Trim Castle, Co. Meath
Leben in Irland, früher und heute, Geschichten, Historisches und Alltägliches. Internet-Tagebuch von einem, der auszog, einen Lebensabschnitt in Irland zu verbringen.
Samstag, 25. August 2012
Pausenfüller: Trim Castle
Der Autor dieses Blogs weilt derzeit im Urlaub. Der Blog macht deshalb
eine kurze Pause. Nach dem 1. September geht es hier wieder weiter.
Sonntag, 12. August 2012
Pausenfüller
Der Autor dieses Blogs weilt derzeit im Urlaub. Der Blog macht deshalb eine kurze Pause. Nach dem 1. September geht es hier wieder weiter.
Samstag, 11. August 2012
Von Castletown House, William Connolly und "the Old Boy"
Auf unserer Rückfahrt von Westport nach Dublin legten wir einen kurzen Zwischenstopp im kleinen Celbridge in der Grafschaft Kildare ein. Das Örtchen Celbridge liegt nur wenige Autominuten vor Dublin. Das Objekt unseres Interesses: Castletown House.
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| Castletown House bei Celbridge, Co. Kildare |
Castletown House ist eines der schönsten und größten Exemplare eines Herrenhauses aus dem 18. Jahrhundert. Es vermittelt einen wunderbaren Einblick in die Wohnkultur der damaligen Superreichen. Das Prachthaus ist nicht nur vorbildlich erhalten, fast alle Einrichtungsgegenstände stammen aus der Zeit, sind sogar Originale oder wurden originalgetreu restauriert. Nicht umsonst ist Castletown House das Vorzeigeobjekt der Irish Georgian Society, die dort auch ihren Sitz hat.
Erbaut von 1722 bis 1732 für den Parlamentsabgeordneten William Connolly (1662 - 1729), erhielt das Prachtanwesen im palladianischen Stil allerdings erst durch Lady Louisa Lennox (1743 - 1821), der Frau von William Connollys Groß-Neffen, seine endgültige, mit allen künstlerischen Finessen versehene Innengestaltung. Auf einer Führung kann man sich selbst von dem verbauten Luxus überzeugen:
Aufwändige Stuckarbeiten, eine geschwungene Treppe, Marmorbüsten, alte Teppiche, große Gemälde, Schreibtische aus Mahagoni, prunkvolle Wandverzierungen, prächtige Kronleuchter und dergleichen mehr. Ein kleines Kuriosum ist der sog. Print Room: Dort ließ Lady Louisa italienische Stiche direkt auf die Wände kleben und mit Bordüren verzieren. Zwar sind die Wände inzwischen etwas vergilbt (weil der Raum zwischenzeitlich als Billard-Spielzimmer verwendet wurde und die Herrschaften darin rauchen durften), aber Lady Louisas Originalstiche kleben noch heute.
Auf William Connolly stößt man übrigens häufiger, wenn man Irland bereist und sich alte Herrenhäuser aus dem 18. Jahrhundert anschaut. Ihm gehörte so ziemlich alles in Irland irgendwann einmal (auch Rathfarnham Castle in Dublin gehörte ihm zwischenzeitlich, obwohl er selbst dort nie wohnte). Connolly war seinerzeit der reichste Mann Irlands. Sein Jahreseinkommen betrug damals unvorstellbare 25.000 Pfund (zum Vergleich: Seine persönlichen Diener erhielten gerade mal 13 Pfund im Jahr, ein Küchenmädchen gar nur 3 Pfund). Er gehörte zu jenen geschäftlich erfolgreichen Privatleuten, die in Sachen Reichtum den Aristokraten locker den Rang abliefen.
Aus niederen Verhältnissen stammend, hatte er es durch günstiges Heiraten und geschicktes Investieren von Geld (speziell über den Handel mit Ländereien) in der Gesellschaft bis nach ganz oben geschafft. Dabei zierte er sich nicht, seinen angehäuften Reichtum offen zur Schau zu stellen, z. B. mit Prachtbauten wie Castletown. In seinem Nachlass hinterließ er 1.000 Pfund speziell für seine Beerdigung, damit er in Prunk und Ehren bestattet werden konnte.
