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| Englisch und Irisch: In Irland müssen offizielle Schilder nach wie vor in beiden Sprachen verfasst sein. Die irische Übersetzung findet aber allenfalls nur bei Touristen Interesse. |
Nach wie vor ist Irisch die erste Amtssprache in Irland. Im Alltag freilich sieht und hört man davon recht wenig - wenn man sich nicht gerade in einer der Gaeltacht-Gegenden Irlands aufhält oder eines der wenigen Radio- oder Fernsehprogramme einschaltet, die noch in irischer Sprache produziert werden. Nicht wenige Iren jubelten zunächst begeistert, als Barack Obama ihnen sein "Is féidir linn!” als Mantra auftrug, um aber gleich anschließend zu fragen: Was hat er gesagt? Zum Glück lieferte Obama selbst die Übersetzung: Yes, we can!
Und, können es die Iren? Bei der Volkszählung 2011 gaben 1,77 Millionen an, Irisch sprechen zu können. Das klingt nach viel. Immerhin grob ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Allerdings ließ die Frage "Do you speak Irish?" nur die Antwortmöglichkeiten "Yes" und "No" zu, und überließ es jedem selbst, sich ein Zeugnis auszustellen, ob er oder sie Irisch sprechen kann oder nicht. Bekannt wurde nur, dass 110.000 Irisch zumindest wöchentlich sprechen und 613.000 es nur gelegentlich anwenden. Nur jeder Vierte gab von sich aus zu, überhaupt kein Irisch sprechen zu können.
Wie also steht es wirklich um die Sprache Irisch? Nicht gut, wenn man der Einschätzung der UNESCO glaubt. Bei der UNESCO hat man sein eigenes Schema zur Beurteilung, ob eine Sprache bedroht ist. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob Kinder eine Sprache noch als Muttersprache erlerne, diese auch in der Familie regelmäßig angewendet und sogar von einer Generation zur anderen weitergegeben wird. Akut bedroht ist eine Sprache zum Beispiel dann, wenn nur noch die Großeltern sie wirklich sprechen, die Enkelkinder aber schon nicht mehr.
UNESCO: Irisch "definitiv bedroht"
Und siehe da: Die UNESCO führt Irisch in der Liste der bedrohten Sprachen mit der Einstufung "definitiv bedroht" (auf der Skala entspricht das Stufe zwei von fünf, wobei Stufe fünf "ausgestorben" bedeutet). Das heißt, die überwiegende Mehrzahl der Kinder in Irland erlernt Irisch schon nicht mehr als Muttersprache. Lediglich der Lehrplan in den Schulen sorgt dafür, dass sich die Kinder zumindest noch ein wenig mit der Sprache beschäftigen müssen. Allerdings sehnen die meisten Schüler den Tag herbei, an dem sie nach Abschluss ihre Irischbücher mit den antiquierten Texten endlich ins Altpapier geben können und nichts mehr mit Irisch zu tun haben müssen.
Die Folge: Die UNESCO schätzt, dass es tatsächlich nur noch 44.000 Menschen gibt, die Irisch aktiv sprechen. Das sind deutlich weniger als die 1,77 Millionen aus der Volkszählung. Aber da ging es ja mehr oder weniger nur darum, wer noch ein paar Worte Irisch zustande bringt.
Es sieht also nicht sehr gut aus für das Irische, aller Bemühungen und Förderprogramme zum Trotz. Nach Einschätzung von Experten wird bis zum Jahr 2100 nur die Hälfte aller derzeit weltweit gesprochenen Sprachen überleben. Irisch wird sehr wahrscheinlich nicht dazu gehören.
Aber vielleicht ist noch nicht alles verloren. Internet-Gigant Google startete letzte Woche ein interessantes Projekt, mit dem die 3.000 bedrohten Sprachen vor dem Aussterben bewahrt werden sollen. Hierzu werden Audiodateien mit Sprachbeispielen hochgeladen, elektronisch konserviert gewissermaßen.
Sicherlich ein gut gemeintes Projekt. Sprachforscher werden ihre Freude haben. Das Anhören der einzelnen Sprachkonserven ist auch durchaus interessant. Um eine Sprache wirklich am Leben zu erhalten, braucht es aber doch einiges mehr. Vor allem ein Mehr an Sprechern, die die Sprache auch wirklich aktiv anwenden und so ganz automatisch weitergeben, auch von Generation zu Generation. Aber genau hieran mangelt es der irischen Sprache. Und solange Irisch als Qualifikation bei der Bewerbung auf eine Stelle in England, Amerika oder Australien wenig Eindruck macht, wird sich daran auch nichts ändern.
Nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums 2100 sieht es also übel aus für die Sprache Irisch.


Kommentare:
Es ist schade, dass so eine schöne und interessante Sprache kurz davor ist, von der Bildfläche zu verschwinden
Stimmt, es ist sicherlich schade. Aber es gilt: Was man nicht anwendet, geht irgendwann verloren. Irisch bietet für die Mehrheit der Bevölkerung in Irland keinen sinnvollen Nutzen mehr. Es gibt keinen wirklichen Anreiz, die Sprache zu pflegen.
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