glitzerkugeln, die von der Decke baumelten, Tannenbäume mit Schmuck. In einer Ecke des Shopping-Zentrum spielte eine Band Gospel-Songs. Die Helfer mit den Sammelbüchsen mischten sich unter die Zuhörer und schepperten im Rhythmus mit ihren Büchsen.

An der Supermarkt-Kasse Kinder, die beim Einpacken der Waren halfen - natürlich in Erwartung einer kleinen Zugabe für ihre Sammelbüchse. Auch ich war heute in Geberlaune und ließ mein Wechselgeld vom Einkauf in die weiße Kunststoffdose rieseln. Ich lauschte noch ein wenig dem Gesang der Gospel-Band, dann machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause. Wäre ich in etwas besserer Verfassung gewesen, wäre ich sicherlich noch etwas länger geblieben und hätte das weihnachtliche Treiben verfolgt. Aber mehr war an diesem Wochenende für mich leider nicht drin.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Once Again

Anfang des Jahres machte ein irischer Low-Budget-Film von sich reden: Im vergangenen Jahr in nur zwei Wochen abgedreht, mit einem Budget von ca. 100.000 Euro und teilweise auf offener Straße mitten in Dublin, zog der Film die Aufmerksamkeit Hollywoods auf sich - und gewann sogar einen Oscar. Die Rede ist von dem Film "Once".

Für die beiden Hauptdarsteller und Musiker, Glen Hansard und Marketa Irglova, kam die Auszeichnung völlig überraschend. Aber ihr Song "Falling Slowly", der ihnen den Oscar einbrachte, ist wahrlich ein kleines Juwel: Einfach aber wunderschön. Den Song habe ich auf meinem MP3-Spieler, so wie auch die anderen gleichermaßen schönen Lieder aus dem Musikfilm "Once". Unzählige Male habe ich sie mir bereits angehört. Und gestern hatte ich die wunderbare Gelegenheit, sie mir live anzuhören - von Hansard und Marketa persönlich vorgetragen.

Nach der Auszeichnung mit einem Oscar wurde es in ihrem Leben hektisch. Die beiden gingen auf eine lange Tournee durch Amerika und Europa. Für den Abschluss kamen sie nach Dublin. Im Olympia-Theater traten die beiden auf, unterstützt durch vier Musiker der irischen Pop-Gruppe "The Frames". Und diese Gelegenheit, die Musiker mal live zu erleben, habe ich mir nicht entgehen lassen.

Im Vorprogramm trat eine junge Musikerin auf. Mit zwar schöner aber doch auch recht verhaltener und schüchtern wirkender Stimme trug sie ihre Lieder vor. Leider jedoch kam keine richtige Stimmung auf. Und ehrlich gesagt wurden ihre, mit Gitarre und Klavier solo vorgetragenen Lieder recht schnell langweilig. Zu eintönig und immer nach dem gleichen Schema gestrickt waren sie. Die junge Musikerin hat noch einen langen Weg vor sich. Vielleicht ist es bezeichnend, dass ich mir ihren Namen nicht gemerkt habe.

Wie groß war da der Kontrast, als Hansard und Marketa dann endlich auftraten. Hansard ist Ende Dreißig und bereits seit Jahren im Musikgeschäft. Er ist Frontmann der irischen Band "The Frames". Bereits lange vor seinem Erfolg mit dem Film "Once" war er vielen Iren und besonders Dublinern ein Begriff. In jüngerem Alter hatte Hansard unter anderem eine Rolle in dem berühmten Musikfilm "The Commitments" (auf den muss ich unbedingt mal näher eingehen). Die gebürtige Tschechin Marketa Irglova ist eine klassisch ausgebildete Pianistin und Sängerin. Seit Jahren schon treten die beiden gemeinsam auf, und sind auch privat ein Paar.

Und in dem alt-ehrwürdigen Olympia-Theater auf der Dame Street, mitten in Dublin, kam Stimmung auf. Und wie. Bereits als Hansard allein auf die Bühne kam und solo das erste Lied vortrug, sprang der Funke über. Und was er an der Gitarre ablieferte, war mehr als nur beachtlich (mittlerweile kann ich da ein kleines Wörtchen mitreden). Und als dann alle Mitglieder der Band auf der Bühne waren, ging so richtig die Post ab.