Kein Wunder, dass über ihn allerlei Geschichten erzählt wurden, die eine merkwürdiger und unglaublicher klingend als die andere. Eine überlieferte Geschichte handelt davon, wie es William Connolly sogar mit dem Teufel aufnahm (wobei offen bleibt, ob nicht Connolly selbst die Geschichte in Umlauf gebracht hat):
Eines Morgens brach William Connolly mit seinen Gefolgsleuten zur Fuchsjagd auf. Connolly war guter Dinge. "Wenn es sein muss, reite ich sogar gegen den Teufel, um als Erster den Fuchs zu erreichen", ließ er die Jagdgesellschaft wissen.
Den ganzen Tag über lief die Jagd den Fuchs, quer über alle Felder und durch alle Wälder rund um Castletown. Connolly ritt stets an der Spitze der Gesellschaft, den Spürhunden immer dicht auf den Fersen. Dabei bemerkte Connolly einen fremden Reiter in dunkler Kleidung, der ständig in seiner Nähe ritt. Egal wie schnell Connolly auch ritt, er konnte seinen Konkurrenten nicht abschütteln.
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| Als der Teufel Castletown House besuchte, brach die Hölle los ... |
Schließlich stellten die Spürhunde den Fuchs. Connolly und der fremde Reiter waren als Erste beim Fuchs. Connolly blickte seinen Mitstreiter an, der so hervorragend an seiner Seite geritten war, und schlug vor, das Los entscheiden zu lassen, welcher von ihnen die Beute erhalten würde. Doch der fremde Reiter lehnte höflich ab und überließ Connolly die Jagdtrophäe. Beeindruckt ob dieser Großzügigkeit lud Connolly den Jagdgefährten zu sich nach Castletown ein.
Dort bewirtete er den Fremden mit allen Kostbarkeiten, mit denen seine Küche aufwarten konnte. Anschließend spielten die beiden Karten. Sie hatten bereits eine ganze Weile gespielt, als Connolly eine Karte entglitt und auf den Boden fiel. Als er sich bückte, um sie aufzuheben, bemerkte er, dass sein Spielpartner einen Pferdefuß hatte.
Zu sagen, dass in jenem Moment die Hölle losbrach, wäre nicht nur angemessen, sondern sogar zutreffend. Der Himmel über Castletown verfinsterte sich, eine Herde grauer Kühe umgab das Schloss, so dass es dem Personal grauste und sich niemand vor die Tür wagte. Connolly drohte dem Teufel, einen Priester zu holen, sollte er nicht augenblicklich verschwinden. Doch der Teufel lachte nur höhnisch. Connolly rief einen Stallburschen zu sich und trug ihm auf, aus dem Dorf einen Geistlichen zu holen. Doch der Stallbursche weigerte sich.
Connolly eilte schließlich selbst ins Dorf. Mit einem Priester kehrte er nach kurzer Zeit wieder zurück nach Castletown. Gerade wollte der Teufel Feuer legen. Doch als er den Priester erblickte, fluchte er gewaltig, warf feurige Blicke um sich und entschwand kurzerhand durch den Kamin, einen fürchterlichen Schwefel-Gestank hinterlassend.
Am Nachmittag unseres Besuchs in Castletown war das Wetter zu schön, als dass über dem alten Anwesen düster und bedrohlich wirkende Wolken gehangen hätten. Die sommerliche Stimmung passte so gar nicht zu der eben erzählten Geschichte. Da musste schon PhotoShop ran, um ein halbwegs passendes Foto zu erzeugen. Und doch: Wenn man sich so die stummen alten Mauern ansah, konnte man sich schon fragen, wer dort im Laufe der Zeit so alles ein- und ausgegangen war. Wer weiß, vielleicht spielten hier ja tatsächlich einmal William Connolly und "the Old Boy" Karten ...
