Wenn Sie demnächst mal wieder in Dublin sein sollten, besuchen Sie doch mal die Pinguine im Zoo. Wenn Sie die putzigen Tiere so sehen, wie sie etwas unbeholfen daher watscheln, würden Sie da vermuten, dass die unscheinbaren Pinguine in Wahrheit das Herz von Dublin hüten?Jetzt fragen Sie sicherlich, was es mit dem Herz von Dublin auf sich hat. Touristen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, wissen, dass der Name "Dublin" vom alten irischen "Dubh Linn" herstammt. Übersetzt bedeutet es "Schwarzer Tümpel". Diesen Namen gaben die Wikinger ihrer kleinen Siedlung, die sie um 840 n. Chr. am südlichen Ufer der Liffey gründeten. Herzstück dieser Siedlung war also ein "schwarzer Tümpel", um den herum sich die spätere Stadt entwickelte. Die Anglo-Normannen setzten an die Stelle des Wikinger-Dorfes eine Burg und nannten das Ganze der Einfachheit halber "Dublin".
Wo genau aber liegt oder lag dieser Tümpel? Glaubt man "Discover Ireland", der Internet-Seite von Irland-Touristik-Vermarkter "Fáilte Ireland", plantschen heute die Pinguine im Zoo in eben diesem Tümpel, dem Herzstück von Dublin:
"Did you know? Dublin was originally called Dubh Linn meaning Black Pool. The original pool is the oldest known in Northern Europe and now forms the centerpiece of the penguin enclosure at Dublin Zoo."Womit wir bei unserer Ausgangsfrage angelangt sind. Die Pinguine sind also die Hüter des Herzens von Dublin.
Oder vielleicht doch nicht? Schaut man sich das Stadtbild von Dublin an, traut man der Theorie von Fáilte Ireland nicht so recht. Denn der Tümpel für die Pinguine ist mehr als zwei Kilometer von der Region entfernt, die man auch ohne große Fachkenntnisse als alten Kern der Stadt Dublin ausmachen kann.
Wesentlich einleuchtender ist deshalb die Theorie, dass besagter "Black Pool" ungefähr dort lag, wo heute Castle Garden und die Chester Beatty Library sind, nahe der Christchurch und dem heutigen Wood Quay, auch wenn heute dort kein Tümpel mehr zu sehen ist. Der ursprüngliche "schwarze Tümpel" war ein natürliches Becken in einem Ausläufer der Liffey, in dem die Wikinger bequem ihre Boote festmachen konnten. Als Dublin im Laufe der Zeit mehr und mehr wuchs, verschwand dieses kleine Hafenbecken im wahrsten Sinne des Wortes unter der Stadt und geriet alsbald in Vergessenheit.
Aber die Wikinger waren nicht die einzigen, die sich am Ufer der Liffey dauerhaft niederliessen. Der heute gebräuchliche irische Name für Dublin, "Baile Átha Cliath", bedeutet übersetzt "Stadt an der Hürdenfurt". So hieß ursprünglich eine kleine Fischer-Siedlung, die um 988 gegründet wurde, und zwar in der Region um die heutige Church Street/Father Mathew Bridge, auf der nördlichen Seite der Liffey gegenüber von der Wikinger-Siedlung Dubh Linn, und damit ebenfalls weit entfernt vom heutigen Gehege der Pinguine.
Pech also für die putzigen Pinguine im Zoo von Dublin. Sie sind nicht die Hüter des Herzens von Dublin. Aber es gibt eine andere Eigenschaft, die sie mit Dublin verbindet: Sehen sie, wenn sie auf dem Rücken liegen, nicht aus, wie ein verschüttetes Pint of Guinness? Damit liegen sie garantiert in den Herzen der Dubliner.
2 Kommentare:
Es ist immer wieder unterhaltsam und informativ, deinen blog zu lesen. Danke auch für die Kontinuität deiner 'Arbeit' (hoffentlich mehr Vergnügen als Arbeit). Ich freue mich immer, hier vorbei zu schauen.
B. aus Wien
Danke schön! Ich werde mich bemühen, weiterhin interessante Artikel zu bringen.
Schönen Gruß aus Dublin
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