Die Gruppe spielte einige der Lieder aus dem Film (natürlich fehlte auch "Falling Slowly" nicht), aber auch andere. Wenn Hansard spielte, war er mit Inbrunst und aus voller Seele dabei. Sein ganzer Körper war Rhythmus, und die (akustische) Gitarre wurde bis zum letzten ausgereizt (sie weist deutliche Nutzungserscheinungen auf). Ich als Gitarren-Anfänger war besonders perplex, zu sehen, wie Hansard mit schnellem Griff die Gitarre nachstimmte - mitten im Lied wohlgemerkt. Auch die anderen Musiker, Bass-Gitarre, elektrische Gitarre, Schlagzeug, ein Violin-Spieler und natürlich Marketa am Piano, waren erste Klasse. Bei zwei Liedern gar tauschten Marketa und Glen zur Überraschung aller die Plätze: Sie sang und spielte Gitarre, er spielte leise Töne auf dem Klavier.

Besonders erfrischend war, wie Hansard das Publikum auf die einzelnen Lieder vorbereitete. Mit umwerfend komischen Erklärungen und bestem irischen Humor brachte er uns nahe, welche generelle Stimmung das nächste Lied zu vermitteln versuchte. Beispiel (ich versuche mal, seine Worte hier einigermaßen wiederzugeben): "Das nächste Lied handelt davon, wenn man eigentlich am Boden zerstört ist, aber doch auch irgendwie erleichtert ist... weil es irgendwie weitergeht... so eine Art Zwischenzustand... so wie bei einem Hangover... nicht so einen der schweren Art, sondern einen bei dem man feststellt 'Ok, ich werd's überleben, ich kann zur Arbeit gehen'..." Oder auch: "Das nächste Lied ist ein Love-Song... ohne jegliche Komplikationen... alle Ampeln auf Grün..."

Auch auf Zurufe aus dem Publikum reagierte Glen mit viel Humor. Bei einem Zwischenruf wurde er auf den Oscar angesprochen ("Show us the Oscar!"). Glen verriet, dass der Oscar zu Hause bei seiner Mutter stehen würde. Und er verriet, dass jemand dem kleinen goldenen Mann eine kleine Wollmütze gestrickt hat, "to make him look more Irish..."

Es war ein rundherum wunderbarer Abend mit tollen Musikern. Mehr als zwei Stunden spielten sie. Es gab auch einige Zugaben, bei denen unter anderem der Violin-Spieler eine sehr schöne Solo-Nummer spielte, und ein Mitglied der Band ein Stück auf einer Ukelele vortrug.

Hansard und Marketa haben in mir einen neuen Fan gefunden. Vielleicht ergibt sich ja mal wieder die Gelegenheit, Glen und Marketa nochmal live zu erleben. Dann kann ich wieder sagen: Once again...

Dienstag, 2. Dezember 2008

Preis-Schlachten

Oha. Die Zeitungen verkünden mal wieder schlechte Nachrichten: Der irischen Wirtschaft geht es erneut noch schlechter als zuvor angenommen - und der Regierung fehlt mehr Geld. Nach Auswertung der November-Zahlen wurde deutlich, dass man bereits jetzt mit 8 Mrd. Euro im Minus liegt. Die Einnahmen aus Steuern waren deutlich geringer, als von der Regierung als Grundlage für den Haushaltsplan 2009 geschätzt. Und schon wird über neue Maßnahmen diskutiert, um dem Abrutsch der Wirtschaft zu entgegnen und mehr Geld in die Regierungs-Kasse zu bringen.

Wenn man diese Tage durch Dublin läuft, fallen einem überall in den Läden die Schilder auf, mit denen für saftige Rabatte geworben wird. 20% oder gar 25% Nachlass heißt es dort. Damit wird versucht, das Weihnachtsgeschäft anzukurbeln. Doch die Menschen sind zurückhaltender geworden. Überall ist der Absatz eingebrochen. Die Rabatt-Schilder machen eher den Eindruck, als ob derzeit in Irland der Räumungsverkauf stattfindet.