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Mit diesem Beitrag verabschiede ich mich in eine längere Urlaubspause. Nach dem 1. September geht es hier wieder weiter.
Freitag, 10. August 2012
Als Irland stillstand
Gestern Nachmittag um viertel vor fünf in Irland: Kugelschreiber wurden fallengelassen, Meetings vorzeitig beendet, Bildschirmschoner aktiviert, Telefone auf die Sprachbox umgeleitet. In vielen Büros ruhte die Arbeit, versammelte sich die Belegschaft vor allen verfügbaren Fernsehern.
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| Irlands Gold-Mädchen: Boxerin Katie Taylor |
Der Blick Irlands ging nach London. Es war der Moment für Katie Taylor, Irlands größte Goldhoffnung bei diesen Olympischen Spielen, der Griff nach der ersten Gold-Medaille für irische Boxer seit 20 Jahren. Irland musste einfach dabei sein, musste einfach mitfiebern, Arbeit hin oder her.
Zehn Minuten hoffen und fiebern, vier lange Runden im Ring, banges Warten, bis das Ergebnis verkündet wurde. Dann gab es Gewissheit: Gold für Katie Taylor, Gold für Irland. Eine Sensation. Ein Jubelschrei erhob sich in ganz Irland, von Derry bis Bantry, von Galway bis Dublin. Gold! Gold!
Ein Jubelschrei, der auch in Europa zu hören gewesen sein musste. Nur Eine fand es scheinbar nicht lustig, dass Irland für ein paar Minuten die Arbeit ruhen ließ. Ach, Angela ...
Fotos: Internet
Donnerstag, 9. August 2012
Olympiade: Was Katie Taylor und Jack B. Yeats gemeinsam haben
Bislang ist die Medaillenausbeute der irischen Olympia-Mannschaft sehr bescheiden. Die irischen Sportler bemühen sich redlich und zeigen Leistungen, auf die man stolz sein kann. Dennoch reicht es am Ende meist nur zu Platzierungen weit außerhalb der Medaillenränge. Auch Seglerin Annalise Murphy, die vor ihrer letzten Segel-Etappe noch auf einem viel versprechenden vorderen Rang lag, kam schmerzlich zu der Erkenntnis, dass man sich auch auf dem Wasser verfahren kann. Am Ende blieb nur der undankbare vierte Platz.
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| Hoffnungsträgerin: Beten für Katie Taylor |
Erfolgreiche irische Boxer
Überhaupt die irischen Boxer. Insgesamt 25 Medaillen hat Irland bei Olympischen Sommerspielen bislang eingeheimst, seit man 1924 zum ersten Mal als unabhängiger Staat antrat. Interessanterweise wurde etwa die Hälfte der Medaillen von irischen Boxern erkämpft. Irland, eine Boxsport-Nation? Zyniker werden jetzt wahrscheinlich anmerken, dass die Iren immer dann stark sind, wenn es darum geht, jemanden eins auf die Nase zu geben.
Bei den anderen Disziplinen, bei denen man Irland weit vorne erwarten würde - etwa beim Reitsport oder auch Segeln (schließlich ist Irland eine Insel) - sah es bislang sehr dürftig aus. Als einziger irischer Reiter holte Springreiter Cian O'Connor 2004 in Athen die Gold-Medaille – allerdings wurde diese ihm gleich wieder aberkannt, weil im Blut seines Pferdes verbotene Substanzen entdeckt worden waren. Selbiger Cian O'Connor holte in London dann doch noch die erste Reiter-Medaille für Irland – Bronze, Irlands erste Medaille bei diesen Sommerspielen.
Schade, dass es keine Medaillen für Singen oder Geschichtenerzählen gibt, da hätte Irland sicherlich gute Medaillenchancen (die irischen Fans würden locker den Fan-Wettbewerb gewinnen). (Zyniker würden wahrscheinlich noch die Disziplin "Kampftrinken" empfehlen.)
