Mittwoch, 30. Juni 2010

Ancient Stones, Mysterious Tombs

Letzten Sonntag ging es nach langer Zeit mal wieder auf Erkundungsfahrt. Das Wetter war einfach zu gut, um den Tag in der Hütte zu verbringen. Kurzentschlossen fuhren wir zu den Megalith-Grabanlagen von Newgrange und Knowth. Obwohl sie quasi vor der Haustür liegen, habe ich es bislang nie einrichten können, sie zu besuchen. Nun aber konnte ich endlich auch diese beiden Sehenswürdigkeiten auf meiner Liste abhaken, und es schloss sich für mich ein weiterer Kreis.

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"A circled tomb of a different age
Secret lines carved on ancient stone.
Heroic kings laid down to rest
Forgotten is the race that no-one knows.

Wait for the sun on a winter’s day
And a beam of light shines across the floor.
Mysterious ring, a magical ring.
But forgotten is the race that no-one knows."

(aus: "Newgrange" von Clannad)

Riesige Steinblöcke mit rätselhaften Symbolen, überwucherte Hügelgräber, Grabkammern, die an bestimmten Tagen im Jahr von Sonnenlicht geflutet werden, Steinkreise älter als die Pyramiden - wohl kaum ein anderer Ort regt derart die Fantasie an, wie der ausgedehnte Komplex prähistorischer Hügelgräber am Ufer des Flusses Boyne nördlich von Dublin. Dominiert wird diese riesige neolithische Totenstadt von den drei großen Hügelgräbern von Newgrange, Knowth und Dowth. Sie verkörpern das "magische Irland", für das jedes Jahr Tausende von Touristen aus aller Welt anreisen.

Ein Besuch von Newgrange und Knowth beginnt weniger magisch mit dem Lösen einer Eintrittskarte. Diese erhält man im modernen Besucherzentrum, das in einiger Entfernung von den beiden Anlagen an einer Biegung des Flusses Boyne errichtet wurde. Die Führungen sind recht gut organisiert. Pendelbusse bringen einen zu den Anlagen, wo bereits Führer warten. Vor Ort verbringt man jeweils etwa eine Stunde, wovon etwas mehr als die Hälfte auf die Führungen entfällt. Die restliche Zeit bis zur Rückfahrt des Busses kann man für die eigene Erkundung und zum Fotografieren nutzen.


Knowth entstand vermutlich zur gleichen Zeit wie Newgrange, etwa um 3.200 v. Chr. Knowth ist weniger bekannt als Newgrange, obwohl es Newgrange in Größe und Bedeutung der Entdeckungen übertrifft. Im Gegensatz zu Newgrange liegen unter dem großen Hügel von Knowth zwei Grabkammern. Allerdings sind diese nicht der Öffentlichkeit zugänglich, was einen Besuch von Knowth etwas weniger spektakulär erscheinen lässt. Dennoch gibt es viel zu sehen. Der Haupthügel ist von siebzehn kleineren, so genannten Satellitengräbern umgeben. Über die Jahrtausende war Knowth wiederholt in Verwendung. Besiedlungen während der Bronzezeit (um 1800 v. Chr.), der Eisenzeit (um 500 v. Chr.), in frühchristlichen Zeiten bis hin in die Zeit der normannischen Eroberer haben ihre Spuren hinterlassen. Knowth hat somit eigentlich wesentlich mehr zu erzählen als Newgrange.


Trotzdem ist Newgrange das wohl berühmteste Hügelgrab Europas, vielleicht weil es etwas fotogener ist. Kaum ein Irland-Bildband kommt ohne ein Foto dieses magischen Ortes aus. In Sachen Wiedererkennungswert dürfte Newgrange gleichauf mit dem englischen Stonehenge liegen, übertrifft dessen Alter aber um nochmals eintausend Jahre. Newgrange präsentiert sich in exponierter Lage auf einer Anhöhe. Von weitem erinnert es an ein gelandetes UFO. Auffälligstes Merkmal ist die strahlend weiße Außenfassade aus Quartzstein. Sie ist das Ergebnis eines Versuchs aus den 1970ern, Newgrange so zu rekonstruieren, wie es sich vor fünftausend Jahren den Menschen präsentiert haben mag. Über das Ergebnis streiten sich allerdings seit Jahren die Gelehrten. Auch der großzügig gestaltete Eingangsbereich ist keine Original-Rekonstruktion, sondern ein Zugeständnis an den erwarteten Besucherstrom.

