Donnerstag, 21. Oktober 2010

Müde Knochen

Keine Sorge, ich war nicht wieder in irgendwelchen Katakomben unterwegs und habe alte Knochen umgedreht. Nein, nach langer Zeit habe ich mal wieder meine eigenen Knochen kräftig bewegt. Und nun jammere und stöhne ich angesichts der Folgen.

Eine Sache in Irland, die ich bislang aus Deutschland vermisste, war eine preisgünstige Möglichkeit, Sport zu treiben, am besten über einen Verein. Nicht dass es in Irland überhaupt keine Möglichkeiten gäbe, Sport zu treiben. Schließlich sind die Iren geradezu sportfanatisch und ein Großteil übt auch selbst aktiv eine Sportart aus, nicht zuletzt in den vielen Vereinen, die der GAA angeschlossen sind. Auch gibt es ein recht großes Angebot an privaten Fitness-Studios.

Doch in den Vereinen der GAA ist das Angebot leider auf die gälischen Sportarten Football und Hurling beschränkt (nicht dass es mich nicht reizen würde, einmal einen Hurlingschläger in die Hand zu nehmen). Und die privaten Fitness-Zentren verlangen meist eine Jahres-Mitgliedschaft, die nicht gerade billig ist.

In Irland fremd zu sein scheint das in Deutschland so gepflegte Konzept der Sportvereine, die üblicherweise in Sporthallen von Schulen trainieren und mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Der Nachteil der festen Trainingszeiten (aufgrund der Hallenzuteilung) wird durch vergleichsweise niedrige Jahresbeiträge wettgemacht, da öffentliche Einrichtungen genutzt werden.

In Deutschland habe ich jahrelang in Vereinen Badminton gespielt. Meine Suche nach einem vergleichbaren Verein hier in Irland gestaltete sich bislang als sehr schwierig. Entsprechende Sportgruppen gibt es zwar einige. Doch sind diese entweder zu weit vom Wohnort entfernt, treffen sich zu unmöglichen Zeiten oder verlangen exorbitante Mitgliedsbeiträge (u. a. weil private Einrichtungen genutzt werden). Die Folge: Schweren Herzens verzichtete ich auf Sport. In letzter Zeit jedoch fehlte mir mehr und mehr der körperliche Ausgleich zu meiner sitzenden Tätigkeit in einem Büro.

Es musste etwas geschehen. Zufällig stieß ich neulich (genauer gesagt auf der Rückfahrt von unserem jüngsten Ausflug nach Howth) auf ein attraktives Angebot. Ein Badminton-Verein fast nach dem oben angesprochenen Schema, auch wenn er in einem privaten Sport-Zentrum beheimatet ist und die Plätze gemietet werden müssen (allerdings zu Sonderkonditionen). Aber ansonsten einem gewöhnlichen Verein vergleichbar, einschließlich des sozialen Aspekts, der in einem privaten Fitness-Studio ja fast gänzlich fehlt. Hinzu kommt, dass der Verein in vertretbarer Nähe zu unserem Wohnort liegt (nur zwanzig Minuten mit dem Auto) und sich die Trainingszeiten recht gut in die Arbeitstage integrieren lassen.

Alles passte. Ich beschloss, mir die Sache näher anzusehen. Und siehe da: Nach etwas mehr als drei Jahren Spielpause stand ich letzte Woche hier in Irland zum ersten Mal wieder auf einem Badmintonplatz. Auch wenn ich an den Tagen danach von einem tierischen Muskelkater heimgesucht wurde: Es hat reichlich Spaß gemacht. Nicht nur wird es meinem körperlichen Wohlbefinden gut tun, Sport ist bekanntlich der ideale Weg, um Stress abzubauen. Der Gang zum Sportverein zweimal die Woche soll künftig fester Bestandteil meines Wochenplans sein. Auch wenn es bedeutet, dass ich vielleicht etwas weniger Zeit für meinen Blog haben werde.

Interessant bei der Sache ist, dass ich einen weiteren Schritt unternommen habe, mein Leben hier in Irland zu normalisieren, bzw. dem anzupassen, das ich von Deutschland her gewohnt war. Und so langsam relativiert sich das Bild vom Leben in Irland auch etwas. Es ist mehr möglich und vorhanden, als man auf den ersten Blick vermutet, zumindest in einer großen Stadt wie Dublin. Man muss nur Geduld haben und sich vor allem gut umschauen.

Foto: Wikimedia Commons