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| Gewann 1924 die Silber-Medaille bei den Olympischen Spielen: "The Liffey Swim" von Jack B. Yeats (Bild: National Gallery) |
Doch halt! Was viele nicht wissen: In der Anfangszeit der modernen Olympischen Spiele schloss das Ideal auch die Künste mit ein. Es gab tatsächlich Medaillen für die Kategorien Architektur, Literatur, Musik, Malen und Bildhauerei. Die Kunstwerke mussten lediglich einen Bezug zum Sport haben.
Silbermedaille für Jack B. Yeats
Und siehe da: Bei der Olympiade in Paris 1924 gewann der Maler Jack B. Yeats für sein Gemälde "The Liffey Swim" die Silber-Medaille (nur ein Jahr, nachdem sein Bruder W. B. Yeats den Nobelpreis für Literatur erhalten hatte). Und der Schriftsteller Oliver St. John Gogarty erhielt für sein 1.100-Wörter-Epos "Ode to the Tailteann Games" die Bronze-Medaille. Na bitte.
Leider wurden die künstlerischen Disziplinen nach den Spielen von 1948 wieder aus dem Programm genommen - die teilnehmenden Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Musiker etc. entsprachen nicht dem Ideal des Amateurs. Fortan blieben den irischen Teilnehmern nur noch die sportlichen Disziplinen, um Medaillen zu erkämpfen.
Aber so kommt es zu dem Kuriosum, dass der Künstler Jack B. Yeats und die Boxerin Katie Taylor gemeinsam in der Liste der irischen Medaillengewinner geführt werden.
Dienstag, 7. August 2012
"The fools, the fools, the fools!"
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| "But, the fools, the fools, the fools! ... " |
Es war eine Grabrede, die in die Geschichte einging. Als am 1. August 1915 auf dem Dubliner Friedhof von Glasnevin der alte Fenianer Jeremiah O'Donovan Rossa zu Grabe gelegt wurde, hielt der damals weitgehend unbekannte Pádraig Pearse vor etwa 2.000 Anwesenden eine Rede, die nicht nur den damaligen Zeitgeist traf, sondern die auch viele Generationen irischer Freiheitskämpfer inspirieren sollte.
Der 1831 im County Cork geborene Rossa war Führer der Fenianer und Mitglied der Widerstandsgruppe "Irish Republican Brotherhood" gewesen. Für seine Mitwirkung am Fenianeraufstand wurde er 1865 zu lebenslanger Haft verurteilt. Aufgrund einer Amnestie - in Verbindung mit dem Versprechen, Irland für immer zu verlassen - wurde er 1870 freigelassen. Bis zu seinem Tod am 29. Juni 1915 lebte er im Exil in Amerika.
Die Anhänger der Widerstandsbewegung in Irland erkannten das große Propaganda-Potenzial, das eine Beisetzung des alten Fenianers in Dublin haben würde. In Europa tobte der 1. Weltkrieg. In Irland formierte sich der Widerstand gegen den Besatzer England. Die beiden größten Widerstandsgruppen, die "Irish Republican Brotherhood" und die "Irish Citizen Army", planten einen Aufstand, der noch vor Ende des Weltkriegs stattfinden sollte.
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| " ... They have left us our Fenian dead, and while Ireland holds these graves ..." |
England konnte keinen Störenfried hinter den eigenen Reihen gebrachen und hielt Irland an der kurzen Leine. Öffentliche Versammlungen und Reden waren verboten. Nicht verboten aber waren Versammlungen anlässlich von Beerdigungen. Es war auf jener Beisetzung von Jeremiah O'Donovan Rossa, als Pádraig Pearse, öffentlich die Uniform eines Offiziers der "Irish Volunteers" tragend, seine unvergessene Rede hielt. Sie endete mit den Worten:
"They think that they have pacified Ireland. They think that they have purchased half of us and intimidated the other half. They think that they have foreseen everything, think that they have provided against everything; but, the fools, the fools, the fools! — They have left us our Fenian dead, and while Ireland holds these graves, Ireland unfree shall never be at peace."