Die Regierung ruft auf, mehr Geld in Irland auszugeben. Doch mit Maßnahmen wie der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 21,5% hat sie den Käufern nicht gerade einen Anreiz geschaffen. Anders als in England: Dort wurde vom 1. Dezember an die VAT auf 15% gesenkt. Mit Konsequenzen für Irland. War das Einkaufen hinter der Grenze bereits in der Vergangenheit billiger, lohnt sich der Wochenendeinkauf im Norden nun erst recht. Viele Iren, besonders aus den grenznahen Countys, fahren regelmäßig zum Einkaufen nach Nordirland. Da muss sich die irische Regierung mehr einfallen lassen, als nur an den Patriotismus zu appellieren. Vorerst bleibt den hiesigen Läden nichts anderes übrig, als mit Rabatt-Aktionen auf Kundenfang zu gehen.

Auch die Mieten fallen derzeit kräftig. Inzwischen haben meine Wohngenossin Maria und ich mit unserem Vermieter Kontakt aufgenommen. Grund: Unser Mietvertrag läuft Ende Januar aus. Gelegenheit, die Miete neu zu verhandeln. Und siehe da: Nach heutigem Stand auf dem Wohnungsmarkt würden wir für unser Apartment nur 1.300 Euro Miete zahlen - anstelle von derzeit noch 1.600 Euro. Und bis im Januar oder Februar fallen die Mieten vielleicht sogar noch weiter.

In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten gibt es aber auch Gewinner: Weil derzeit die Menschen weniger ausgehen und mehr zu Hause bleiben, dürften sich Take-Away-Chinesen, Pizza-Deliveries oder auch Video-Verleihe über mehr Aufträge freuen. Und noch jemand freut sich über gestiegene Nachfrage: Die Firma SSL International verzeichnete einen Umsatzanstieg um 10% allein in den vergangenen sechs Monaten. SSL International stellt Kondome der Marke Durex her. Scheinbar haben die Iren in der Rezession die Vorteile eines gemütlichen Abends zu Hause entdeckt...

Montag, 1. Dezember 2008

Nachtrag zum Fall Chris

Es gibt noch einen kleinen Nachtrag zu meinem Fall "Chris": Mein Geld habe ich ja bereits erhalten. Offen geblieben war jedoch, mit welcher Strafe Chris davon kommen würde. Dies wurde in einer Gerichtssitzung Ende November entschieden, bei der ich aber nicht dabei sein musste. Letzte Woche nun rief mich Ken, der für den Fall zuständige Garda, an, um mir die Entscheidung mitzuteilen.

Das Gericht hatte entschieden, dass Chris 100 Stunden Sozialdienst ableisten muss, und zusätzlich 200 Euro Wiedergutmachung an mich zahlen muss. Dafür aber kommt er ohne Eintrag ins Strafregister oder gar Gefängnis davon.

Na, damit kann ich gut leben. Zumal der überraschende Geldregen goldrichtig zum Weihnachtsgeschäft kommt. 200 Euro sind mehr als ich an Zinsen bekommen hätte, hätte ich das Geld auf einem Sparbuch geparkt. Und hätte ich es in Aktien investiert, wäre heute wohl nichts mehr von dem Geld übrig...

Am vergangenen Samstag nun traf ich mich zum wahrscheinlich endgültig letzten Mal mit Ken, um von ihm das Geld in Empfang zu nehmen. Es passte, dass er an dem Vormittag im Stadtzentrum Dienst tat, und mich mal eben auf offener Straße treffen konnte. Als Treffpunkt hatten wir der Einfachheit halber den Spire ausgemacht, jenem unübersehbaren Monument im Zentrum von Dublin. Und von den zahlreichen Touristen und anderen Passanten um uns herum völlig unbemerkt, wechselten mal eben 200 Euro in bar von einer Hand in die andere. Wir konnten ein Schmunzeln nicht unterdrücken. "This looks a bit dodgy" bemerkte Ken. Und recht hatte er. Gewöhnlich treffen sich an der Spire auch andere Gestalten, um weniger legale Tauschhandel abzuwickeln

Ich nutzte die Gelegenheit, um mich bei Ken mit einem kleinen Geschenk bei ihm zu bedanken: Einer Schachtel Pralinen. Eigentlich dürfen Polizisten ja keine Geschenke annehmen, aber für eine Schachtel Pralinen kann man ja eine Ausnahme machen. Ken jedenfalls war freudig überrascht und nahm die Pralinen dankend an. Ich wünschte ihm noch alles Gute und ein frohes Fest, dann verschwand er mit der Tüte und den Pralinen in der Menschenmenge. Ein Detective in Dublin.