Freitag, 6. November 2009

Schwer beeindruckend

Ein dickes Bonbon aus der Woche habe ich noch, danke meiner zuverlässigen Quelle. Am Montag besuchte die irische Gesundheitsministerin Mary Harney das kleine orthopädische Krankenhaus Cappagh im Norden von Dublin, um dort eine neue Krankenstation einzuweihen. Zwar ist die Station bereits seit Monaten betriebsbereit, doch erlaubte der Terminkalender von Mary Harney keinen früheren Besuch. Machte aber auch nichts, denn mangels Personal kann die schöne neue Station immer noch mit unbenutzten Betten aufwarten. Obwohl sich daran in absehbarer Zeit auch nichts ändern wird, wurde die Station trotzdem jetzt offiziell eröffnet. Für den feierlichen Akt wurde dann doch mal das Licht angemacht und eilig ein paar Patienten von den anderen Stationen rübergerollt. Der ganz normale Wahnsinn im irischen Gesundheitssystem.

Mary Harney wird derzeit arg gebeutelt. Nicht nur laufen ihr die Kosten aus dem Ruder und steht das irische Gesundheitssystem vor dem Kollaps. Sie muss sich auch noch mit der berechtigten Frage beschäftigen, warum denn bei einem Spaßtrip ihres Mannes nach Las Vegas der Regierungsflieger zum Einsatz kam. Wenn man von allen Seiten derart viel Druck ausgesetzt ist, hilft es, wenn man die Figur eines Sumo-Ringers hat, damit einen nichts so leicht aus der Bahn wirft.

Anyway, für die Angestellten des Krankenhauses ergab sich am Montag die Gelegenheit, ihre oberste Chefin mal aus nächster Nähe betrachten zu können. Der Besuch war nur kurz. Man sah Mary Harney an, dass sie eigentlich keine große Lust hatte. Die Frau lächelte nicht ein einziges Mal und präsentierte sich mit einem schlaffen und verschwitzten Händedruck. Beim Smalltalk mit dem niederen Volk hielt sie sich bevorzugt an die kleinen philippinischen Krankenschwestern - von denen brauchte sie nicht zu befürchten, kritische Fragen gestellt oder gar die Meinung gesagt zu bekommen.

Es wurde auch über die Schweinegrippe gesprochen. Die Frage, ob impfen oder nicht, wurde gestreift. Mary Harney betonte, dass auch sie sich impfen lassen würde, wenn sie denn akut gefährdet wäre. Zu den Risikogruppen zählen Personen mit Grunderkrankungen und generell geschwächtem Immunsystem, z. B. Personen über 65, Kinder unter 5, Personen mit Asthma, Diabetiker, Schwangere, stark übergewichtige Menschen und Beschäftigte im Gesundheitswesen. Aber zu diesem Personenkreis würde sie, Mary Harney, ja nicht zählen. Da zeigt sich mal wieder, welch stark verzerrte Selbstwahrnehmung manche Politiker haben...