Den weiteren Verlauf der Geschichte kennen wir. Nur acht Monate später, im April 1916, fand der Osteraufstand statt, bei dem Pádraig Pearse vor dem General Post Office in Dublin die Irische Republik proklamierte. Der Aufstand wurde von England blutig niedergeschlagen, die Anführer hingerichtet. Pearse wurde am 3. Mai 1916 im Gefängnis von Kilmainham erschossen, nur knapp zehn Monate, nachdem er die Rede am Grab von Rossa gehalten hatte.
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| "... Ireland unfree shall never be at peace." |
Einen kleinen Eindruck davon, wie es war, als Pearse seine Rede am Grab von Rossa hielt, kann man diesen Monat auf dem Friedhof von Glasnevin erhalten. Jeden Nachmittag gegen halb zwei trägt ein Schauspieler die Rede vor, wie Pearse eine Uniform der "Irish Volunteers" tragend. Die kleine Veranstaltung ist Teil eines Programms des Museums von Glasnevin, bei dem über die nächsten Monate berühmte Reden irischer Patrioten und Freiheitskämpfer nachgestellt werden. Eine wie ich finde äußerst gelungene, sehr anschauliche Art und Weise, irische Geschichte lebendig werden zu lassen.
Wenn der Schauspieler alias Pearse die Worte spricht "Ireland unfree shall never be at peace", und man sich bewusst macht, dass der Mann, nur zehn Monate, nachdem er diese Worte gesprochen hatte, hingerichtet wurde, läuft einem schon ein kalter Schauer über den Rücken.
Weitere Infos siehe Glasnevin Cemetery
Montag, 6. August 2012
Gaeltacht-Sprachkurse leiden an Schülerschwund
Sommerzeit, Ferienzeit - in Irland ist dies auch traditionell die Zeit, in der viele Familien ihre Zöglinge in die Sommerkurse in den Gaeltacht-Gebieten schicken. Dort sollen die Schüler für einige Wochen fernab englischen Spracheinflusses durch Radio, Fernsehen und Freundeskreis völlig in die irische Kultur eintauchen und vor allem ihr Irisch praktizieren. Seit jeher waren für viele Schüler die in den Gaeltacht-Gebieten verbrachten Wochen fester Bestandteil ihrer Schulferien.
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| Schule in Spiddal: Seit jeher führen die Schulen in den Gaeltacht- Gebieten Ferienkurse zur Vertiefung der Sprache Irisch durch. Doch in letzter Zeit sind die Schüler-Zahlen rückläufig. |
Doch das scheint sich langsam zu ändern. Wie der "Irish Independent" jüngst berichtete, macht man sich in den Gaeltacht-Gebieten so seine Sorgen. Seit 2008 hat die Zahl der Schüler, die zu den Sommerkursen anreisen, stetig abgenommen. Kamen 2008 noch 28.000 Schüler, werden in diesem Jahr nur noch 24.000 erwartet. Ein Rückgang um knapp 15 Prozent.
Allgemein werden die wirtschaftlich harten Zeiten dafür verantwortlich gemacht, dass immer weniger Familien ihre Zöglinge in die Gaeltacht-Kurse schicken. Tatsächlich aber melden die Anbieter von Feriensprachkursen in Irland und auch auf dem Kontinent - allen voran für Spanisch, Französisch, Italienisch und auch Deutsch - eine deutlich gestiegene Nachfrage.
Dies bestätigt zum einen, dass nach wie vor viele Eltern bereit sind, in die Ausbildung ihrer Kinder zu investieren, egal wie hart die Zeiten sind. Es legt zum anderen aber den Schluss nahe, dass viele Eltern - und wohl auch die Schüler selbst - der Sprache Irisch eine immer weniger große Bedeutung für die Ausbildung und die beruflichen Perspektiven beimessen. Diesem Trend konnte auch eine punktemäßige Aufwertung der Prüfungen für das Fach Irisch bislang nicht entgegenwirken.