Im Rahmen der Führung gelangt man tatsächlich in das Innere des Grabhügels. Ein etwa achtzehn Meter langer und fast durchgehend nur schulterbreiter Gang führt zu der kreuzförmigen Grabkammer. Die Kammer ist gerade so groß, dass in ihr etwa zwanzig Personen.zwar dicht gedrängt, dank des hohen Gewölbes aber bequem aufrecht stehen können. In der Kammer wurden Reste verbrannter Knochen und Grabbeigaben gefunden. Dies lässt darauf schließen, dass die Anlage für Bestattungen genutzt wurde. Aber was genau in der Kammer aufbewahrt wurde, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben. Über die Jahrhunderte haben Abenteurer, Schatzsucher und Hobby-Archäologen das Grab kräftig geplündert und dabei auch manches beschädigt. Die kunstvollen Wandverzierungen mit Spiralen, Schlangenlinien und Rauten lassen nur erahnen, welche Bedeutung dieser Ort einst für die Erbauer gehabt haben muss.

Das wohl bemerkenswerteste Kennzeichen von Newgrange ist seine besondere Ausrichtung nach Südosten. Der Gang zeigt genau auf den Punkt am Horizont, an dem zur Winter-Sonnenwende die Sonne aufgeht. An den Tagen um den 21. Dezember dringt morgens durch eine kleine Öffnung über dem Eingang ein Lichtstrahl, der für etwa fünfzehn Minuten den Gang und die Grabkammer erleuchtet. Für die Menschen vor fünftausend Jahren markierte dieses Ereignis das Ende der dunklen Zeit und den Anbruch eines neuen Zyklus. Heute ist es ein mystisches Schauspiel, das viele gerne einmal live in der Kammer verfolgen möchten. Die Glücklichen werden jedes Jahr per Los ermittelt. Alle anderen Besucher müssen sich mit einer Simulation des Ereignisses mittels Lampen begnügen.

War Newgrange eine Art Tempel, in dem sich am kürzesten Tag des Jahres der Sonnengott nach langer Abwesenheit mit einem Fingerzeig zurückmeldete? Und wer waren die Erbauer, die diesen Sonnengott huldigten?

Im Besucherzentrum versucht eine Ausstellung, etwas Licht auf die Epoche von Newgrange, Knowth & Co. zu werfen. Gezeigt wird, wie die Menschen der Neusteinzeit gelebt haben, welche Kleidung sie trugen, welche Werkzeuge und Waffen sie verwendeten und wie sie ihre Toten bestatteten. Ein Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit den Steinzeichnungen und den Kunstgegenständen, die in den Anlagen gefunden wurden. Ein anderer Abschnitt geht der Frage nach, wie die Anlagen gebaut wurden, welche Werkzeuge dabei verwendet wurden und woher die Steine kamen.

So anschaulich die Ausstellung ist, letztlich kann auch sie nicht alle Fragen beantworten. Wer wurde in den Anlagen bestattet? Welche Rituale wurden dort zelebriert? Was bedeuten die Steinzeichnungen? Die Steine schweigen geheimnisvoll und lassen Raum für Fantasie und Spekulation. In der dunklen Grabkammer von Newgrange zu stehen, an der gleichen Stelle, an der fünftausend Jahre zuvor Priester und Schamanen ihre Rituale vollzogen, ist zweifelsohne eine mystische Erfahrung. Es ist, als ob sich eine Tür in die Vergangenheit öffnet. Kein Wunder also, dass jedes Jahr Tausende Touristen nach Newgrange kommen, auf der Suche nach dem "magischen Irland".

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Interessant ist auch ein Tagestrip von Dublin nach Loughcrew. Hier sind auf einem Hügel mehrere Ganggräber und ein Grab ist sehr gut erhalten. Ich war vor 2 Jahren im Sommer da. Vor dem Grab saß eine Dame und händigte jedem Besucher eine Taschenlampe aus. Damit durfte man allein in die Grabkammer klettern und sich alles in Ruhe anschauen - wie in Newgrange gibt es hier wunderschöne Steingravuren. Eine kurze kostenlose Führung gab es auch. Im Winter kann man wohl die Schlüssel für den Grabzugang in einem Coffeeshop am Fuße des Hügels abholen. Ob das immernoch so ist weiß ich allerdings nicht.

viele Grüße aus München
Susanne

Nobody hat gesagt…

Hallo Susanne, vielen Dank für den Hinweis. Loughcrew habe ich 2008 besucht, habe dem Besuch allerdings keinen eigenen Bericht gewidmet. Siehe auch hier: Besuch der Eltern (Teil 3). Aber ich habe vor, demnächst noch einmal hinzufahren. In der Tat liegt es nicht weit von Dublin entfernt und ist ein sehr angenehmer Ort für einen spontanen Ausflug.
Lieben Gruß aus Dublin