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| Hier wird Irisch gesprochen: Wegweiser im Gaeltacht-Örtchen Spiddal (Co. Galway) |
Überhaupt sind die Ferienkurse für die Gaeltacht-Gebiete ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Für eine Gastfamilie bedeutet die Unterbringung der Schüler ein zusätzliches Einkommen zwischen 10.000 und 15.000 Euro im Jahr, je nach dem, wie viele Schüler sie in den Ferienmonaten bewirtet.
Langfristig wird man sich da aber wohl nach anderen Einnahmequellen umsehen müssen. Überhaupt wirkt die Sache mit den Sprachkursen höchst eigenartig: Während in Deutschland Eltern ihre Kinder zu Sprachkursen nach England oder Frankreich schicken, schicken irische Familien ihre Kinder zu Kursen im eigenen Land, um eine Sprache zu lernen, die zwar offizielle Amtssprache ist, die aber kaum jemand spricht und die ihren Status als Muttersprache längst verloren hat. Kein Wunder, dass die Ferien-Sprachkurse an Popularität verlieren.
(siehe auch: "Irisch - Ab in die Konserve")
Sonntag, 5. August 2012
The Lucky Stone in St. Audoen's
Nach dem Stein von Blarney ist nun die Rede von einem anderen, weit unbekannteren Stein, dem ebenfalls magische Kräfte nachgesagt werden. Im Innern von St. Audoen's Church im Zentrum von Dublin steht der sog. "Lucky Stone" - so benannt, weil es Glück bringen soll, ihn zu berühren. Derartige Steine gibt es bekanntlich viele in Irland. Um diesen Stein jedoch ranken sich allerhand kuriose Geschichten.
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| Der "Lucky Stone" in St. Audoen's Church: Es heißt, er wird von übernatürlichen Kräften bewacht. |
St. Audoen's Church steht dort, wo man heute noch die letzten Reste des mittelalterlichen Dublins findet. Der "Lucky Stone" befindet sich somit auf ältesten Grund in Dublin. Seine Geschichte führt uns in der Tat weit ins tiefe Mittelalter zurück.
Der grob rechteckige Stein mit dem eingravierten Keltenkreuz entstammt vermutlich einer frühchristlichen Siedlung aus dem 9. Jahrhundert, die sich irgendwo dort befand, wo heute St. Patrick's Cathedral steht - also quasi nur einen Steinwurf entfernt von St. Audoen's. Anfang des 14. Jahrhunderts bezog der Stein Position außen vor St. Audoen's Church, mit der er bis heute eng verbunden blieb. Es heißt, er wird von übernatürlichen Kräften bewacht, denn, obwohl über die Jahrhunderte mehrfach versucht wurde, den Stein zu entfernen, fand er stets seinen Weg wieder zurück zu St. Audoen's.
Von übernatürlichen Kräften bewacht
Früh hieß es, es bringt Glück, den Stein zu berühren. Im Mittelalter machten es sich Kaufleute deshalb zur Gewohnheit, mindestens einmal am Tag am Stein vorbeizugehen und ihn zu berühren. Als 1308 in Cornmarket unweit von St. Audoen's eine Trinkwasserzisterne in Dublin errichtet wurde, wurde der Stein auf Anregung eines Stadtoberen für einige Zeit danebengestellt. So konnten alle, die aus der Zisterne tranken, von seinen magischen Kräften profitieren - und der Politiker stieg in der allgemeinen Beliebtheit.
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| St. Audoen's Church ist eine der ältesten Kirchen in Dublin |
1826 wurde der Stein gestohlen und blieb für zwei Jahrzehnte verschollen - um dann jedoch wieder aufzutauchen. Man erzählte sich, dass der Stein, während ihn die Diebe fortschleppen wollten, immer schwerer wurde. So schwer, dass sogar das Pferd, das ihn ziehen sollte, zusammenbrach. Daraufhin ließen die Diebe den Stein einfach liegen. Später, als Handwerker versuchten, den am Straßenrand liegenden Stein zu zerschlagen, soll er laut aufgeschrien haben und zur Seite gerollt sein.
In den 1860er Jahren schließlich wurde der Stein im Innern des Glockenturms von St. Audoen's aufgestellt, wo er noch heute steht. Seitdem hat niemand mehr versucht, ihn zu entwenden. Man erzählt sich, die Geister von Priestern patrouillieren in und vor der Kirche, um den Stein zu bewachen.
Derart sind die Geschichten über den "Lucky Stone" in St. Audoen's. Auch sonst gibt es noch einige höchst unheimliche Geschichten über St. Audoen's Church und das alte Stadtviertel, in dem sie steht. Aber die erzähle ich ein andermal.
"I know not how the truth may be,
I tell the tale as 'twas told to me."
aus: "Leixlip Castle: An Irish Family Legend"
von Charles Maturin
Donnerstag, 2. August 2012
Hurra, wir fahren mit dem Krankenwagen
Es sind diese kleinen Insider-Meldungen, bei denen man nur mit dem Kopf schütteln kann. Ein Krankenwagenfahrer, stationiert in Dublin, erzählte mir Folgendes:
Derzeit finden in Galway die berühmten “Galway Races” statt, das irische Ascot des Pferderennsports. Für das Großereignis sind sämtliche Krankenwagen aus dem Raum Galway vor Ort an der Rennstrecke in ständiger Bereitschaft.
Nun musste ein Patient vom kleinen Castlebar ins Krankenhaus nach Galway transportiert werden (80 km, etwas mehr als 1 Stunde Autofahrt). Alle Krankenwagen sind aber bei den Pferderennen in Bereitschaft. Abziehen darf man sie nicht. Es könnte sich ja jederzeit einer der VIP an seiner Champagner-Olive verschlucken.
Was also tun? Nun, man fordert einfach einen verfügbaren Krankenwagen aus dem fernen Dublin an (240 km, mindestens 3,5 Stunden Autofahrt). Der fährt den Patienten von Castlebar ins Krankenhaus von Galway und kehrt anschließend nach Dublin zurück (weitere 210 km, mindestens 2,5 Stunden).
Wow! Nicht nur musste ein armer Patient mehr als drei Stunden warten, bis endlich ein Krankenwagen eintraf. Die Fahrer hatten auch mehr als sechs Stunden lang nichts Besseres zu tun, als einen leeren Krankenwagen durch die irische Landschaft zu gondeln.
Leider passiert so etwas nicht gerade selten. Irlands Gesundheitsbehörde, Health Service Executive (HSE), ist dafür bekannt, nicht gerade effizient mit ihren Ressourcen umzugehen. Vielmehr ist die HSE das traurige Musterbeispiel in Sachen Missmanagement und Ineffizienz einer Behörde. Da wundert einen auch nicht, dass die HSE bereits im ersten Halbjahr dieses Jahres ihr Budget wieder einmal überzogen hat - um schlappe 500 Millionen Euro.
Als im Frühjahr 2011 Dr. James Reilly neuer Gesundheitsminister wurde, hatte man noch Hoffnung. Endlich einmal würde einer vom Fach der Gesundheitsbehörde vorstehen. Aus seinen schönen Ideen, die er vielleicht einmal hatte, ist bislang allerdings nicht viel geworden. Stattdessen wurde es auffällig ruhig um ihn. Er hatte wohl die Behäbigkeit der Behörde gewaltig unterschätzt, und scheint innerlich bereits resigniert zu haben.
Vor kurzem wurde zudem bekannt, dass der nette Doktor private Schulden in Höhe von fast 2 Millionen Euro hat. Warum wundert einen da nichts mehr?
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